Nach einer Hufrehe-Erkrankung war die Hufwand von Stute Malishaa so stark beschädigt, dass sogar das Thema Einschläferung im Raum stand. Doch Besitzerin Katy wollte das nicht hinnehmen: Sie startete einen letzten Versuch der Heilung. Eine Geschichte, die von großem Mut, unerschütterlicher Hoffnung und der beeindruckenden Kunst der Hufbearbeitung erzählt.
Hufrehe: die Krankheit ist bei vielen Pferdehaltern bekannt – und gefürchtet. Aber welche Möglichkeiten gibt es, betroffenen Pferden wieder ein schmerzfreies und lebenswertes Leben zu ermöglichen? Das wollte ich ganz genau wissen – und habe dafür einen Tag lang Jana Schmidt und Dorothe Böhnke begleitet. Die beiden sind selbständig in der Hufbearbeitung tätig und betreuen einen festen Kundenstamm in Potsdam, den sie auf ihrer Route planmäßig alle vier Wochen besuchen.
Unser erster Halt führte uns zu Katy Helm, die mehrere eigene Pferde besitzt, darunter die Schimmelstute Malishaa. Ihre Geschichte hat mich besonders beeindruckt. Denn mit ihr begann ein Tag voller neuer Eindrücke und geballtem Fachwissen.
Malishaa’s Hufprobleme: Eine schwierige Entscheidung für Katy
Bevor ich auf Malishaa und ihre Problematik als Hufrehe-Pferd traf, war mir nicht bewusst, dass es eine Möglichkeit gibt, einen Huf derart zu rekonstruieren. Doch von Anfang an: Vor etwa eineinhalb Jahren stand Katy Helm vor einer schwerwiegenden Entscheidung. Malishaas Hufwand war so stark beschädigt, dass es für sie kaum eine Möglichkeit gab, weiterzuleben.
Die Option, sie einzuschläfern, wurde ernsthaft in Betracht gezogen. Doch natürlich wollte Katy Helm diese Entscheidung nicht leichtfertig treffen. Es war aber auch klar: Ein letzter Versuch der Heilung würde sie emotional und finanziell sehr stark fordern. Dennoch wollte sie nichts unversucht lassen, bevor sie im Juli 2022 die schwerste Entscheidung für ihre Stute treffen musste. So kam Katy Helm auf Empfehlung zu Jana Schmidt und Dorothea Böhnke.

Hufrehe: Die stille Gefahr für Pferde
Doch wie konnte Malishaas Situation so kritisch werden – und warum ist Hufrehe für Pferde so gefährlich? „Hufrehe ist eine Erkrankung, bei der der Hufbeinträger, der die Verbindung zwischen dem Hufbein und der Hufwand bildet, durch eine Entzündung geschädigt wird“, erklärt Jana Schmidt. Die Entzündung führe dazu, dass der Hufbeinträger geschwächt werde und das entzündete Horngewebe den Druck auf die Hufwand erhöhe. Dadurch wächst die Hufwand nicht mehr gerade nach unten, sondern wird nach außen verschoben.
„Normalerweise kann man ein Pferd nach einer Hufrehe durch eine gezielte und regelmäßige Bearbeitung weitestgehend stabilisieren – vorausgesetzt, alle anderen individuellen Auslöser der Erkrankung werden ebenfalls behoben. Bei Malishaa war die Ausgangssituation des Hufs bereits vor dem ersten Reheschub problematisch, und es folgten weitere Schübe.“ Deshalb begannen Jana Schmidt und Dorothe Böhnke nach Malishaas letztem Schub, der etwa eineinhalb Jahren zurückliegt, mit einer speziellen Behandlung.
Malishaa’s Hoffnung: Die Rettungsmission-Hufbearbeitung
Die beiden Hufbearbeiterinnen sahen eine Chance, Malishaas Leben wieder lebenswert zu machen. Es war jedoch nicht klar, ob diese Behandlung erfolgreich sein würde und ob die Stute wieder weitestgehend schmerzfrei sein könnte. Noch heut reagiert Jana Schmidt betroffen, als ich sie nach den Erfolgschancen zu Beginn von Malishaas Behandlung frage. „Entweder das funktioniert, oder das war‘s dann…“, erklärt sie nachdenklich.

Für Malishaas Behandlung haben die Hufbearbeiterinnen einen spezielle, lebensrettende Technik angewendet, von der viele noch nicht einmal gehört haben: Wandaufbau.
Die lebensrettende Technik der Hufbearbeitung
Jana Schmidt erklärt: „Wie der Name bereits sagt, handelt es sich um den Aufbau einer künstlichen Hufwand. Diese Methode kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die Hufwand selbst nicht mehr ausreichend stabil ist und die Belastung nicht tragen kann. Um es einfach auszudrücken: Wenn die Wand nicht trägt, läuft das Pferd auf der Sohle, wodurch der Entzündungsprozess nicht unterbrochen wird. Somit kann kein gesundes, tragfähiges Hufhorn nachwachsen. Das ist ein gefährlicher Teufelskreis. Der Wandaufbau ist sozusagen die Methode, um das ‚Wiederherstellen‘ zu ermöglichen.“

Das Ziel ist aber nicht, dass das Pferd den Wandaufbau für immer tragen muss. Finanziell und zeitlich wäre das eine erhebliche Belastung, den Wandaufbau regelmäßige zu erneuern ist eine große Herausforderung. „Das langfristige Ziel besteht darin, die Hufwand wieder so stabil zu machen, dass das Pferd ohne Wandaufbau leben kann“, erklärt Jana Schmidt. „Bei Malishaa sind wir bereits auf dem besten Weg, dieses Ziel für ihren rechten Vorderhuf zu erreichen.“

Ein ermutigendes Beispiel
Malishaas Geschichte zeigt: Es lohnt sich immer, eine zweite Meinung einzuholen, selbst wenn die Situation Deines Pferdes aussichtslos erscheint. Besonders, wenn diese Meinung von Experten aus anderen Fachbereichen oder von Personen stammt, die sich mit alternativen Therapiemethoden beschäftigen. In diesem Fall haben die besondere Methode der Hufbearbeitung und das Fachwissen von Dorothea Böhnke und Jana Schmidt das Leben der Stute Malishaa gerettet.
Weitere Eindrücke von meinem Tag bei der Hufbearbeitung kannst Du in unserem Instagram Story-Highlight anschauen.








