In der Humanmedizin spielt sie eine immer größere Rolle. Doch auch bei Pferden kommt immer häufiger Künstliche Intelligenz zum Einsatz. So können Tierärzte mit Hilfe von KI zum Beispiel Krankheiten früh erkennen. Ein Überblick…
Für die einen ist sie ein Segen, andere stehen ihr skeptisch gegenüber – der Künstlichen Intelligenz. Doch egal, wie wir zu ihr stehen: Wir kommen (fast) nicht mehr an ihr vorbei. Denn KI erobert langsam aber sicher fast jeden Bereich unseres Lebens. Mit ihr werden Fotos erstellt, Texte geschrieben und ganz nebenbei „beantwortet“ sie unsere Fragen.
Die neueste Idee: Mit KI wollen Programmierer die Laute von Tieren in menschliche Sprache überführen. Erste Anwendungen gibt es bereits, vor allem bei Delfinen und Walen machen die Programme Fortschritte.
Und auch für Pferde ist die KI im Einsatz. Nicht zum Übersetzen – aber zum Beispiel zur Überwachung. Bereits 2018 brachte ein amerikanisches Startup „StableGuard“ auf den Markt. Die Idee damals: Überwachungskameras sind gut – aber was, wenn gerade niemand hinsieht? Dann hilft auch das teuerste Equipment nichts.
Die Lösung: ein selbstlernende Überwachungssystem. Eine Videokamera in der Box nimmt rund um die Uhr das Pferd auf. Und die KI wertet alles in Echtzeit aus. Gibt es Auffälligkeiten, werden sie per App an die Besitzer gemeldet.
KI kann Verletzungsrisiko bei Pferden senken
Dabei stellt sich das System auf jedes Pferd individuell ein. Es lernt die Verhaltensweisen, erkennt so zum Beispiel Anzeichen für Stress. Dazu analysiert es das Trink- und Fressverhalten und „kontrolliert“ sogar den Mist, den das Pferd fallen lässt. Ein ähnliches Überwachungssystem bietet „Horse Protector“. Es erkennt auch typische Symptome für Koliken oder eine bevorstehende Geburt.

Doch nicht nur bei der Überwachung kann KI punkten – auch beim Training kann sie helfen. Sie kann Bewegungsabläufe analysieren und Trainingspläne optimieren. Dazu kann sie das Verletzungsrisiko senken, weil sie Überlastung oder Fehlbelastung erkennt und warnt. Und durch die Überwachung von Vitalparametern wie der Herzfrequenz und Bewegungsabläufen kann Künstliche Intelligenz frühzeitig Anzeichen von gesundheitlichen Problemen erkennen und so die Sicherheit von Pferd und Reiter erhöhen.
KI erkennt Mondblindheit
Und auch in der Medizin wird KI immer häufiger eingesetzt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Künstliche Intelligenz kennt keine menschlichen Fehler, umfangreiches Wissen kann sofort abgerufen werden. Dazu ist sie rund um die Uhr im Einsatz, braucht keine Pausen. Und ihre Einsatzbereiche werden immer vielfältiger.
Wie in der Humanmedizin wird KI bereits bei der Klassifizierung und Interpretation von Röntgenbildern genutzt. Dazu wird sie zur Erkennung von schweren Augenkrankheiten genutzt. Ein Team um Professorin Anna May von der Pferdeklinik der LMU hat ein Deep-Learning-Tool entwickelt und trainiert, das die Mondblindheit zuverlässig erkennt. Dieses Tool kann Veterinäre bei der Diagnose unterstützen, wie die Forschenden in einer aktuellen Studie berichten. Die Trefferquote liegt bei 93 Prozent.
Und auch finnische Forscher haben eine neue Methode entwickelt. So sollen entzündliche Darmerkrankungen beim Pferd schneller und schonender diagnostiziert werden. Ihre Idee: Künstliche Intelligenz und die Analyse von Kotproben sollen aufwendige Untersuchungen wie die Endoskopie ersetzen. Dieser Fortschritt könnte den Stress und die finanzielle Belastung verringern, die mit den derzeitigen Diagnosemethoden verbunden sind.
„Dieses KI-basierte neuronale Netzwerkmodell hat IBD in den Testproben mit 100-prozentiger Genauigkeit vorhergesagt“, sagt Postdoktorandin Tiina Sävilammi.

KI in der Ganganalyse
Auch beim Thema Lahmheit ist KI aktiv. Gerade erst schlossen Boehringer Ingelheim und das schwedische Unternehmen Sleip eine Partnerschaft, um künstliche Intelligenz (KI) in der Ganganalyse zur Diagnose von Lahmheit bei Pferden einzusetzen. Ziel: Tierärzte können das Pferd in Bewegung mit einem Smartphone aufnehmen, ohne dass Sensoren oder komplizierte Kamerasysteme erforderlich sind.
Die KI-gestützte Technologie von Sleip analysiert die Bewegung und liefert innerhalb von Minuten eine Auswertung – einschließlich eines Schritt-für-Schritt-Analysevideos mit synchronisierten biomechanischen Daten. Dies ermöglicht den Tierärzten, sofortige Maßnahmen zu ergreifen und die gesundheitliche Versorgung der Pferde zu verbessern.
Das alles zeigt: KI wird eine immer größere Rolle in der Pferdegesundheit spielen. Doch gleichzeitig bleibt für Tierärzte eine Frage: Es kann in der Medizin um Leben und Tod gehen – wie weit verlassen wir uns dann auf Künstliche Intelligenz?








