Heute sind sie vor allem als Springpferde weltweit begehrt. Dabei begann die Geschichte der Holsteiner eher unglamourös: Sie wurden vor allem von Bauern gezüchtet. pferde.de hat 7 spannende Fakten über die nördlichsten Pferde Deutschlands.
Holsteiner gelten eigen und stolz. Und dazu hätten sie auch allen Grund: Schließlich ist ihre die einzige Warmblutzucht, die nicht durch Hannoveraner oder Trakehner geprägt ist. Dadurch haben sich die Holsteiner bis heute einen sehr eigenen Typ erhalten. Und der ist gefragt: Der Holsteiner zählt vor allem in Europa zu den beliebtesten Pferderassen.
Der Grund: Die Pferde für Anfänger und Profis sind tolle Partner auf vier Hufen. Wenn Du mehr über den Holsteiner wissen willst – hier das etwas andere Rasseporträt:
1. In einem Kloster ging es los
Die Geschichte der Holsteiner ist Jahrhunderte alt. Im Jahr 1225 verlieh Gerhard I., Graf von Schleswig- Holstein und Stormarn, dem Kloster Uetersen das Recht, seine Pferde in der Wildbrache der Grafschaft Pinneberg zu weiden. Und dort wurden schnell nicht nur Pferde gehalten, sondern auch gezüchtet – vor allem für Ritterturniere.
Mit Erfolg, das belegt auch eine Urkunde: Danach wurden im Jahre 1328 zwei für damalige Verhältnisse sehr teure Fohlen aus dem Kloster Uetersen an den Probst von Neumünster verschenkt. Damals wurden die Pferde vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt. Und das hieß: Die Pferde mussten sehr kräftig sein – und trittsicher, damit sie auch auf den schwierigen Böden in den Sumpfgebieten an der Elbe eingesetzt werden konnten.
Dazu wurden die Eigenschaften der bäuerlichen Zucht wurden auch beim Militär erkannt – und Holsteiner wurden dort als Arbeitspferde eingesetzt. Damals waren Holsteiner vor allem braun – und sorgten im 18. Jahrhundert über die Landesgrenzen hinaus auch als Luxus-Kutschpferde für Aufsehen.
Übrigens: Erst im 19. Jahrhundert wurden die Holsteiner in den Elbmarschen gezielt gezüchtet, um möglichst gute, schwere Warmblutpferde für die Landwirtschaft und die Armee zu erhalten. Dazu wurden zum Beispiel Yorkshire-Coach-Pferde eingekreuzt.
1883 wurde schließlich der Zuchtverein Krempermarsch gegründet, drei Jahre später auch das erste deutsche Stutbuch herausgegeben. Und 1891 entstand der Verband der Pferdezuchtvereine in den holsteinischen Marschen.

Doch wie alle Pferderassen hatten auch die Holsteiner in den 1950er Jahren mit der Modernisierung zu kämpfen. Die Arbeitspferde wurden von Maschinen ersetzt. 1960 gab es nur noch 1.311 Holsteiner Stuten. Die Folge: Der damalige schleswig-holsteinische Landtag löste das 1874 gegründete Landgestüt Traventhal auf. Der Holsteiner Verband übernahm fast den gesamten Hengstbestand aus Traventhal und baute sich im Laufe der Jahre in Elmshorn das Hengstdepot auf.
Dazu mussten Züchter umdenken – und kreuzten den Holsteiner mit englischen Vollblütern und weiteren Vollblut-Rassen. Heute gibt es Holsteiner in allen Farbgebungen, außer als Schecke…
2. Es gab mal zwei Holsteiner…
Auch wenn die Holsteiner als älteste deutsche Warmblutrasse gelten – bis ins 19. Jahrhundert bezeichnete ein „Holsteiner Pferd“ keine Rasse. Es stand schlicht für die regionale Herkunft. Dazu hatten sich schon früh zwei Hauptrichtungen entwickelt. Nördlich der Eider dominierte der zu den dänischen Pferden zählende schwere Schleswiger, der später als Kaltblüter eingeordnet wurde. Die Pferde in Holstein dagegen waren Warmblüter.
Und auch da gab es Unterschiede zwischen den Holsteinern von der Geest und aus der Marsch. Das Marschpferd musste zum Beispiel kräftiger sein, um den schweren Boden bearbeiten zu können. Gleichzeitig lieferte das fruchtbare Land reichlich Futter. Das führte dazu, dass die Marschpferde größer als die Geestpferde waren – aber auch als zäher galten.
3. Holsteiner sind die „Ur-Hannoveraner“
Heute scheinen Holsteiner und Hannoveraner wenig miteinander gemein zu haben. Die einen fallen vor allem im Springsport auf. Schließlich haben die Holsteiner laut Weltzuchtorganisation für Sportpferde (WBFSH) weltweit einen Spitzenplatz in der Springpferdezucht. Dagegen gelten die anderen insgesamt als erfolgreichste Sportpferde. Dabei verbindet die beiden Rassen viel. Denn: Im 16. Jahrhundert wurden Holsteiner exportiert – und bildeten auch den Grundstock der Hannoveraner. 1735 begann das Landgestüt in Celle seine Zucht mit 13 Hengsten aus Holstein!
4. Meteor: Vom Arbeitspferd zum Superstar
In Nindorf kam am 12. Mai 1943 beim Landwirt Otto Dreeßen ein braunes Hengstfohlen zur Welt. Es wurde Moritz genannt und später unter der Woche als Arbeitspferd eingesetzt. Am Wochenende setzte sich Ernst-Otto, Sohn des Landwirts, in den Sattel. Manchmal traten sie auch bei Springturnieren an. Und fielen dabei 1950 einem Mann auf: Fritz Thiedemann war beeindruckt, als Moritz nach einem 1,80 Meter hohen Sprung den Sieg holte.
Zwei Tage später wechselte Moritz den Besitzer – aber nicht Fritz Thiedemann schlug zu. Ein Landwirt kaufte den braunen Wallach als Springpferd für seine Tochter Elke. Mit dem neuen Besitzer kam auch ein neuer Name: Aus Moritz wurde Meteor…
Und wie ein Meteor flog der Wallach dann auch durch die Springprüfungen – und ins Herz von Fritz Thiedemann. Er drängte das Deutsche Olympia-Komitee für Reiterei dazu, sich mit 50 Prozent an dem Pferd zu beteiligen. Und saß schließlich selbst im Sattel. Der Rest ist Geschichte: 1957 war Meteor mit 150 Siegen das erfolgreichste Turnierpferd der Welt. 1956 und 1960 holte er bei Olympia Mannschaftsgold, 1958 wurde er Europameister und 1961 gewann er unter Thiedemann auch im Preis der Nationen des CHIO in Aachen.
Noch zu Lebzeiten wurde Meteor ein Denkmal gesetzt: Die Statue steht vor der heutigen Staatskanzlei in Kiel.
5. Holsteiner können auch Dressur und Vielseitigkeit!
Holsteiner sind vor allem als Springpferde begehrt – doch auch in der Dressur haben sie schon Olympiagold geholt. Dr. Josef Neckermann gewann zum Beispiel mit Antoinette v. Anblick 1964 in Tokio olympisches Mannschaftsgold.
In der Vielseitigkeit sind Holsteiner ebenfalls vorne dabei: Hinrich Romeike holte zum Beispiel mit Marius im Jahr 2008 bei Olympia Einzel- und Mannschaftsgold.
6. Promi-Reiter schwören auf Holsteiner
Dass Holsteiner springen können, ist weltweit bekannt. Und so setzen auch Promis auf die Pferde aus dem Norden Deutschlands – wie zum Beispiel Jessica Springsteen, Tochter von Sänger Bruce Springsteen. Sie holte sich die Holstein-Stute RMF Zecilie, die vorher vom irischen Springreiter Denis Lynch geritten wurde.
7. Ein Ladykiller aus England
Einer der berühmtesten Hengste der Holsteiner Zucht wurde nicht in Deutschland geboren, sondern in England. 1961 kam dort Ladykiller auf die Welt. Als Rennpferd war der Hengst zwar nur mäßig erfolgreich – als Vererber ist er dagegen bis heute legendär. So lieferte er 35 Staatsprämienstuten und ebenso viele gekörte Hengste – darunter auch Landgraf I, dem bereits zu Lebzeiten vor den Elmshorner Stallungen ein Denkmal gesetzt wurde.
Im Sport gewannen seine Nachkommen bislang mehr als 3,5 Millionen Euro.








