Es gilt als beste Pferdefütterung: Heu „ad libitum“ geben, also der ständige Zugang zu den gesunden Halmen. Schließlich sind Pferde darauf ausgelegt bis zu 18 Stunden am Tag zu futtern. Doch ist Heu ohne Grenzen wirklich immer gut? Pro und Contra – hier die Argumente
Heu ohne Grenzen – das ist in immer mehr Ställen angesagt. Kein Wunder, schließlich gilt es als die perfekte Pferdefütterung. Die Begründung ist einfach: Pferde sind Dauerfresser. In der freien Natur sind sie fast den ganzen Tag am Futtern, zwischen zwölf bis 18 Stunden! Damit kommt die Heufütterung „ad libitum“ ihren Bedürfnissen also entgegen. Denn der lateinische Begriff „ad libitum“ bedeutet übersetzt so viel wie „nach Gutdünken“ der „nach Belieben“. Das heißt: Pferde haben ständigen Zugang zum Heu.
Vor allem in Offen- und Aktivställen hat sich Heu „ad libitum“ durchgesetzt. Doch wie so oft im Leben hat auch das scheinbar Perfekte seine „Nebenwirkungen“. Und das gilt auch für Heu ohne Grenzen. Tatsächlich hat das All-you-can-eat-Buffet für Pferde Vor- und Nachteile. Hier ein Überblick:
Magen und Darm werden geschützt
Ein Pro von Heu ohne Grenzen liegt klar auf der Hand: Es verhindert zum Beispiel Fresspausen, die für Pferde Folgen haben können. Denn: Egal, ob Pferde fressen oder nicht – ihr Körper produziert ununterbrochen Magensaft. Frisst das Pferd zu wenig, kann der Magen übersäuern. Mögliche Folgen sind Magengeschwüre und Koliken. Das heißt also: Bei Heu ohne Grenzen kann Dein Pferd rund um die Uhr futtern. Dadurch wird auch mehr Speichel gebildet, da Pferde bei Heu besonders viel Kauen. Der Speichel puffert die Magensäure ab. Somit schützt diese Fütterung vor Magengeschwüren.

Und nicht nur der Magen wird geschützt: Heu ohne Grenzen ist auch für den Darm gut. Denn so werden auch die wichtigen Darmbakterien in der Balance gehalten – zumindest, wenn das Heu eine gute Qualität hat.
Heu ohne Grenzen für die Zähne
Dazu ist die für Pferde ständig erreichbare Heufütterung auch noch gut für die Zähne. Denn: Für Pferde ist das Heue eine Art Zahnbürste. Ständiges Kauen langer Fasern reinigt nämlich die Zähne. Heißt: Die beste Zahnpflege für Pferde ist genügend Raufutter. Dazu sorgt das Kauen auch für Abrieb. Er ist notwendig, da Pferdezähne sich jedes Jahr einige Millimeter nachschieben.
Zu viel Heu sind zu viele Pfunde
Eine der größten Gefahren von Heu „ad libitum“ ist das Pferdegewicht. Denn Heu bedeutet Energie – und zu viel Heu zu viel Energie. Das klingt erst einmal so, als würden die Pferde dadurch besonders viel Power bekommen. Das stimmt aber nicht. Ein 600-Kilo-Pferd würde bei freiem Zugang zu Heu etwa 15 Kilo am Tag futtern. Je nach Qualität beziehungsweise Schnittphase liefert ein Kilo Heu zwischen 7 und 10 Megajoule Energie. Selbst bei „nur“ 7 Megajoule nimmt das Pferd dann also 105 Megajoule zu sich. Aber: Es braucht für Erhaltung und Arbeit lediglich 88 Megajoule. Das bedeutet: Das Pferd wird dick.

Das hat übrigens auch eine Studie bewiesen. Genauer: Deshalb musste eine Studie abgebrochen werden. Die Hochschule Nürtingen-Geislingen wollte die Heu-„ad libitum“-Fütterung mit Isländern untersuchen. Der Versuch musste nach wenigen Wochen abgebrochen werden. Denn die Pferde hatten innerhalb kurzer Zeit sehr viel zugenommen.
Heu ohne Grenzen: Die Qualität zählt
Gerade bei Heu ist die Qualität entscheidend. Ist sie nicht besonders gut, nehmen Pferde auch mehr Schimmelpilze auf. Das wiederum belastet Atemwege, Leber und Darm. Das heißt: Auch zu viel Heu kann, wenn es eine schlechte Qualität hat, zu Magenproblemen führen. Genau die sollte die „ad libitum“-Fütterung ja verhindern.

Ideal für schwerfuttrige Pferde
Wenn Du Dein Pferd auf Heu ohne Grenzen umstellen willst, solltest Du daher vorab ein paar Aspekte überprüfen:
- Ist Dein Pferd schwerfuttrig? Dann ist „ad libitum“ eine gute Lösung. Bei leichtfuttrigen Pferden kann sie dagegen zum Problem werden.
- Macht Dein Pferd von sich aus Fresspausen? Wenn nicht, kann es ebenfalls zu Problemen führen.
- Ist Dein Pferd übergewichtig? Auch dann solltest Du auf All-you-can-eat beim Heu verzichten.
- Ist Dein Pferd gesund? Bei EMS oder Cushing zum Beispiel brauchen Pferde eine spezielle Fütterung mit wenig Stärke und Zucker.








