Ihr Beruf ist Jahrtausende alt: Schon Kelten sollen Eisen für ihre Pferde genutzt haben. Dann gab es Zeiten, in denen sie kaum noch gebraucht wurden und sogar ihr Beruf als Handwerk gestrichen wurde. Heute gibt es nur noch rund 5000 von ihnen in Deutschland. Und die haben alle Hufe voll zu tun! Kein Wunder, schließlich sind sie Hufschmiede, genauer Hufbeschlagschmiede. Ein Job-Portrait…
Bereits mit zehn Jahren stand Janine Braunsdorf in den Ferien neben dem Lebensgefährten ihrer Mutter, einem Hufschmied, und half ihm mit Feuereifer. „Ich habe das geliebt“, erinnert sie sich. Doch dass sie selbst einmal diesen Beruf ergreifen würde – das hat niemand geahnt. Auch sie selbst nicht. Denn statt in die Schmiede-Fußstapfen zu treten, machte sie das Abitur und studierte Agrarwirtschaft. Bis sie irgendwann da saß und sich fragte, „was mache ich hier eigentlich?“
Also packte sie die Studienbücher zur Seite und suchte sich eine Ausbildung zur Hufschmiedin. „Ich wusste einfach: Dass ist es, was ich machen will!“ Und so suchte sie sich einen Ausbilder. „Die ersten fünf sagten ‚ne Mädchen, lass mal‘“, erinnert sie sich. Nummer sechs will sie kennenlernen. „Ich packte mein eigenes Werkzeug ein, arbeitete einen Tag zur Probe – und wurde genommen.“
Der Beruf im Schnell-Überblick
| Voraussetzungen | Abgeschlossene Berufsausbildung |
| Ausbildungswege | 1. Ausbildung im Metallbau, Fachrichtung Metallgestaltung plus vier Monate Vorbereitungslehrgang an einer staatlich anerkannten Hufbeschlagschule 2. Ein Monat Einführungslehrgang, zwei Jahre Fortbildung bei einem staatlich anerkannten Hufbeschlagschmied, vier Monate Fachschule mit anschließender Prüfung |
| Abschluss | Staatlich geprüfte/rHufbeschlagschmied/in |
| Verdienst | Meist selbstständig, im Schnitt sind rund 3000 Euro möglich |
2015 bestand sie die Prüfung – als Lehrgangsbeste. Seitdem arbeitet Janine Braunsdorf als staatlich geprüfte Hufbeschlagschmiedin, so wird der Beruf nämlich heute genannt. Früher war es mal ein Handwerk, mit einer Lehre. Aber da gab es auch noch Dorfschmiede, die nicht nur Pferde beschlugen, sondern auch Wagenräder, dazu Deichseln anfertigten und vieles mehr. Doch als die Pferde ihre Rolle in der Landwirtschaft verloren, verschwanden immer mehr Hufschmiede und schließlich wurde ihr Beruf aus der Handwerksrolle gestrichen.

Was sie mag? „Ich bin mein eigener Chef!“
Nicht verschwunden war jedoch die Liebe der Menschen zu Pferden. Und je mehr Freizeitreiter es gab, umso größer wurde der Bedarf an Huf-Experten. Daraus ergaben sich auch neue Berufe – es entstanden Hufpfleger, Huftechniker und Co. In Deutschland sind das keine anerkannten Ausbildungsberufe, jeder kann sich so nennen. Und es entstand der Hufbeschlagschmied, staatlich anerkannt und gesetzlich geregelt.
Mit dem Namen änderte sich auch das Berufsbild: Früher kamen die Menschen zum Schmied, heute kommt der Schmied zum Pferd. „Und der Beruf ist heute viel mehr als reines Handwerk“, sagt Janine Braunsdorf. „Ein guter Hufbeschlagschmied ist auch Tierarzt, Reitlehrer und Lebensberater.“ Eisen runter, neues raus und weg – diese Zeiten sind längst vorbei. „Bei jedem neuen Kunden spreche ich erst einmal ausführlich – ich möchte wissen, was er will.“ Dazu gehört auch, was das Pferd frisst, wie oft es geritten wird, ob Dressur, Springen oder nur Gelände. „Dann lasse ich das Pferd vorlaufen.“ Auch nach dem Beschlag wird geprüft, ob alles passt – und das Pferd damit gut laufen kann.

Ihr Beruf boomt. Rund 5000 von ihnen gibt es in Deutschland – und sie sind heiß begehrt. Auch Janine Braunsdorfs Kalender ist proppevoll. „Ein guter Hufschmied ist wie ein guter Zahnarzt – hat man ihn erst einmal gefunden, bleibt man bei ihm“, sagt sie lachend.
Was sie an ihrem Beruf mag: „Ich bin mein eigener Chef und es ist ein super ehrlicher Job. Am Abend habe ich dreckige Hände und weiß, wofür ich mein Geld bekommen habe.“
„Man hat jeden Tag direkt Erfolgserlebnisse“
Natürlich hat der Job auch Nachteile: Es gibt keine festen Arbeitszeiten, auch an den Wochenenden klingelt das Handy. Und die meisten Hufbeschlagschmiede arbeiten selbstständig. „Da gehört also auch ein gutes Zeitmanagement und Kundenpflege zum Job dazu.“ Und körperlich anstrengend ist die Arbeit auch: Das Eisen wird auf 1000 Grad erwärmt, um geformt zu werden. Dazu immer in gebückter Haltung arbeiten. „Es gibt Tage, da tut der Rücken weh“, gibt Janine Braunsdorf zu.
Einen anderen Beruf würde sie trotzdem nicht haben wollen. „Man hat jeden Tag direkt Erfolgserlebnisse“, sagt sie. Zu ihren tierischen Kunden gehören vom Shettie bis zum Shirehorse alle möglichen Rassen. Sogar ein Esel steht in ihrer Kundendatei. „Als ich das erste Mal bei ihm war, waren seine Hufe versaut, es ging ihm wirklich schlecht, beim Gehen hatte er den Kopf immer am Boden.“ Nachdem sie mit ihm fertig war, „ging er zügig vorwärts – das war ein Gänsehautmoment.“ Das sind die Momente, die sie immer wieder glücklich machen: „Wenn ein Pferd keine Schmerzen mehr hat, wenn es zufrieden abschnaubt. Dann weiß ich: Ich habe den besten Beruf der Welt!“








