Kein anderer Körperteil unserer Pferde wird fast rund um die Uhr so gefordert wie die Hufe. Schließlich tragen sie unsere Pferde durchs Leben. Und auch wenn er auf den ersten Blick ganz hart wirkt – der Huf ist anfällig für Verletzungen und Krankheiten. Hier ein Überblick über die sieben häufigsten Hufkrankheiten.
Ohne Huf kein Pferd: Diese alte Weisheit der Stallmeister kennt wohl jeder. Und doch: Auch wenn er nicht der größte Körperteil ist – in Sachen Verletzungen und Krankheiten sorgt der Pferdehuf leider schnell für einen Besuch vom Tierarzt.
Denn kein anderer Körperteil ist so großen Belastungen ausgesetzt wie eben die vier Hufe. Sie tragen mehrere 100 Kilo durch die Welt – und das auch über Schotter oder Asphalt.
Bei der Belastung ist es also kein Wunder, dass der Huf auch mal „schwächelt“. Dabei haben Hufkrankheiten verschiedene Ursachen. Mal ist es eine Infektion, mal eine Fehl- oder Überbelastung.
Zu den häufigsten Ursachen gehören auch:
- Fehlstellung der Hufe
- Infektionen durch Pilze oder Parasiten
- falsche Fütterung
- mangelhafte Stallhygiene
- fehlerhafter Beschlag
- mangelnde Hufpflege
Die Folgen von Hufkrankheiten lassen sich oft schnell erkennen – wenn Du die typischen Symptome kennst. Deshalb hier die sieben häufigsten Hufkrankheiten im Überblick:
1. Strahlfäule: Wenn es gewaltig stinkt…
Bei der Strahlfäule handelt es sich um eine bakterielle Infektion des Strahls. Die Fäulnisbakterien siedeln sich im Strahlhorn an und zersetzen es nach und nach.
Ursachen: Meist entsteht Strahlfäule durch mangelnde Huf- oder Stallpflege. Ein unsauberer, feuchtwarmer Stall bietet den Bakterien eine perfekte Heimat. Auch ein falscher Beschlag kann die Ursache sein. Und: Steht Dein Pferd oft und lange im Matsch, steigt ebenfalls das Risiko für Strahlfäule.
Symptome: Für den Laien ist Strahlfäule meist durch den Geruch zu erkennen – der Huf stinkt nach faulen Eiern. Ebenfalls typisch: Die Strahlfurchen werden tiefer und enger. Der Strahl verwandelt sich in eine dunkle und schmierige Masse, Hohlräume und Ritzen können sich bilden.
Behandlung: Der Schmied wird das faule und lose Horn entfernen. Danach wird der Huf täglich mit neuen, desinfizierenden Tamponaden versehen. Und natürlich muss Dein Pferd auf einem trockenen und sauberen Untergrund stehen. Dazu musst Du die Hufe regelmäßig gründlich reinigen.

2. Hufrehe: Eine Krankheit, viele Auslöser
Hufrehe ist eine schmerzhafte Entzündung der Lederhaut. Sie unterbricht die normale Blutzufuhr zum Huf und kann im schlimmsten Fall zur Ablösung der gesamten Hufkapsel (Ausschuhen) führen.
Ursachen: Für die Hufrehe gibt es mehrere Auslöser. So gibt es die Belastungshufrehe, die zum Beispiel durch langes Laufen oder permanentes Stehen auf harten Böden wie Asphalt entsteht. Dazu gibt es noch die Futter- und die Vergiftungsrehe. Aber die Rehe kann auch Folge einer anderen Krankheit sein, zum Beispiel von Borreliose, dem Cushing-Syndrom oder dem Equinen Metabolischen Syndrom. Und: Auch Übergewicht steigert das Rehe-Risiko.
Symptome: Hufrehe läuft in unterschiedlichen Stadien ab. Je früher Du sie erkennst, desto besser kann sie behandelt werden. Typische Symptome im Vorläuferstadium sind:
- klammer, gebundener Gang
- abwechselndes Entlasten der Beine
- etwas wärmere Hufe
- bei dünner Hufsohle: Reaktion auf Hufabdruckzange
- leichte bis hochgradige Lahmheit
Im chronischen Stadium kommen dann zum Beispiel häufiges Liegen, eine harte Bauchmuskulatur und auch deutlicher Puls an der Zehenarterie hinzu.
Behandlung: Zuerst muss die Ursache gefunden und wenn möglich abgestellt werden. In der äußerst akuten Phase helfen Entzündungshemmer, um die Ödeme der Huflederhaut einzudämmen und dadurch den Druck zu verringern. Zusätzlich bekommen betroffene Pferde gefäßerweiternde Medikamente und auch einen Blutverdünner. Das vereinfacht die gesamte Durchblutung. Außerdem werden zum Beispiel Eis-Packungen um den Kronsaum angelegt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche mögliche Behandlungen wie das Eingipsen des Hufes über Polster- und Keilverbände, Sohlen- und Strahlunterstützung.

3. Hufgeschwür: Der „Klassiker“ der Hufkrankheiten
Ein Hufgeschwür ist die häufigste Lahmheitsursache beim Pferd. Denn das Hufgeschwür ist eine eitrige Entzündung zwischen dem Sohlen- oder Wandhorn und der Huflederhaut. Die Eiterblase übt starken Druck auf die empfindliche Lederhaut aus. Die Folge: Das Pferd lahmt.
Ursachen: Ein Hufabszess kann durch äußere Einflüsse entstehen, wie zum Beispiel durch das Eintreten eines Steins oder durch schlechte Witterungsbedingungen wie längeres Stehen im Matsch. Es gibt aber auch sogenannte septische Hufgeschwüre, die durch Krankheitserreger ausgelöst werden. Ursache dafür ist eine Verletzung oder Schädigung der Hornkapsel. Dadurch können Bakterien eindringen.
Symptome: Typisch für ein Hufgeschwür ist eine plötzliche, starke Lahmheit. Dazu ist der betroffene Huf wärmer als die anderen. Und: Es ist eine starke Pulsation an der Fessel zu spüren.
Behandlung: Der Tierarzt kann mit der Hufzange prüfen, ob ein Hufgeschwür vorliegt. Dafür drückte er verschiedene Bereiche des Hufs, inklusive Strahl- und Ballenregion, ab. Zieht das Pferd den Huf plötzlich weg, ist die Stelle des Hufgeschwürs gefunden. Danach schneidet der Tierarzt so lange sohlenwärts, bis er den Eiterherd findet und öffnet. Wenn der Eiter abgeflossen ist, wird der Huf mit einem trockenen Hufverband verbunden.
Manchmal ist der Abszess aber noch nicht „reif“. Dann hilft ein Angussverband oder der klassische Sauerkrautverband. So kann ein Hufabszess schneller reifen und durch die Sohle nach außen brechen.
Ist der Eiter raus, muss das Loch im Huf täglich desinfiziert und zum Beispiel mit einem Tupfer verschlossen werden. So verhinderst Du, dass Bakterien eindringen können.
4. Hohle Wand: Wenn der Huf wegbricht…
Bei der sogenannten hohlen Wand löst sich die Verbindung zwischen den Schichten der Hufkapsel. Dabei entsteht ein Spalt, durch den häufig Bakterien eindringen. Sie können eine Infektion auslösen. Die Folge: Der äußere, pigmentierte Teil der Hufkapsel bröckelt weg oder löst sich vom übrigen Horn.
Ursachen: Vor allem lösen Entzündungen eine hohle Wand aus. Sie können dabei auch schon eine längere Zeit zurückliegen. Weitere Ursachen sind schlechtes Horn, eine zu lange Zehe, verbunden mit einer Ausdehnung der weißen Linie, eine Blutung in der Hornwand, beispielsweise durch eine plötzliche Erschütterung, oder eine chronische Überbelastung.
Symptome: Typisch ist die Aufspaltung des Sohlenhorns am Tragrand. Manchmal kommt es zu einer Vorwölbung des betroffenen Wandabschnittes. In schweren Fällen kann das Pferd auch lahmen.
Behandlung: Größere Hohlräume werden mit Kitt gefüllt. Ist die Außenwand des Hohlraums dünn, wird sie ausgefräst und kann durch Kitt ersetzt werden. Manchmal kann auch ein Klebeschuh zur Unterstützung der Wand gut sein.

5. Hufrollenentzündung: Schnelle Behandlung ist wichtig
Die Hufrolle besteht aus Strahlbein, Schleimbeutel und tiefer Beugesehne. Sie funktioniert beim Pferd wie ein Stoßdämpfer: Bei jedem Schritt fängt sie die Last des Tieres auf. Von einer Entzündung betroffen sind fast immer die Vorderhufe – meist nicht nur einer, sondern beide gleichzeitig.
Ursachen: Die Entzündung wird oft durch eine Überbelastung ausgelöst, insbesondere bei Springpferden. Aber auch unregelmäßige Hufformen, schlechte Pflege, falscher Hufbeschlag und untergeschobene Trachten können eine Hufrollenentzündung hervorrufen.
Symptome: Typisch für eine Hufrollenentzündung ist vor allem ein deutlicher Schmerz bei einer Wendung des Pferdes im Schritt oder Trab. Aber auch eine erkennbare Schonhaltung kann ein Hinweis sein.
Behandlung: Das Hufrollen-Syndrom ist nicht heilbar. Lediglich die Symptome können behandelt werden. Daher gilt: Je schneller der Tierarzt helfen kann, desto besser. Dabei können leichte Entzündungen im Gelenk, dem Schleimbeutel oder der Sehnenscheide mit Entzündungshemmern und Schmerzmitteln behandelt werden. Manchmal ist es notwendig, das betroffene Gelenk zu spülen. So werden Bakterien und Entzündungszellen entfernt. Betroffene Pferde brauchen einige Tage bis Wochen Boxenruhe.

6. Hornspalt: Riss im Huf
Auch der Hornspalt gehört zu den klassischen Hufkrankheiten. Dabei handelt es sich um einen senkrechten Riss durch das Hufhorn. Dabei werden drei Hauptarten unterschieden:
- durchlaufende Hornspalte: die Hufwand ist vom Boden bis zum Kronrand durchtrennt
- Kronrandspalte: tritt am Anfang am Kronrand auf
- Tragrandspalte: beginnt unterhalb am Tragrand und geht an der Hufwand nach oben
Dazu unterscheiden Tierärzte zwischen oberflächlichen, tiefen und durchdringenden Hornspalten.
Ursachen: Spalten im Horn entstehen häufig durch:
- fehlerhaften, mangelnden oder zu seltenen Beschlag
- übermäßig starke Belastung einzelner Hufabschnitte
- ungleichmäßiges Abnutzen der Hufeisen
- Verlust eines Stollens
- schlechte Hornqualität oder -beschaffenheit
Symptome: Oberflächliche kleine Risse haben in den meisten Fällen keine Folgen. Ein tiefer Riss, der die Hornschichten durchdringt, kann zu Lahmheiten führen.
Behandlung: Der Spalt selbst wächst nicht wieder zusammen, aber der nachwachsende Huf kann wieder „gesund“ werden. Um die Kronlederhaut zu entlasten, kürzt der Tierarzt beziehungsweise Hufschmied den Tragrand rund um den Hornspalt. Wenn der Hornspalt nicht komplett durch den Huf geht, können Schnitte quer oberhalb des Spaltes gesetzt werden. Dadurch wird verhindert, dass die Verletzung sich vertieft und das Horn kann stabil nachwachsen.

7. Nageltritt: Die spitze Gefahr
Sie gehört zu den gefürchteten Hufverletzungen. Denn wenn Tierärzte von einem Nageltritt sprechen, meinen sie: Das Pferd hat sich einen spitzen oder scharfen Gegenstand eingetreten. Früher war das bei den Arbeitspferden meist ein Nagel – daher der Begriff Nageltritt.
Ursache: Ein Nageltritt kann im Prinzip überall passieren – im Stall, beim Ausritt oder auf der Weide.
Symptome: Ein Pferd mit einem Nageltritt lahmt verschieden stark. Denn durch den spitzen Gegenstand kann die Huflederhaut verletzt sein. Und besonders der weiche Strahl ist empfindlich. Dazu kann das Hufgelenk anschwellen. Liegt eine Infektion vor, zeigt das Pferd schnell auch Anzeichen einer allgemeinen Infektion– es ist ruhig, hat Fieber, nimmt weniger Futter auf und mag sich wenig oder gar nicht mehr bewegen.
Behandlung: Der Tierarzt entfernt den Eindringling und desinfiziert die Wunde. Ein Röntgenbild gibt Aufschluss, ob ein Gelenk oder der Hufrollenschleimbeutel betroffen ist. Es kann auch notwendig sein, dass das Pferd operiert werden muss. Eine schnell Behandlung ist wichtig, da sich die Infektion im Huf sonst schnell ausbreiten kann. Ist der Nageltritt tief, kann es zum Absterben von Gewebe im Hufbein oder Hufpolster kommen. Außerdem sind Knochenentzündungen und Knochenbrüche möglich.
Ganz wichtig: Niemals den Fremdkörper selbst herausnehmen!









„Beschreibung der 7 häufigsten Hufkrankheiten bei Pferden“:
Nach 2 jahren als stallpflegerin kenn ich mich endlich ein bisschen aus.😅
Nicht mal im cavallo magazin hab ich das so genau beschrieben gefunden.weiter so!