Welche Erfolge die Hippotherapie hat – das haben schon viele Studien bewiesen. Doch nicht überall gibt es solche Angebote. Jetzt soll ein Reha-Roboter helfen. Aber kann er echte Pferdebegegnungen ersetzen?
Wer genau die Hippotherapie erfunden hat, ist nicht geklärt. Bereits der griechische Arzt Hippokrates (460-377 v. Chr.) wies auf die heilende Wirkung des Pferderückens hin. 1569 schrieb der italienische Arzt Girolamo Mercuriale ein Buch über die Verwendung von Pferden in der Gymnastik. Und 1835 wies Leopold Fleckles, Doktor der Heilkunde und Mitglied der medizinischen Fakultät Wien, auf therapeutisches Reiten zur Heilung von Lungenkrankheiten hin.
Heute haben viele Studien die Wirksamkeit der Hippotherapie belegt. Bei der Physio- beziehungsweise Ergotherapie sitzen die Patienten auf dem Pferd, die im Schritt meist am Langzügel geführt werden. Durch die Pferdebewegung werden zum Beispiel Impulse auf Becken und Wirbelsäule des Patienten übertragen.

Reha-Roboter für Kliniken und Reha-Zentren
Jetzt hat eine Firma eine Alternative zum Pferd entwickelt – einen Reha-Roboter. „hirob“ ahmt dieBewegung eines Pferderückens in der Gangart Schritt exakt nach. Dabei sitzt der Mensch auf einem ergonomischen Sitz, der einem Sattel nachempfunden ist. Und: Er muss aktiv auf die Roboterbewegungen reagieren. Dieses Training hilft dabei, den Rumpf zu stabilisieren, das Becken zu mobilisieren, Spasmen zu reduzieren und dazu das Gleichgewicht zu verbessern.
So können Menschen beispielsweise nach Schlaganfällen oder Schädel-Hirn-Traumata oder bei schweren Erkrankungen wie Multipler Sklerose wieder mobiler werden. Auch bei Beckenbodenschwäche oder Inkontinenz können sich die Beschwerden verbessern.

„Durch die exakte Nachbildung der Bewegungsimpulse eines Pferdes können wir mit ‚hirob‘ gezielt motorisches Lernen durch sensorische Stimulation und Aktivierung zentralnervöser Steuerungsprozesse fördern“, so Lara Leutgeb, wissenschaftliche Mitarbeiterin von „intelligent motion“.
Dazu hat der Reha-Roboter einen deutlichen Vorteil: Normalerweise werden bei der Hippotherapie die Patienten zuerst an die Tiere gewöhnt und unter Aufsicht sicher auf das Pferd gesetzt. Im Schritttempo werden die Erkrankten geführt, die Bewegung des Pferdes wirkt sich positiv auf Balance, Motorik und Bewegungsabläufe aus. Aber was tun, wenn ein Mensch Angst vor Pferden hat? Dann ist der Reha-Roboter eine gute Alternative.
Die Roboter-Hippotherapie bringt diese Vorteile direkt zu den Patientinnen und Patienten in die Reha-Behandlung in Krankenhäuser, Reha- und Physiotherapie-Zentren. „‚hirob‘ kann sehr rasch und genau an den Patienten angepasst werden“, so Dr. Andreas Mayr, Leiter Therapie im Landeskrankenhaus Hochzirl. „Wir können bereits in der Frühphase mit der Therapie beginnen, da die Geschwindigkeit und Auslenkung der Bewegung entsprechend den Bedürfnissen des Patienten angepasst werden können.“
Nur: Die emotionalen und psychischen Auswirkungen, die der Kontakt zu Pferden hat, können Roboter natürlich nicht ersetzen…








