Kommt ein Herdentier ohne seine Herde zurecht? Das musste unsere Autorin vor kurzem herausfinden. Denn alle Pferde im Stall waren für drei Wochen im Urlaub – und nur ihre Stute blieb zurück. Hier erzählt sie, wie Vio die Urlaubszeit meisterte.
Kann ein Herdentier wie ein Pferd eine Zeit lang allein sein, oder leidet es darunter? Diese Frage beschäftigte mich, als meine Stallfreundinnen ankündigten, dass sie mit ihren Pferden für drei Wochen in den Urlaub fahren würden. Meine Stute Viona blieb allein zurück, und ich stand vor der Herausforderung, ihre Bedürfnisse und ihr Wohlbefinden sicherzustellen.
Viona steht normalerweise mit zwei anderen Stuten auf einem Paddock, hat jedoch über den Zaun Kontakt zu unserer 31-jährigen Omi-Stute und den drei weiteren Stuten im Nachbarpaddock. Dadurch war sie zwar nicht völlig isoliert, aber dennoch ohne ihre gewohnte Herde.
Dennoch machte ich mir viele Gedanken. Besonders, da Viona in den letzten zwei Jahren emotional so viel durchgemacht hat und sich gerade erst richtig in der kleinen Herde eingelebt hatte. Wie würde sie als Herdentier die Trennung von ihren vertrauten Artgenossen verkraften?
Vorbereitungen für das Alleinsein
Um Viona auf die bevorstehende Zeit ohne ihre Herde vorzubereiten, haben wir bewusst viel Zeit getrennt von den Pferden verbracht. Ich unternahm alleine Ausritte mit Vio, während die anderen bei den Stuten am Stall blieben. Ebenso gingen meine Freundinnen mit ihren Stuten spazieren und ausreiten, wobei Vio währenddessen allein am Stall zurückblieb. Diesen Ablauf haben wir so oft wie möglich wiederholt, um Viona langsam an die neue Situation zu gewöhnen.
Zusätzlich bemühte ich mich, Vio so viel Abwechslung und schöne Momente in Gesellschaft zu bieten wie nur möglich. Dafür stimmte ich mich mit den anderen Pferdebesitzern ab, und wir gewöhnten unsere Stuten aneinander. So konnte Vio trotz der Abwesenheit ihrer gewohnten Herde Kontakt zu anderen Pferden pflegen und sich weniger einsam fühlen.
Abreise in den Urlaub
Am Tag als die Mädels mit ihren Stuten in den Urlaub aufbrachen, beschloss ich bewusst, erst am Abend in den Stall zu gehen. Über den Tag hinweg bekam ich regelmäßig Updates von den anderen Stallmädels. Natürlich war ich die ganze Zeit in der Nähe und auf Abruf, aber ich wusste, es würde mir das Herz brechen, Vio nach den anderen rufen und auf und ab galoppieren zu sehen. Vio ist nämlich eine kleine Klette und ein Schreihals, aber sie beruhigt sich auch schnell und gewöhnt sich gut an neue Situationen.
Genau so war es dann auch. In den ersten Tagen war sie noch angespannt, schaute nach Autos, die auf den Hof kamen, rief und ließ einige Fresszeiten an der zeitgesteuerten Heuraufe aus. Doch nach und nach fand sie ihren eigenen Rhythmus, fraß gut, war gut drauf und wirkte nicht mehr gestresst.
Momente der Einsamkeit
Besonders deutlich bemerkte ich Vios Einsamkeit, wenn ich an den Stall kam. Sie wieherte und sprudelte vor Freude und wusste gar nicht, wohin mit sich. Oft kam sie mir im Trab oder Galopp entgegen und war überglücklich, wenn ich da war. Genauso schwer fiel ihr der Abschied, wenn ich wieder ging. Obwohl ich wusste, dass ich am nächsten Tag zurückkehren würde, wusste sie es nicht. Es war klar, dass ich nicht ihr einziger Sozialkontakt in den drei Wochen bleiben konnte.

Neue Freundschaften in der Ersatzherde
Während der drei Wochen, in denen Vios Herde im Urlaub war, verbrachte ich jeden Tag bei ihr im Stall. Ich arbeitete dort und versuchte, so viel Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen. Zudem durfte ich Vio stundenweise mit unserer 31-jährigen Omi zusammenstellen. Die beiden mögen sich sehr und ihr Zusammensein war von Beginn an harmonisch. Aufgrund Omis Alter und der Tatsache, dass sie kein Heu mehr fressen kann, konnten sie jedoch nicht dauerhaft zusammenstehen.
Jährlingsstute: Spiel und Spaß auf dem Reitplatz
Das Sahnehäubchen auf dem Urlaubs-Kuchen war unsere Jährlingsstute vom Nachbarpaddock. Vio und die Kleine hatten schon immer am Zaun zusammen gespielt, und wir hatten das Gefühl, dass sie sich gut verstehen könnten. Unsere Vermutung bestätigte sich: Die beiden spielten wunderbar zusammen, waren vorsichtig miteinander und hatten trotzdem großen Spaß. Das tat beiden Pferden sehr gut, sodass wir sie regelmäßig auf dem Reitplatz, einem neutralen Ort, spielen ließen.
Heimkehr der Herde: Ein freudiges Wiedersehen
Nach drei Wochen kehrten die beiden Stuten aus Vios Herde zurück, und die Freude war riesig. Es war ein wunderbares Gefühl zu sehen, wie Vio und ihre Freundinnen sich sofort wiederfanden, als wären sie nie getrennt gewesen. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass wir auch solche Herausforderungen gemeinsam meistern können. Die drei Stuten brauchten keine Minute, um wieder zusammenzufinden, und alles war, als ob die anderen nie weg gewesen wären.








