Beim CHIO Aachen eroberten sie die Herzen der Zuschauer und begeisterten die Richter: Justin Verboomen und sein Hengst Zonic Plus. Doch wer sind die Shootingstars der Dressur? Ein Portrait.
Für viele tauchten sie aus dem Nichts auf: Der Belgier Justin Verboomen und sein Hengst Zonic Plus. Beim CHIO Aachen tanzte sich das Duo beim Grand Prix auf Platz 2. „Ich war sehr zufrieden, vor allem mit der Galopptour“, freute sich der 38-Jährige anschließend. Und zeigte gleichzeitig, dass er noch mehr will: „Ich weiß, dass Zonic es in einigen Lektionen noch besser kann. Das zeigt er zu Hause, da ist er deutlich relaxter. Als Hengst wird er auf dem Turnier oft etwas heißer.“
Für manch einen mag das wie Wunschdenken geklungen haben. Schließlich reitet Verboomen seine erste Saison auf Grand Prix-Niveau. Und auch sein Auftritt in Aachen war eine Premiere. Da war bereits dieser zweite Platz eine Sensation. Doch der Belgier und der Rappe Zonic zeigten: Es stimmt! Im Grand Prix Special und in der Kür siegten sie. Und verwiesen damit die erfolgreichste deutsche Reiterin und achtfache Olympiasiegerin Isabell Werth mit Wendy auf Platz 2.
Bei der Kür zeigten die beiden, was sie so auszeichnet: Ihre Verbindung, die scheinbare Leichtigkeit, mit der sie die schwersten Lektionen meistern.
Ist Zonic der „neuen Totilas“?
Nach der Kür standen die Zuschauer auf. Einige hatten Tränen in den Augen. Und als Verboomen am Ende seines Ritts grüßte, gab es Standing Ovations. Für alle ist in diesem Moment klar: A star is born. Genauer: Zwei neue Sterne leuchten jetzt am Dressurhimmel. Und beim Anblick des lackschwarzen Hengstes Zonic wispern die ersten schon vom „neuen Totilas“…
Doch Verboomen möchte den Vergleich nicht hören. Auch der Rummel um seine Person ist ihm ganz offensichtlich nicht geheuer. Dass ihn vorher niemand auf dem Zettel hatte, stört ihn nicht. Selbst in Belgien hatte ihm offenbar niemand diesen Erfolg zugetraut. Denn erst nach seinem Sieg am Samstag schickten „RTBF“ und „VRT“ für den Sonntag ein Kamerateam nach Aachen.
Justin Verboomen und seine Liebe zu Lusitanos
Dabei sitzt Verboomen bereits sein ganzes Leben im Sattel. Er kommt aus einer Reiterfamilie – doch mit Dressur hatte er erst nicht viel am Hut. „Mein Vater hat Springen und Vielseitigkeit auf kleinerer Ebene geritten und mich trainiert“, zitiert ihn die „Aachener Zeitung“. Zusammen mit seiner Zwillingsschwester Pauline bekam er mit sieben Jahren sein erstes eigenes Pony. Doch früh zeigt sich: Verboomen hat eine ganze besondere Liebe – zu Lusitanos.
Und so kam der Lusitano Tamino mit zwei Jahren zu ihm. Verboomen bildete ihn bis Grand Prix aus. Trotzdem blieb er unter dem Dressur-Radar. Denn mit Tamino startete Justin Verboomen vor allem bei den Iberic Masters. Heute reitet seine jüngere Schwester Clarisse Tamino, „damit sie von ihm lernen kann“, so Verboomen. Clarisse ist auch auf Turnieren an seiner Seite – als Pferdepflegerin. „Ich lasse niemand anderen an meine Pferde“, so der 38-Jährige.
Hannoveraner Zonic entdeckte er in Portugal
Auch nicht an seinen Zonic Plus. Den entdeckte er übrigens durch Zufall, als er auf der Suche nach einem Warmblut war. Dabei gab es zwei Bedingungen: Der Preis musste in sein Budget passen. Und das Pferd sollte die Vorzüge iberischer Pferde haben: „Ich wollte ein kurzes Pferd, ein feinfühliges“, so Verboomen in einem Interview. Vor sieben Jahren fand er dann sein Pferd – in Portugal!
„Als ich dort war, haben mir Freunde erzählt, sie wüssten ein Pferd für mich.“ So fuhr er zu einem Gestüt in Sintra. Dort sah er den damals zweijährigen Hannoveraner. „Er kam aus dem Stall, und er war so schön, so voller Energie. Ich wusste sofort: Das war er.“
Ein Jahr später kam Zonic zu ihm nach Nivelles in Belgien. Mit viel Gefühl begann Verboomen die Ausbildung. Und er ließ sich Zeit. Fünf- und sechsjährig gewann Zonic die belgischen Nachwuchspferde-Meisterschaften. Als Sechsjähriger kam er mit Verboomen bei der WM der jungen Dressurpferde auf Platz sechs. Doch auch danach hatte kaum jemand das Duo auf dem Schirm. Das änderte sich auch nicht, nachdem die beiden im Dezember 2024 den Weltcup-Grand Prix im belgischen Mechelen gewannen.
Verboomen – Reiter und Besitzer
Dabei gab es schon damals mindestens drei gute Gründe, sich Verboomen und Zonic zu merken. Denn die beiden fallen nicht nur durch ihre Harmonie und ihr gegenseitiges Vertrauen auf. Auch die Tatsache, das Verboomen nicht nur der Reiter sondern auch der Besitzer von Zonic ist, ist in der Dressurszene ungewöhnlich. Und noch etwas unterscheidet den Rappen von seinen tierischen Konkurrenten: Er ist barhuf im großen Dressur-Viereck unterwegs. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Erfahrung: An Zonics Hufen hielten keine Eisen lange. Also ließ Verboomen sie irgendwann einfach weg.
Warum also blieben die beiden so lange unbemerkt? Es könnte daran liegen, dass Verboomen am liebsten alleine trainiert. Und wenn er sich Hilfe holt, dann nicht von der Trainer-Prominenz. „Seit zwei Jahren unterstützt mich Claudia Kircheiss, eine Deutsche, die jedoch keine Profitrainerin ist.“ Dazu kommt: Verboomen ist zurückhaltend, drängt sich nicht nach vorne. Das überlässt er gerne anderen. Der Belgier will lieber im Dressurviereck überzeugen…
Das ist ihm gelungen. Wie es weitergeht? „Ich freue mich auf unsere Zukunft“, so Verboomen auf der Pressekonferenz beim CHIO. Dass er Zonic liebt, wird schnell klar: Er sei „sehr süß, nicht ängstlich, ein Kämpfer und doch sensibel. Er ist sehr eigen“, schwärmt Verboomen. Der Belgier weiß, dass er jetzt alles selbst in der Hand hat. Denn als Besitzer von Zonic muss er sich keine Sorgen machen. Sein Vorteil: „Einfach zu wissen, dass er bei mir bleibt. Keine Angst haben zu müssen, dass ich mein Pferd verlieren könnte, wie es anderen Reitern in der Vergangenheit passiert ist.“
Nach dem Doppel-Sieg in Aachen bekam er bereits ein Millionen-Angebot für Zonic. Verboomen hat abgelehnt. Ganz ruhig…








