Es ist zwar nicht besonders groß, in Sachen Leistung ist es dagegen riesig: das Gehirn unserer Partner auf vier Hufen. pferde.de hat 7 Fakten zur Schaltzentrale im Kopf.
Okay, sie können nicht rechnen und schreiben. Zumindest nicht so, wie wir Menschen. Aber: Pferde sind klüger als manche glauben. So können sie zum Beispiel durchaus Buchstaben unterscheiden, wie eine Studie herausfand. Dazu reagieren sie auf kleinste Veränderungen, kennen ihren Namen – und können sogar Werkzeuge benutzen.
Dass Pferde klug sind, verdanken sie ihrem Gehirn. Wenn Du mehr über die Schaltzentrale der Pferde wissen möchtest – hier kommen 7 spannende Fakten:
1. Das Gehirn der Pferde: Klein, aber oho!
Großes Tier, großes Gehirn – diese Logik funktioniert beim Pferd nicht. Tatsächlich ist das Gehirn eher klein. Es wiegt gerade mal zwischen 400 bis 700 Gramm – das sind lediglich 0,1 Prozent des gesamten Körpergewichts! Zum Vergleich: Beim Menschen bringt das Gehirn zwei Prozent des Körpergewichts auf die Waage. Heißt: Das Pferdegehirn entspricht nur etwa einem Achtel der Größe vom Gehirn des Menschen.

2. Grundlagen vor der Geburt gelegt
Wenn Fohlen auf die Welt kommen, sind sie im Prinzip sofort „startklar“. Der Grund ist simpel: Pferde sind Fluchttiere und so sind Fohlen direkt nach der Geburt fluchtbereit. Entsprechend schnell können sie stehen, nach etwa 15 Minuten kommen sie zum ersten Mal noch etwas wackelig auf ihren eigenen Hufen. Damit das klappt, muss das Fohlen „fertig“ geboren werden – Gehirn inklusive.
Das hat übrigens bereits im Mutterleib seinen ersten Job. Denn: Damit Fohlen im Mutterleib nicht zu aktiv sind, wird ein spezielles Hormon produziert. Beginnt die Geburt, löst der Druck des Geburtskanals ein Signal im Gehirn des Fohlens aus. Die Folge: Die Produktion des Hormons wird eingestellt. Nur so kann das Fohlen schnell aufstehen und bei der Mutter trinken.
3. Gehirn: klein und groß
Wie das menschliche Gehirn hat auch das Pferdegehirn ein Klein- und ein Großhirn. Das Kleinhirn ist dabei eine Art Koordinierungsstelle: Hier werden Gleichgewicht, Bewegungen, die Sinnesorgane und auch der Muskeltonus aufeinander abgestimmt.
Das Großhirn empfängt, verknüpft und bewertet Informationen aus den Sinnesorganen. Hier geschieht aber noch mehr: Der vordere Bereich des Großhirns ist zum Beispiel auch für das Sozialverhalten zuständig. Aber auch das Denken findet hier statt.

4. Die „Alarmanlage“: der Mandelkern
Der Mandelkern gehört zum Großhirn und hat eine wichtige Aufgabe: Hier sitzt die „Alarmanlage“ der Pferde. Wie die funktioniert? Ganz einfach: Der Mandelkern kontrolliert Aufmerksamkeit und Aggressivität, dazu werden dort negative Erlebnisse wie kleine Reize abgespeichert. Nimmt Dein Pferd später einen dieser Reize wahr, schlägt der Mandelkern sofort Alarm. Und zwar ohne das Signal zu bewerten. Die Folge: Das Pferd wird unruhig, ängstlich, im schlimmsten Fall sogar panisch. Dann blockiert das Gehirn. Forscher gehen davon aus, dass Pferde, die sehr ängstlich und schreckhaft sind, einen stark vernetzten Mandelkern haben.
5. Erlebnisse werden gut gespeichert
Pferde sind kleine Gedächtniskünstler. Sie haben nämlich ein gutes Kurz- und Langzeitgedächtnis. Das heißt: Pferde erkennen „ihre“ Menschen auch nach einer langen Trennung wieder, wie eine Studie bewies. Auch Kommandos können Pferde lernen. Und sie merken sich, wo die Leckerlis versteckt sind. Damit das Gedächtnis funktioniert, ist der sogenannte Hippocampus gefragt. Er ist für das Kurzzeitgedächtnis zuständig ist und leitet wichtige Infos ans Langzeitgedächtnis weiter. Übrigens: Gedächtnis ist auch Trainingssache – wenn es täglich arbeitet, bleibt es fit.

6. Das Gehirn unserer Pferde arbeitet im Turbo-Tempo
Wäre das Gehirn ein Auto, hätten Pferde einen Rennwagen im Kopf. Denn: Dort werden in Sekundenbruchteilen viele Informationen verarbeitet. Das brauchen Pferde als Fluchttiere, damit sie bei Gefahren direkt reagieren können. Diese Fähigkeit zeigt sich dann auch beim Reiten. Dann verarbeiten Pferde nicht nur die äußeren Eindrücke, sondern auch die Hilfengebung des Reiters. Dabei zeigen Pferde oft, dass sie wirklich mitdenken: Sie können auch aus den ungenauen Hilfen von Anfängern die „rausfiltern“, die gerade gemeint sind…
7. Wenn das Gehirn krank wird
Wie jedes Organ kann auch das Gehirn erkranken. Nach einem Unfall kann ein Pferd zum Beispiel ein Hirntrauma erleiden, eine Art Gehirnerschütterung. In den meisten Fällen kann es gut behandelt werden. Doch ein schweres Schädel-Hirn-Trauma kann fatale Folgen haben: Das Pferd kann ins Koma fallen. Aber auch Hirntumore, Schlaganfälle oder Demenz sind möglich.








