Das eigene Pferd direkt am Haus haben – davon hat Julia Sieger lange geträumt. Und ahnte nicht, was einmal daraus werden würde: ein Paradies für Rentnerpferde… pferde.de hat sie besucht.
Wer auf den Hof von Julia Sieger kommt, spürt als erstes eine wunderbare Ruhe: Auf den Weiden stehen die Pferde und grasen, andere stehen in der offenen Halle und dösen friedlich. In Sekunden fällt jede Hektik ab, alles passt sich dem Tempo der Tiere an. „Heartland“ heißt der Hof und der Name ist Programm: Hier ist das Paradies. Das Paradies für Pferde-Oldies.
Wie das Paradies für Rentnerpferde begann
Angefangen hat alles vor 19 Jahren: „Acht Jahre haben wir damals gesucht, dann endlich hatten wir ihn gefunden: unseren Hof!“ Julia Siegers Augen leuchten, wenn sie von dem Moment spricht, der ihr Leben verändert hat. Wenn auch anders, als sie es sich damals vorgestellt hat.
„Ich wollte mein Pferd am Haus haben“, erinnert sich die gelernte Bankkauffrau. Als sie dann auf den Hof bei Ellerhoop zieht, kommt nicht nur ihre Stute My little Sun, damals 14, mit. „Ich übernahm auch vom Verkäufer eine alte Trakehner-Stute. Das war gut, so war meine Stute nicht allein. Und Platz hatten wir genug, schließlich gab es damals auf dem Hof sechs Boxen.“ Und die waren schnell voll.
Eine Araberstute, ein Junghengst, zwei Shetties. „Es war eine bunte Mischung aus noch nicht gerittenen Pferden, Freizeitbegleitern und Oldies, wie meine Stute. Sie hatte einen doppelten Fesselträgerschaden und war damit als Reitpferd ausgemustert. Hier hatte sie dafür ein tolles Rentnerleben.“

Großer Zulauf im Pferdehof
Dieses tolle Pferdeleben sprach sich schnell rum. „Es kam die erste Anfrage von einem Tierarzt, ob ich einen Patienten von ihm aufnehmen könnte, einen Fuchswallach mit Sehnenschaden.“ Damit waren alle Boxen belegt, „Und ich dachte: Ein bisschen was geht noch“, sagt Julia Sieger lachend.
Also baut sie eine Box aus, inseriert – und hat darauf zwei Anfragen. „So haben wir eben wieder erweitert. Mein fester Vorsatz damals war aber: Niemals mehr als zehn Pferde.“
Doch dann stand der Nachbar vor der Tür, der einen Platz fürs Pony der Tochter brauchte – „und ich konnte nicht Nein sagen.“ Längst hatte sich rumgesprochen, dass Julia Sieger nicht nur ein Händchen für Pferde hat, sondern vor allem Oldies bei ihr ein Paradies finden. „Ich habe nie wieder inseriert, aber immer einen enormen Zulauf.“
,,Ich möchte mit allen Pferden Zeit verbringen“
Zuerst haben die Pferde noch Boxen, „aber ich musste abends immer zehn Pferde vom Paddock holen, weil sie einfach noch nicht reinwollten. Das wollte ich den Pferden und mir ersparen und so bauten wir grundlegend um und errichteten einen Offenstall. Nur vier Boxen blieben – für die Fütterung.“ Die hat sie auch heute noch, obwohl mittlerweile 42 Oldies bei ihr sind.
Und das heißt für Julia Sieger: Jeden Tag werden die Pferde einzeln reingeholt und dann in Ruhe gefüttert. „Ein Futterautomat wäre zwar praktischer, aber ich will das nicht. Ich möchte jeden Tag jedes Pferd einmal etwas länger sehen, will wissen, wie es jedem geht, ob es Kratzer hat, die Augen gut sind, es normal frisst und wie es sich bewegt.“
An oberster Stelle steht das Glück der Rentnerpferde
Dabei hat sie eindeutige Prioritäten: „Mir ist wichtig, dass die Pferde glücklich sind. Ob ihr Fell schmutzig ist, weil sie sich gewälzt haben – das ist mir dafür egal.“ Zu dem Pferdeglück gehören gepflegte Weiden, acht eigene Hektar hat sie am Haus, dazu zwei weitere gepachtet. Im nächsten Jahr kommen weitere 7,5 Hektar dazu. Jede wird täglich abgeäppelt, auch alle Wege und natürlich die Halle mehrmals am Tag.
Es ist ein Familienbetrieb: Ihr Vater hält den Hof instand, ihr Sohn fährt das Heu und kümmert sich um die Maschinen, ihre Tochter springt ein, wann immer sie gebraucht wird. Dazu gibt es eine Einstellerin, die für ein paar Stunden am Tag da ist. „Sie entlastet mich sehr“, freut sich Julia Sieger.
Doch die Hauptarbeit leistet sie selbst.

Harte Arbeit für das Wohl des Pferdes
Entsprechend lang sind ihre Tage, morgens um 6 Uhr klingelt der Wecker, oft fällt sie abends todmüde gegen 22 Uhr ins Bett. „Wer glaubt, dass ein Oldie-Hof vor allem Kuscheln mit Pferden bedeutet, irrt sich.“ Und nicht nur körperlich anstrengend ist die Arbeit. „Man muss sich bewusst sein, dass es auch immer wieder heißt Abschied zu nehmen.“
Für sie sind diese Momente immer etwas Besonderes. „Jedes Pferd hat hier seinen engen Freund. Wenn es so weit ist und das Pferd erlöst werden musste, nehme ich seinen Kumpel und führe ihn oder sie dorthin. Die Pferde spüren sofort, was los ist. Sie trauern danach für sich, aber sie rufen nicht nach ihrem Freund.“ Und sie selbst? „Ich brauche danach auch Zeit. Denn es stimmt einfach nicht, dass man sich daran gewöhnt…“
Aller Abschied ist schwer
Vor allem, wenn man wie sie eine intensive Bindung zu den Pferden aufbaut. Wie zum Beispiel zu Bine. Als die Stute kam, hieß es, dass sie sich bislang auf der Weide nie wohl gefühlt hat. „Doch sie lebte sich schnell ein, fand Freunde und genoss ihr Leben.“
Vergangenes Jahr hatte Bine dann eine schlimme Kolik. „Ich hatte schon die Tierärztin angerufen, um sie zu erlösen. Doch als die Ärztin auf den Hof fuhr, stand Bine am Strick und graste wieder!“
Seit acht Jahren ist sie nun bei Julia Sieger, mittlerweile stolze 29 Jahre alt. „Jeder Tag mit ihr ist ein geschenkter Tag. Ich wünsche mir, dass sie noch 30 wird.“

Oder Amadeus, ein ehemaliges Grand-Prix-Pferd. Er kam mit 25 Jahren, „war frisch geschoren und für ihn war das ein richtiger Kulturschock hier. Ohne Hufeisen, mit so vielen anderen Pferden auf einer Weide und er wurde im Regen das erste Mal richtig nass – das kannte er alles nicht. In der ersten Zeit hat er wirklich gekämpft. Doch dann hat er sich eingelebt und hatte noch fünf wunderbare Jahre hier.“
Genau diese Zeit ist es, die Julia Sieger den Pferden schenken möchte. Und die ihr Kraft geben. „Wenn ich sehe, wie glücklich die Pferde sind – dann bin ich glücklich. Und weiß wieder: Hier lebe ich meinen Traum!“
Tipps bei der Suche nach einem guten Oldie-Hof
Bei Julia Sieger kommen alle Neuzugänge „über mündliche Empfehlung. Und das rate ich auch Pferdebesitzern: Hört Euch vorher um. Fragte andere Besitzer, auf direkte Erfahrungen kann man eher vertrauen.“ Auch das Internet kann helfen. „Jeder sollte vorher einmal gucken, ob es Empfehlungen dort gibt. Und dann am besten mit Besitzern oder ehemaligen Besitzern Kontakt aufnehmen.“
Dazu sollte jeder den Hof mindestens zweimal vorher besuchen. „Einmal mit Anmeldung, damit man sich alles in Ruhe ansehen kann und alle Fragen stellen kann. Aber für mich ist es okay, wenn die Besitzer auch ein zweites Mal unangemeldet kommen. Das zeigt mir, dass sie sich wirklich interessieren.“









Wunderbar geschrieben, beschrieben, und wer kann schon sagen „ich lebe meinen Traum“ ….. Schade das ich zur meiner aktiven Zeit von dieser Möglichkeit nichts gewusst habe, mein Tasso und Sunny hätten sich bestimmt auf so einem Hof wohl gefühlt!
Toll ich wünsche Dir liebe Julia noch ganz viel Glück auf Deinem Hof der Träume <3
Ja, so geht es uns auch. Die Oldies haben es verdient und brauchen oft mehr Aufmerksamkeit, als man denkt.
Nach 30Jahren Oldies muss ich feststellen, dass das immerwieder Abschied nehmen Spuren bei mir Hinterlassen hat.
Mir wird ganz warm uns Herz!
Danke, dass du diese Liebe zu den Pferden umsetzt und sie bei dir einen so tollen Platz haben- wunderbar! Alles Liebe und viele schöne Erlebnisse und jeden Tag die nötige Kraft!
Von Herzen
Brigitte
Hallo…….
Wo findet man denn so einen schönen Hof für sein Pferd?
Ich habe einen Oldie mit zig Wehwehchen, stand schon 2x kurz davor ihn gehen lassen zu müssen.
Er steht im Moment in einem Pensionsstall, der ungeeigneter für ihn nicht sein kann.
Ich habe ihn vor 9 Jahren übernommen und erstmal seine ganzen Wehwehchen ausdiagnotozieren lassen. Ich wünsche mir für ihn einen Platz wo er sein restliches Rentnerleben pferdisch genießen kann ……..auch wenn das für mich heißt, ihn nicht mehr so häufigbesuchen zu können.
Ich lebe in Berlin und ich meine, das er sich das einfach verdient hat .
Wäre glücklich, wenn ihr etwas für uns tun könntet.
Lieben Dank
Manuela und Lord
Für viele ist ein Pferd nur eine Sache , die man Entsorgt wie einen abgenagten
Knochen . Danke das Euch gibt …..😘
Wie bekommt man sowas beim Bauamt genehmigt? Lt. § 35 BauGB heißt es, Pferdehaltung ist nur gewinnbringend gewerblich gestattet. Neubau, Nutzungsänderungen für bestehende Gebäude, Sandpaddock oder Reitplatz, ja selbst eine Umzäunung wird bei Hobbypferdehaltung nicht genehmigt. Hohe Strafen und Rückbau. Der Staat will Pferde nur konzentriert in gewerbliche Reitställe mit mindestens 25 Pensionspferden. Artgerechte Haltung fast unmöglich!!! Eine Gesetzesänderung ist zwingend erforderlich!
Liebe Julia, vielen Dank für diese WICHTIGE Arbeit! 🐎🐎🐎😍🏇🏇🦄🦄🦄
Ich bin auch auf der Suche. Habe zwei oldenburger oldies, 24 und 25. einer hat eine Lähmung über 10 cm in der Speiseröhre. Wenn er sonst nicht so fitt wäre, hätte ich ihn schon erlösen lassen. Aber so fahre ich 3xtgl hin und füttere ganze Eimer heucobs., da er kein trockenes Heu mehr nimmt. Bei einer 40 h Arbeitswoche kommt man schnell an seine Grenzen (corona sei Dank noch im homeoffice) Vielleicht kennt jemand jemanden, bei dem ich meine beiden Rentner im Raum 14532 einstellen könnte und dem es nicht nur ums Geldverdienen mit möglichst jungen Pferden geht. Sie stehen seit 18 Jahren zusammen und ich möchte sie nicht trennen. Alle, die ein altengerechtes Pferdeleben möglich machen, kann ich nur bewundern und ihnen für ihre Leidenschaft und ihr verantwortungsbewusstes Handeln im Namen unserer vierbeinigen Kumpels danken.