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Jenny und Peer: Pferdeprofis mit viel Herz und Humor

Anke Rottmann by Anke Rottmann
23. August 2025
Die „Pferdeprofis“ Jenny Wild und Peer Claßen mit zwei Pferden.

Foto: peerundjenny.de

Vor zwei Jahren gab es viel Wirbel um die „VOX“-Sendung „Die Pferdeprofis“. Danach war erst einmal Ruhe. Jetzt ist die Sendung wieder da. Mit dabei sind nun auch Jenny Wild und Peer Claßen. Die beiden sind ein Paar, arbeiten mit viel Herz und einer großen Portion Humor mit den Mensch-Pferd-Teams. pferde.de sprach mit ihnen über ihre Anfänge, die richtigen Momente – und welche Fehler Pferdebesitzer am häufigsten machen…

Dass sie einmal als Pferdeprofis im TV ihr Wissen weitergeben würden – damit haben Jenny Wild, 52, und Peer Claßen, 52, nicht gerechnet. Dabei sind sie eindeutig Profis, wenn es um Pferde geht. Bei ihnen stehen die Partner auf vier Hufen im Mittelpunkt. Und zumindest bei Jenny war das eigentlich schon immer so. „Ich hatte bereits als ganz kleines Kind nur Pferde im Kopf“, sagt sie lachend. Und sie war auch schon als Kind äußerst überzeugend. Die Folgen: „Mit fünf Jahren bekam ich mein erstes eigenes Pony.“

Damals zog Pony Lord zu ihnen. „Aber meine Eltern hatten leider überhaupt keine Ahnung von Pferden. Weil Lord nicht allein sein sollte, kam Schaf Schwänli dazu und beide wurden ein Herz und eine Seele. Dann bekam Lord Hufrehe und lebte leider nicht mehr lange.“

Jenny Wild sitzt auf einem schwarzen Pferd mit weißer Blesse.
Foto: peerundjenny.de

Durch Pferd Paul kam sie zum Horsemanship

Die traurige Erfahrung schreckte Jenny ein Jahr ab, was sich zum Glück änderte: „Ich konnte viel Zeit bei meinen Großeltern auf einem Ponyhof verbringen. Und bei uns gab es in der Nähe einen kleinen Reitstall, bei dem ich auch reiten gelernt habe und ein paar Turniere bestritt.“ Die Liebe zu Pferden wuchs und wuchs. Und trotzdem war Jenny Wild lange nicht zufrieden. „Ich spürte immer, dass das normale Reiten nicht das war, was ich wollte.“

Nach ihrem Studium auf Lehramt und einer folgenden Ausbildung als Immoblienkauffrau fing sie an zu arbeiten. „Durch meinen Chef kam ich dann zu meinem Pferd. Nur: Paul trug den Kopf im Himmel, ich kam nicht an ihn ran. Also suchte ich nach Alternativen.“ So kam Jenny vor 21 Jahren zum Natural Horsemanship. „Das hat mich sofort fasziniert. Ich habe danach gemeinsam mit drei Freundinnen ständig Kurse besucht, ganz viel gelesen und mir Videos angesehen.“

Foto: peerundjenny.de

Peer Claßen fand erst spät seine tierische Lebensliebe

Schnell gab sie ihr Wissen vor allem beim Verladen weiter. Und 2008 kam dann eine ganz besondere Anfrage: „Meine Freundinnen und ich bekamen die Möglichkeit, bei dem Pferde-Musical ‚Fuego‘ mitzumachen.“

Dort lernte sie Peer Claßen kennen. Auch er ein Pferdemensch durch und durch. Dabei kam er erst spät zu dieser Lebensliebe. „Ich hatte früher gar nichts mit Pferden zu tun. Aber mit Anfang 20 hatte ich eine Freundin – und sie und ihre Schwester hatten Pferde. Da habe ich dann das erste Mal draufgesessen.“ Als die Schwester dann für vier Wochen nach Amerika reiste, sollte er sich um ihr Pferd kommen. „Das klappte gar nicht“, erinnert sich Peer lachend.

Dreharbeiten für die Vox-Sendung „Die Pferdeprofis“ in einer Reithalle.
Foto: peerundjenny.de

Beim Pferde-Musical fing alles an

Aber aufgeben kam für ihn nicht in Frage. „In dem Stall gab es einige Leute, die Parelli-Kurse gemacht hatten. Sie erklärten mir die grundlegenden Konzepte und ich fand das total spannend – und habe dann selbst angefangen, mich intensiv mit der Thematik zu befassen.“ Sein Verständnis für Pferde sprach sich rum, es folgten die ersten Lehrgänge, die er gab. Dazu studierte Peer Tierpsychologie, um noch mehr Verständnis für Tiere zu bekommen. Und schließlich kam auch er zu dem Pferde-Musical „Fuego“.

Dass sich Jenny und Peer dort näher kennenlernten, war ein Zufall. „Die ganze Woche war schreckliches Wetter, es regnete eigentlich nur. Am Mittwoch war es dann gerade mal trocken und wir sollten eine Schauspiel-Übung machen“, erzählt Jenny. „Peer stand gerade neben mir und so haben wir die Übung zusammen gemacht.“ Abends saßen sie am Feuer zusammen, Peer spielte Gitarre – und der Rest ist Geschichte. Einige Monate später kamen sie zusammen. Und schnell war klar: Sie wollen nicht nur zusammenleben – sie können auch perfekt zusammenarbeiten.

Foto: peerundjenny.de

Pferdeprofis: „Wir lernen immer noch gerne“

Seitdem geben sie als Paar ihr Wissen als Pferdeflüsterer an Pferdebesitzer weiter. Und bilden sich immer weiter. „Wir lernen einfach selber immer noch gerne“, sagen sie. „Am tiefsten haben uns in den letzten Jahren wohl der Meister der Freiheitsdressur Jean Francios Pignon und die amerikanische Horsemanship-Trainerin Elsa Sinclair beeinflusst.“

Das spürt man bei ihrer Arbeit. Natürlich stehen die Pferde dabei immer im Mittelpunkt. Aber eigentlich arbeiten sie mehr mit den Menschen, geben sie zu. Denn. „Die Pferde reagieren schnell auf uns. Und vor allem: Sie reagieren ohne Vorurteile und ohne Ansprüche. Pferde spüren nur: ‚Hey, das was der da macht, das fühlt sich gut an.‘ Und sie sind froh, wenn sie jemand versteht.“

Foto: peerundjenny.de

Pferdeprofis: Wie nehme ich den Druck raus?

Menschen sind da anders. „Viele kommen mit den ganzen Anforderungen ihres Stalls zu uns. Und mit einem Bild, wie es ihrer Meinung nach perfekt sein würde.“ Genau diese Vorstellungen stehen ihnen dabei oft im Weg. „Wir erklären ihnen dann, dass Pferde nicht funktionieren sollen. Und dass nicht Pferde unsere Sprache lernen müssen, sondern wir ihre Sprache lernen sollten.“ Und dazu gehört auch, dass bereits die Anwesenheit „ihres“ Menschen für Pferde Druck bedeuten kann. „Deshalb ist die Kommunikation mit dem Pferd für uns so wichtig. Und die Fragen: Was muss ich ändern, wie nehme ich den Druck raus?“

Bei ihrer Arbeit treffen die Pferdeprofis oft auf die gleichen „Baustellen“. Was die häufigsten Fehler der Pferdebesitzer sind? „Sie wollen zu viel von den Pferden“, so Jenny. „Und sie achten nicht auf ihre Körpersprache.“ Peer nickt. „Sie haben die falschen Bilder im Kopf, und vermitteln so ihrem Pferd andere Botschaften, als sie eigentlich möchten. Sie bewegen sich oft viel zu eckig, zu zackig. Das fühlt sich für Pferde unangenehm an. Wenn die Menschen sich weicher und oft auch mit weniger Energie bewegen, wird es besser.“

Peer Claßen bei den Dreharbeiten zur Vox-Sendung „Die Pferdeprofis“.
Foto: peerundjenny.de

Schüler sollen keine Übungen auswendig lernen

Und Jenny ergänzt: „Viele wissen nicht, was ihre Energie bewirkt. Sie arbeiten mit viel Energie, wenn sie kaum welche brauchen. Und fallen in sich zusammen, wenn Energie gut wäre.“ Und noch einen typischen Fehler machen viele Besitzer. „Sie wollen die Situation und damit auch ihr Pferd kontrollieren – und dadurch festhalten. Doch genau das sorgt für noch mehr Stress beim Pferd.“

Bei ihrer Arbeit liegt ihnen nicht nur die Verbindung zwischen Mensch und Pferd am Herzen. Die Pferdeprofis wollen auch eine Veränderung bei den Menschen erreichen. „Guten Lehrern liegen selbstständige Schüler am Herzen“, sagt Jenny. Was das heißt? „Unsere Schüler sollen lernen in der Lage zu sein, Probleme eigenständig anzugehen und eigene Wünsche und Ideen selbständig umzusetzen. Sie sollen nicht einfach Übungen auswendig lernen. Wir möchten, dass sie die Prinzipien, die hinter vielen Handlungen stecken, verstanden haben. Denn mit der richtigen Einstellung gegenüber dem Pferd, steht einer wundervollen Partnerschaft kaum etwas im Weg.“

Foto: peerundjenny.de

Pferdprofis: Sie glaubten erst an einen Scherz

Dabei begegnen Jenny Wild und Peer Claßen ihren Schülern immer auf Augenhöhe. Neben viel Einfühlungsvermögen bringen sie auch eine große Portion Humor mit. Die zeigt sich auch bei einer anderen Leidenschaft von Peer. Der 52-Jährige rappt – als PeerSiflage. In seinem Song „Die Pferdeflüsterercrew“ rappt er: „Wir ziehen einfach durch, denn wir sind dafür geboren, den Pferden dieser Welt eine Stimme zu geben. Das ist unsere Mission, das ist unser Leben.“ Und weiter: „Wir trainieren keine Pferde, wir hören ihnen zu.“

Und genau diesen Weg gehen sie jetzt auch als „VOX“-Pferdeprofis. Dabei hielten sie die erste Anfrage für einen Scherz. „Doch nach dem ersten Gespräch war klar: Die meinen es ernst.“ Nach kurzer Überlegung war aber klar: “Wir nutzen die Chance, trotz des möglichen Risikos.” Denn natürlich kannten Jenny und Peer die Vorgeschichte. Sie wussten, dass die Sendung vor zwei Jahren nach einem Shitstorm eingestellt wurde. „Hätten sie uns damals sofort gefragt, hätten wir gesagt: ‚Nein, auf keinen Fall‘“, sagt Peer. Vor allem Jenny musste sich an den Gedanken erst einmal gewöhnen. „Ich hatte richtig Angst vor einem Shitstorm.“

Der Mut und die Entscheidung haben sich gelohnt „Wir wollen zeigen, dass es anders geht.“ Natürlich ist ihnen bewusst, dass die Sendung nur bestimmte Ausschnitte ihrer Arbeit zeigt – und unterhalten soll. Aber: „Die neue Produktionsfirma engagiert sich für Tierschutzthemen. Und sie haben uns sehr einbezogen. Man merkt, dass sie hinter uns stehen.“

So zeigen Jenny und Peer auf ihrem „Youtube“-Kanal zu allen Folgen Einblicke hinter die Kamera, welche die offenen Fragen der Zuschauer ausführlich beantworten. Die ersten Kritiken? Fast rundum positiv. Deshalb beginnen Ende August/Anfang September die Dreharbeiten für die zweite Staffel. Natürlich wieder mit Jenny, Peer – und ganz viel Herz für Pferde…

Als weitere Pferdeprofis stehen die Geschwister Lisa und Matthes Röckener vor der Kamera. Neue Folgen kommen samstags um 19.10 Uhr, alle Folgen gibt es zum Streamen bei RTL+ (nur mit Abo).

Tags: jenny WildPeer ClaßenPeer und JennyPferdeflüstererPferdeprofis

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