Ist der Norweger nur zu dick oder verbirgt sich hinter den Fettpolstern sogar eine Stoffwechselkrankheit? Auf den ersten Blick sind EMS-Pferde oft gar nicht so schnell von anderen zu unterscheiden. pferde.de erklärt Dir, was es alles mit dem Equinen Metabolischen Syndrom auf sich hat und gibt Dir nützliche Tipps, wie Du Deinen geliebten Vierbeiner effektiv unterstützen kannst.
Vielleicht kennst Du diese Situation auch: Dir kommt auf der Weide ein gut gebauter Norweger entgegen. Neugierig bleibt er stehen und streckt Dir seinen muskulösen Hals entgegen. Die Stehmähne kippt schon leicht zur Seite über, was irgendwie unnatürlich aussieht. Tatsächlich haben sich entlang des Mähnenkammes Fettablagerungen angesammelt. Diese lassen sich auch ertasten – die hügelartige Struktur fühlt sich wie eine Welle an. Schnell erkennst Du: der Norweger leidet am Equinen Metabolischen Syndrom, kurz EMS.
Diese Stoffwechselerkrankung kommt mittlerweile immer häufiger in Deutschland vor. Es handelt sich dabei um eine Störung des Zuckerstoffwechsels. Folgeerscheinungen können schwerwiegendere Krankheiten wie Hufrehe sein, daher ist es wichtig, frühzeitig zu reagieren und auch vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen.
Welche Ursachen hat EMS?
Von EMS sind vor allem übergewichtige Kleinpferde und Ponys mittleren Alters betroffen. Manchen Rassen wird auch eine genetische Disposition zugeschrieben, zum Beispiel Norwegern, PRE und Arabern. Diese Robustrassen kommen sehr gut in kargen Landschaften zurecht und gelten daher als leichtfuttrig. Werden sie mit zu viel (Kraft-)Futter und gleichzeitig zu wenig Bewegung konfrontiert, können sie schnell an EMS erkranken. Es hat sich daher auch der Begriff Wohlstandskrankheit im Sprachgebrauch etabliert.

Heutzutage wird der hohe Insulinspiegel im Blut von EMS-Pferden als wesentlicher Faktor für die Entstehung von Hufrehe angesehen. Die Zellen betroffener Tiere zeigen eine verringerte Insulinsensitivität: Der Glukosespiegel ist hoch, was eine vermehrte Insulinausschüttung bewirkt. Manche Zellen werden jedoch dagegen resistent, sodass zu viel Glucose im Blut verbleibt, obwohl diese eigentlich vom Insulin in die Zellen überführt werden soll. Dadurch können Gewebeschädigungen entstehen – so auch in den Hufen – es kommt zum Ausbruch der Rehe.
Die Fettzellen hingegen können mehr Energie aufnehmen als nötig, wodurch sie sich vergrößern. So entstehen Fettpolster am Mähnenkamm und anderen Körperpartien. Darüber hinaus senden sie Hormone beziehungsweise Botenstoffe aus, welche entzündliche Prozesse wie die Hufrehe auslösen können. Als Folge kommt es zu einer vermehrten Insulinausschüttung, da nun auch die Konzentration des Stresshormons Cortisol ansteigt – ein perfekter Teufelskreis.
Was sind typische Symptome?
Auf diese Symptome solltest Du im Verdachtsfall achten:
- Fettpolster an Augenhöhlen, Mähnenkamm, Schulter, Euter beziehungsweise Schlauch, Kruppe, Schweifansatz
- Übergewicht
- „Heißhunger“
- Hufrehe
- Leistungsabfall
- Mattigkeit
- Unfruchtbarkeit
Solltest Du Dir unsicher sein, ob Dein Pferd an EMS oder einer anderen Stoffwechselerkrankung – wie zum Beispiel dem Equinen Cushing Syndrom (ECS) oder der Hyperlipämie – erkrankt ist, wende Dich am besten an Deinen Tierarzt. Dieser kann unter anderem mit Hilfe einer Blutuntersuchung für Klarheit sorgen. Hat Dein Pferd einen akuten Reheschub, musst Du spätestens jetzt den Tierarzt alarmieren, denn dabei handelt es sich immer um einen Notfall!
EMS? So kannst Du Dein Pferd unterstützen!
Zunächst ist es wichtig, die Haltungs- und Fütterungsbedingungen des Pferdes zu optimieren. Um das Gewicht nachhaltig zu reduzieren, ist eine strikte Diät erforderlich. Nährstoffdefizite lassen sich wiederum gut über Ergänzungsfuttermittel ausgleichen. Unsere Tipps für Dich:
- Fütterung auf Raufutter beschränken
- Fruktangehalt im Heu durch Einweichen im Wasser reduzieren (mindestens 30 Minuten)
- auf Kraftfutter sowie Brot, Äpfel, Karotten und Leckerlis verzichten
Neben der Diät ist Bewegung ein absolutes Muss: sowohl unterm Sattel als auch in der freien Natur – ausgenommen sind Rehepferde, die einen Schub auskurieren müssen. Nur so kann der Teufelskreis der Wohlstandskrankheit EMS durchbrochen werden.
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