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Islandpferde: 7 Fakten zum „Wikingerpferd“

Anke Rottmann by Anke Rottmann
13. Februar 2022
Eine Herde Island-Ponys.

Foto: pixabay.com/Waltteri Paulaharju (Symbolfoto)

„Trippel Trappel Pony“ – die „Immenhof“-Filme machten Islandpferde in Deutschland bekannt. Seitdem finden die „Kleinen“ immer mehr Fans. Kein Wunder: Schließlich bringen sie nicht nur zwei Extra-Gänge mit, sondern auch ganz viel Charakter. pferde.de hat 7 spannende Fakten zu den einstigen Wikingerpferden.

Was Islandpferde so besonders macht? Die meisten antworten dann: Ihre fünf Gangarten. Schließlich können die meisten Islandpferde neben Schritt, Tab und Galopp ja auch noch Tölt und Rennpass. Doch für Isi-Fans ist das nur einer von Tausend Gründen, der für die robusten Kleinen spricht.

Sie schwärmen auch von dem sanften, neugierigen und manchmal eigenwilligen Charakter, der Nervenstärke, Trittsicherheit – kurz: dem perfekten Partner auf vier Hufen. Und das für viele Jahre, denn Islandpferde sind robust – und können richtig alt werden. Das älteste Islandpferd der Welt war die Stute von Andreas Larsen (Dänemark). Sie lebte von 1897-1954 und wurde somit stolze 57 Jahre alt.

Übrigens: Wer über Isis als Ponys lächelt, muss vorsichtig sein. Zwar gehören sie mit ihrem Stockmaß zwischen 1,35 und 1,46 Metern eigentlich fast alle zu den Ponys – dennoch sind sie Islandpferde. Schließlich besitzen sie genetische Konstitution, Intelligenz und Stärke eines Pferdes, wie die Isländer betonen!

Islandpferde auf der Weide.
Foto: pixabay.de/Castleguard (Symbolbild)

Wenn Du Dich für Islandpferde interessiert – hier haben wir ein etwas anderes Rasseporträt für Dich:

1. Wikinger brachten sie auf die Insel

Ihre Geschichte ist uralt und mit vielen Sagen und Legenden verbunden. Und die Isländer sind auf ihre Pferde besonders stolz. Dabei sind sie eigentlich ein Import. Wie auch die Menschen der Insel…

Denn früher war die Insel fast menschenleer – bis Ingólfur Arnarson kam, ein Wikinger aus Norwegen. Doch dort herrschte König Harald Schönhaar – und ihm wollte er entgehen. Also packte er mit seinen Anhängern die Drachenboote voll und nahm auch germanische Ponys mit an Bord. Schließlich landete er auf der Insel und baute seinen Hof im Südwesten. Die Gegend nannte er Reykjavik – Rauchbucht.

Damit hatten die Wikinger zwar eine neue Heimat gefunden – ihre Raubzüge unternahmen sie aber weiter. Und erbeuteten dabei in Irland und England auch keltische Ponys, die sie mit nach Hause brachten. Aus den Germanen und Kelten auf vier Hufen entstanden die heutigen Islandpferde.

2. Fremde Pferde? Nicht erlaubt!

Island hat das zweitälteste Parlament der Welt. Das Althing gab es nämlich bereits im Jahr 930 n. Chr. Und schon damals, so heißt es, wurde beschlossen: Andere Pferde dürfen nicht nach Island gebracht werden!  Damit wäre das Islandpferd die einzige Rasse, die seit über 1.000 Jahren rein erhalten ist.

Das Importverbot von Pferden gilt übrigens bis heute. Es wurde 1909 noch einmal festgeschrieben – aus Seuchenschutzgründen. Und auch in Sachen Export sind die Isländer streng: Ist ein Islandpferd einmal weg, darf es nicht mehr auf die Insel zurückkehren.

Islandpferde im Winter.
Foto: pixabay.de/Susnpics (Symbolfoto)

3. Natürliche Feinde? Nur die Natur…

Wölfe, Großkatzen, Bären? Gibt es auf Island nicht. Und damit haben Islandpferde auch keine natürlichen Feinde – außer der Natur selbst. Und die ist erbarmungslos. Deshalb sind die Islandpferde Profis darin, die Natur einzuschätzen. Bei der Überquerung von zugefrorenen Flüssen und Fjorden haben früher die Reiter deshalb den Pferden freie Hand gelassen – und fanden so einen sicheren Weg.

Doch 1783 hatten auch die Islandpferde kaum eine Chance. Im Süden der Insel fand der größte Vulkanausbruch statt. Mit verheerenden Folgen: Von den damals rund 32.000 Pferden überlebten nur rund 8.500. Dabei starben die Pferde vor allem nicht durch die glühende Lava. Viel gefährlicher für sie war der Ascheregen, der sich auf die Weiden legte und sie vergiftete.

Dass aber auch der Mensch Islandpferden zum Fein werden kann, beweisen aktuelle Aufnahmen von sogenannten Blutfarmen in Island. Dort werden Tausende schwangere Islandstuten regelmäßig brutal in Verschläge geprügelt, wo ihnen mit dicken Kanülen Literweise Blut abgezapft wird. Das isländische Pharmaunternehmen ‚„Isteka ehf“ nutzt das im Blut enthaltene Hormon PMSG, um Medikamente für die Schweinemast herzustellen, die dadurch effektiver und rentabler gemacht werden kann. So steckt hinter einem Schweineschnitzel gleich doppeltes Tierleid…

4. Islandpferde als „Exportschlager“

Auch wenn sie Jahrhunderte als treue Gefährten an der Seite der Menschen auf der Insel lebten – die Islandpferde waren auch ein Geschäftsmodell. Zum ersten Mal wurden 1851 viele Pferde nach England exportiert und mussten dort in den Gruben schuften. Zwischen 1880 und 1920 blühte der Handel, bis zu 3.000 Pferde wurden jährlich verschifft. Nach 1920 exportierte Island dann auch einige Tiere nach Grönland, wo sie zunächst als Transport- und später als Nahrungsmittel für Expeditionen dienten.

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„Immenhof – Trailer (deutsch/german)“ direkt öffnen

Nach Deutschland kamen die Islandpferde übrigens um 1949. Damals brachte Frank Thies einige Pferde nach Memmingen. Dort sah Ursula Bruns die Isis zum ersten Mal – und verliebte sich unsterblich. Nur ein Jahr später schrieb sie ihr Buch „Dick und Dalli und die Ponys“ – die Grundlage für die „Immenhof“-Filme. Und dort spielten natürlich Islandpferde die Hauptrolle.

Mit Folgen: 1956 wurden in Rettungsaktionen Fohlen nach Deutschland geholt, welche in Island geschlachtet werden sollten. Damit begann dann auch der Siegeszug der Wikingerpferde bei uns…

5. Die Farbe verrät Persönlichkeit

Islandpferde sind „bunt“. Denn: Es gibt alleine 40 offizielle Grundfarben, dazu noch mehr als 100 Farbvariationen. Und die Isländer sind überzeugt, dass die Farbe eines Pferdes dessen Persönlichkeit widerspiegelt. Das zeigt sich auch in der Literatur. Die Romanfiguren Nonni und Manni, zwei Unruhestifter, werden davor gewarnt, das pinkfarbene Pferd des benachbarten Farmers zu stehlen. Denn pinkfarbene Pferde sind eigenwillig und schwer gefügig zu machen. Und tatsächlich verlieren die Brüder die Kontrolle über ihr Ross und es nimmt sie mit auf einen wilden Ritt durch die Ebenen.

Islandpferd auf der Weide.
Foto: pixabay.de/Ute Becker (Symbolfoto)

Kein Wunder also, dass die Fellfarbe auch beim Namen oft eine Rolle spielt. So gibt es häufig Bleikur (der Pinkfarbene), Gráni (der Graue) und Kolfaxi (der Schwarzmähnige). Andere sind bei der Namensgebung direkter und beschreiben gleich den Charakter, wie Háski (der Waghalsige), Ljúfur (der Liebe) oder Prakkari (der Trickster). Übrigens: In Island heißt es, dass Du niemals ein Pferd reiten solltest, dessen Namen Du nicht kennst oder nicht verstehst…

6. Islandpferde: Helden der Mythologie

In der Wikinger-Mythologie spielen auch Pferde eine große Rolle. So hatte Odin, der Göttervater, das beste Pferd von allen: Sleipnir, ein achtbeiniger Hengst. Laut Sage hat Sleipnir seinen Huf auch in Island aufgesetzt – und hinterließ dabei die hufeisenförmige Ásbyrgi-Schlucht.

Kein Wunder also, dass das Pferd als heiliges Tier galt. Dazu war es Fruchtbarkeitssymbol für die Wikinger. Und auch in ihrer neuen Heimat Island war es ein Zeichen der Würde und der Macht. Niemand durfte das heilige Tier berühren – darauf stand die Todesstrafe. Was aber auch bedeutete: Starb der Anführer, musste das Pferd ihm ins Grab folgen…

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„Thema des Tages – Die Islandpferde-WM 2019“ direkt öffnen

7. Islandpferde sind einfach einzigartig

Tatsächlich ist das Islandpferd die einzige Pferderasse, für die eigens eine Weltmeisterschaft ausgerichtet wird. Die 1. Internationale Gæðingakeppni-Meisterschaft fand 2012 im Ganpferdezentrum in Aegidienberg bei Bonn statt.

Aber auch in ihrer Heimat werden die Pferde gefeiert. So fand 1950 das erste Landsmót an der historischen Thingstätte der Isländer, in Thingvellir, statt. Pferde und Reiter von der ganzen Insel trafen sich. Alleine aus dem Norden, von Akureyri, reisten 25 Reiter mit 100 Pferden an. Seitdem ist das Treffen zu einer festen Einrichtung geworden. Es findet alle vier Jahre, immer im Wechsel, einmal im Norden und einmal im Süden des Landes statt.

Und: Am 1. Mai 2015 hat die Organisation Horses of Iceland den „Internationalen Tag des Islandpferdes“ ins Leben gerufen. Der jährliche Feiertag wurde geschaffen, um das Pferd zu feiern und das Bewusstsein für die Rasse sowohl lokal als auch international zu erhöhen. Zu Ehren des Feiertages öffnen isländische Pferdebesitzer ihre Stalltüren für Besucher und Vereine organisieren Wettbewerbe und Shows.

Tags: IsländerIslandpferdePferderassen

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