Der Hannoveraner gilt als eine der bedeutendsten Pferderassen der Welt. Was sie auszeichnet? Vor allem ihr großer Erfolg bei Turnieren – bislang haben sie in mehr als 25 Olympia-Wettbewerben eine Goldmedaille abgestaubt. pferde.de hat sieben weitere spannende Fakten zu den „edlen Niedersachsen“.
Was verbindet Paul Schockemöhle, Ludger Beerbaum und Isabelle Werth? Ganz einfach: Ihre größten Erfolge verdanken sie Pferde aus Niedersachsen. Und die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Denn: Hannoveraner gehören zu den erfolgreichsten Sportpferden in Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Doch auch als Freizeitpartner sind die Pferde beliebt. Wenn Du Dich für die Rasse interessierst – hier kommen sieben spannende Fakten:
1. Den Grundstein legten Holsteiner Hengste
Die Zucht der Hannoveraner lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Doch die wahre „Geburtsstunde“ lag im Jahr 1735: Damals wurde das Landgestüt Celle gegründet. Und zwar auf königlichen Erlass: Georg II. von Hannover, König von Großbritannien und Irland, ordnete die Gründung an. So wollte er die bäuerliche Pferdezucht fördern und die Kavallerie mit leistungsfähigen Pferden ausstatten. Kein Wunder: Georg II war grundsätzlich an Kriegszügen interessiert. Er war auch der letzte britische Monarch, der noch selbst zu Pferd in die Schlacht ritt.
Übrigens: Für die Gründung griffen die Verantwortlichen auf 13 holsteinische Hengste zurück.

2. Vom Arbeitspferd zum begehrten Turnierpartner
Die Hannoveraner waren schnell beliebt: Schon 1800 gab es 50 Deckstationen mit rund 100 Hengsten. Übrigens: 1947 wurde in Sachen Zucht zum Rekordjahr! 360 Hengste deckten in dem Jahr rund 35.000 Stuten.
Noch in den 1960er Jahren war es übrigens alltäglich, dass die Zuchtstuten in der Landwirtschaft als Arbeitspferde im Einsatz waren. Erst nachdem Pferde dort immer unwichtiger wurden, stellte sich die Zucht um. Vollblüter und Trakehner wurden eingekreuzt, um die Zucht zu veredeln. Die Hannoveraner sollten so noch mehr Leistungsfähigkeit bekommen – und adeligen Anmut.
3. Hannoveraner sind auf der ganzen Welt zuhause
Der Hannoveraner gilt als eine der bedeutendsten Pferderassen der Welt und zahlenmäßig am stärksten vertretene Warmblutrasse in Europa. Mit rund 16.000 eingetragenen Zuchtstuten und über 300 Hengsten nimmt Hannover weltweit eine Spitzenposition ein. Und die Hannoveraner werden nicht nur in Deutschland gezüchtet. Zum Verband gehört auch der Bezirksverband International. Er hat Mitglieder in Kanada, Finnland, Frankreich, Russland, Südafrika und Schweden.
4. Hannoveraner – die „Geldmaschinen“
Wer sich einen Hannoveraner kauft, holt sich manchmal auch eine „Geldmaschine“ auf vier Hufen. Denn bei sportlichen Erfolgen ist diese Rasse oft ganz vorne dabei. Deister war zum Beispiel sportlich und finanziell ein Erfolg: Der Wallach ist mit Preisgeldern in Höhe von etwa 730.000 Euro eines der erfolgreichsten Springpferde aller Zeiten. Kein Wunder also, dass er den Spitznamen „springender Geldschrank“ bekam.
Mit einer Gewinnsumme von mehr als 1,83 Millionen Euro zählt auch For Pleasure zu den erfolgreichsten Springpferden der Welt. Noch mehr Geld brachte jedoch der Hannoveraner Goldfever ein: Mit 2,8 Millionen Euro gilt er als eines der gewinnreichsten Springpferde aller Zeiten. Übrigens: Hannoveraner Ratina Z galt als erfolgreichstes Springpferd aller Zeiten.
Bislang unerreicht ist Wallach Gigolo: Er gewann viermal Olympisches Gold, zweimal Silber sowie vier Welt- und acht Europameistertitel. Damit war er nicht nur das beste Dressurpferd der Welt, sondern auch das erfolgreichste im gesamten Reitsport. Womit wir beim nächsten Punkt sind…
5. Goldschmiede für Isabelle Werth
Tatsächlich hat die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt ein goldenes Händchen in Sachen Hannoveraner: Neben Gigolo holte Isabell Werth auch mit Antony, Don Johnson und Weingart Medaillen. Und natürlich ist auch Satchmo ein Hannoveraner – und ein ganz besonderer Liebling für Isabelle Werth.
„Satchmo ist ein extrem sensibles, liebes, aber auch freches Pferd“, sagt sie. Und gibt zu: Er war eine Herausforderung: „Ich bin von keinem Pferd häufiger heruntergefallen als von Satchmo. Später war er mich das zuverlässigste Pferd. Und das Pferd, auf dem ich mich am sichersten gefühlt habe.“ Insgesamt war er „das vielleicht schwierigste, aber auch wichtigste Pferd meiner Karriere.“
5. Ein Westfale knackt die Millionen-Grenze
Kaum zu glauben: Das bis 2015 teuerstes Pferd in der Geschichte des Hannoveraner Verbandes trägt einen westfälischen Brand! 1,2 Millionen Euro brachte damals in Verden der Rocky-Lee-Sohn. Das Publikum feierte seinen Star minutenlang mit Standing Ovations – auch das hat es so noch nie zuvor gegeben. Der Hengst ging anschließend nach Dänemark in den Dressurstall Helgstrand.
Nur drei Jahre später der nächste Rekord: Nach einem über 20-minütigem Bieterduell wurde der Prämienhengst von Vivaldi/Dancier für 2,01 Millionen Euro von Schockemöhle/Helgstrand ersteigert. Damit erzielte der Dunkelfuchs ein bislang bei einer Verbandsauktion in Deutschland noch nicht erreichten Spitzenpreis.
6. Promis lieben Hannoveraner
Sängerin Sarah Connor war schon immer ein Pferdemädchen. Mit drei saß sie auf einem Pony. Ihr erstes eigenes Pferd bekam sie mit 13: Pepper – ein Hannoveraner. Mit ihm gewann sie sogar einige Turniere. „Ich war damals auch täglich bei ihm im Stall und habe ihm bei langen Ausritten von all meinen Pubertätssorgen und Schwärmereien erzählt“, erzählte die Sängerin in einem Interview.
Auch Moderatorin Annica Hansen ist erfolgreiche Reiterin und nimmt mit ihrem eigenen Pferd an Dressur- und Springturnieren teil. „Pferde sind mein Leben und es gibt auf dieser Welt nichts, was mich so glücklich macht, wie meine Nase tief in das Fell meiner Vierbeiner zu stecken und für einige Momente die Welt zu vergessen“, schreibt sie auf ihrer Homepage.
Ihr erstes eigenes Pferd war Wölbchen, eine Hannoveraner-Stute, mit der sie an Turnieren teilnimmt. Und die Liebe ist so groß, dass Wölbchen sogar eine eigene Instagram-Seite hat…
Hannoveraner sind auch Lehrmeister für Schauspieler. Ursula Karven musste für eine Rolle in den Sattel steigen: „Ich habe drei Monate Reitunterricht genommen, weil ich mich sicherer fühlen wollte. Das Pferd war eine Hannoveraner Stute mit einem Stockmaß von 1,80 Meter. Die Reitlehrerin war überzeugt davon, dass ich jedes Pferd reiten kann, wenn ich dieses im versammelten Trab beherrsche.“
7. Auch Deutschlands höchste Richter kennen Hannoveraner
Selbst beim Bundesgerichtshof beschäftigten sich die Richter schon mit Hannoveraner. Genauer: Mit einem Hannoveraner Wallach. Der wurde 2010 für 250.000 Euro von einem Berufsreiter an einen Adeligen verkauft und sollte als Dressurpferd bis Grand Prix eingesetzt werden. Nur: Bei der neuen Reiterin war der Wallach lahm, zeigte schwerwiegende Rittigkeitsprobleme. Bei einer Röntgenuntersuchung im Juni 2011 stellte ein Tierarzt eine Veränderung an der Halswirbelsäule des Pferdes fest.
Die Folge: Der Adelige wollte vom Kauf zurücktreten. Und bekam zuerst auch Recht – schließlich sei das ein Sachmangel. Doch der Bundesgerichtshof kippte die Urteile: Ein Röntgenbefund allein begründe keinen „Sachmangel“. Und auch für teure Dressurpferde gilt: Es gibt keine perfekten Pferde…








