Du hast noch nie etwas von Knochenzysten gehört? Dabei kommen sie vor allem bei jungen Pferden recht häufig vor. Gemeint sind oftmals winzige Hohlräume in Knochen. Das Problem: Auch wenn sie klein sind, können sie fatale Wirkungen haben.
In der Humanmedizin sind Knochenzysten gut bekannt. Und sie gelten als gefährlich, da durch „Knochenlöcher“ das Risiko für einen Knochenbruch deutlich steigt. Daher sollten sie behandelt werden. Das gilt auch bei Pferden. Der Grund: Bleiben Knochenzysten unbehandelt, können sie zu starker Lahmheit führen.
Doch wie entstehen die „Knochenlöcher“? Und wie können sie erkannt werden? pferde.de nennt die wichtigsten Fakten.
1. Zwei Arten von Knochenzysten
Der Begriff Zyste stammt von dem griechischen Wort „Kystis“ und bedeutet Blase. Eine Knochenzyste wäre also eine Knochenblase – und das beschreibt es auch sehr treffend. Mediziner verstehen darunter nämlich winzige, rundliche oder ovale Hohlräume in Knochen. Und die kommen bei Pferden durchaus häufig vor und werden als eine Form der Osteochondrosis verstanden. Je nach Größe führen diese Zysten zu erhöhtem Druck im benachbarten Knochen. Folgen: Schmerzen bis hin zu Lahmheit.
Übrigens: Bei den gelenknahen Zysten sprechen Mediziner von subchondralen Knochenzysten. Subchondral kommt von den lateinischen Begriffen „sub“ (unter) und „chondros“ (Knorpel). Das bedeutet also schlicht, dass die Knochenzysten unter dem Knorpel liegen.
Und: Bei den Knochenzysten werden zwei Typen unterschieden. Die Unterteilung in Typ I und Typ II sagt sonst meist etwas über die Schwere der Krankheit aus – aber nicht bei Knochenzysten. Hier ist es eine Einteilung in Form und Art: Zysten vom Typ I sind kuppelartig und haben eine weit offene Verbindung zur Gelenkfläche. Zysten vom Typ II sind durch einen engen, flaschenhalsartigen Kanal mit dem Gelenk verbunden. Diese Unterscheidung hat aber erst einmal keinen Einfluss auf deren Schweregrad beziehungsweise die Prognose für das Pferd.

2. Meist sitzen Knochenzysten im Kniegelenk
Grundsätzlich können Knochenzysten fast überall in den Beinen sein. Bei Vollblütern siedeln sie sich häufig am Kniegelenk an. Bei Warmblütern und Springpferden kommen sie an verschiedenen Stellen der Beine vor, vor allem an den Vorderbeinen. Häufig sind die Zehengelenke betroffen, zum Beispiel durch Kronbeinzysten.
3. Oft entstehen sie im Fohlenalter
In den meisten Fällen sind Durchblutungsstörungen im Fohlenalter die Ursache für Knochenzysten. Dadurch wird der Knochen an einer Stelle nicht weiter aufgebaut oder sogar abgebaut. So entsteht die Zyste.
Aber auch die Gene scheinen bei Knochenzysten eine Rolle zu spielen. So sind schnell wachsende Rassen wie zum Beispiel Vollblüter oder Quarter Horses für Zystenbildungen im Kniegelenk besonders anfällig. Und auch eine sehr energiereiche Fütterung kann das schnelle Wachstum und damit auch die Knochenzystenbildung begünstigen.
Auch Infektionen im Fohlenalter können zu Knochenzysten führen. Durch die Infektion wird der Knochen nicht weiter aufgebaut. Aber auch ein Unfall kann Auslöser einer Knochenzyste sein: Verletzt sich das Pferd dabei am Gelenkknorpel oder an dem darunter liegenden Gewebe, wird Gelenkflüssigkeit in das Knochengewebe gedrückt. So kann eine subchondrale Knochenzyste entstehen oder eine sich bereits vorhandene ausdehnen.

4. Immer wieder lahm? Das ist typisch
Knochenzysten lassen sich nicht immer gleich erkennen. Denn betroffene Pferde lahmen bei dieser Erkrankung nicht sofort. Hinweise auf Knochenzysten sind:
- Lahmheit tritt immer wiederkehrend auf und wird in der Bewegung deutlich schlimmer.
- Das Pferd nimmt Schonhaltungen ein und entlastet ein Bein häufig.
- Bei subchondralen Knochenzysten im Fesselgelenk schwillt das betroffene Gelenk immer wieder an.
5. Beim Röntgen kann sie übersehen werden
Die Diagnose ist gar nicht so leicht. Zuerst wird das betroffene Bein geröntgt. Auf den Aufnahmen kann sich eine Knochenzyste jedoch „verstecken“ beziehungsweise ist nicht klar zu erkennen. Dann helfen weitere so genannte bildgebende Verfahren wie MRT und CT. So kann die Zyste genau lokalisiert werden. Und auch der Grund der Entstehung kann so möglicherweise bereits erkannt werden. Im Fesselbein werden zum Beispiel häufig auch kleine Fissuren, also Einschnitte, erkannt.

6. Medikamente haben oft nur kurzen Erfolg
Bei der Behandlung können Tierärzte auf Entzündungshemmer setzen, die ins Gelenk injiziert werden. Die Injektion von Glukokortikoiden in die Zystenhöhle soll eine gute Wirkung haben. Und auch die Behandlung mit Benzopyronen und Kalzium-Dobesilat zeigt laut einer Studie gute Erfolge. Danach wurden die Pferde so klinisch geheilt. Aber: Die Zysten selbst waren danach nicht verschwunden…
Bei dieser Behandlung darf das Pferd mehrere Monate lang nicht belastet werden. Und: Oft bleiben Pferde nach einer konservativen Behandlung nur einige Zeit lahmfrei.
7. Knochenzysten: OP hat die meisten Erfolge
Ist die Zyste nicht zu groß, wird meist eine OP empfohlen. Dabei wird die Zyste zuerst kürettiert, also ausgeschabt, und der Inhalt der Zyste entfernt. Danach wird die Zyste mit Wirkstoffen, die die Knochenheilung fördern sollen, gefüllt. Zu diesen Wirkstoffen gehören zum Beispiel Knochenmarkstransplantate, Stammzellen sowie Knorpelzellen.
Eine Alternative kann auch ein Implantat sein. Die so genannten transkortikalen Knochenschrauben übernehmen dabei gleich zwei Aufgaben. Sie stabilisieren den ausgehöhlten Knochen und verhindern dadurch eine weitere Ausdehnung der Zyste. Dazu stimulieren sie die Knochenneubildung.
Das Universitäres Tierspital Zürich setzt dabei auf Knochenzementschrauben, die gleich drei Funktionen haben:
- regen die neue Knochenheilung an
- helfen neuem Knochengewebe in die Zyste einzuwachsen
- stabilisiert die Zyste
Ein weiterer Vorteil der Schraube: Sie löst sich innerhalb von drei Jahren auf.








