Krankheit, Überforderung, zu wenig Geld – es gibt viele Gründe, warum Pferdebesitzer ihren Liebling abgeben müssen. In Templin hilft dann die Pferdeklappe, die wie eine Baby-Klappe funktioniert.
Sie ist Pferdeflüsterin, er ist Tierarzt – zusammen sind sie Retter für Pferde in der Not: Angy (36) und Henry Strathmann (40) aus Templin betreiben ehrenamtlich eine Pferdeklappe, die einzige amtlich zugelassene in Brandenburg. Auf dem Gut Dorettenhof finden Vierbeiner, die keiner mehr will, ein neues Glück.
Pferde anonym abgeben mit der Pferdeklappe
Das System ist den bundesweiten Babyklappen abgeguckt: Wer sein Pferd anonym abgeben will, packt die Papiere in eine Klappe vor dem Grundstück, stellt sein Pferd auf die Koppel und kann ungesehen wieder gehen. Die Namen, die in den Papieren stehen, interessieren die Strathmanns nicht: „Für uns sind nur die Tiere wichtig.“
Die Idee für einen Schutzhof für Pferde hatte seine Frau schon lange. Als sie und ihr Mann dann den Dorettenhof, eine ehemalige Schweinemastanlage, entdeckten, sagte sie nur: „Wenn du mitmachst – ich will ihn haben!“ Und Henry Strathmann wollte ebenso wie seine Frau.
Dass dort, wo früher Schweine in engsten Verhältnissen gehalten wurden, heute Tiere gut leben, empfindet er zum „Teil als Wiedergutmachung“.

Pferdeklappe: Keine andere Wahl
Doch bevor das Paar loslegte, musste erst einmal umgebaut werden. Und: „Wir wollten rechtlich alles sicher machen.“ So beantragten sie den §11-Schein, also die Erlaubnis nach dem Tierschutzgesetz zur gewerbsmäßigen Tierhaltung. Als die kam, hatten Angy und Henry Strathmann sie – die amtliche Anerkennung für die Pferdeklappe.
Und die wird dringend gebraucht. „Es gibt immer wieder Besitzer, die sich ihre alten oder kranken Pferde nicht mehr leisten können“, weiß Henry Strathmann. Mehr als 50 Tiere hat Gut Dorettenhof & Gut für Tiere e.V. mittlerweile aufgenommen, viele wieder aufgepäppelt und kontrolliert vermittelt.
Aber: „Die wenigsten sind anonym abgegeben worden. Manchmal kommen die Tiere wegen amtlicher Maßnahmen aus Tierschutzgründen. Wir sind dann die Notversorgungsstation – oft kommen die Leute und sagen ganz offen, dass sie das Pferd abgeben müssen.“ Neben finanziellen Gründen ist es auch oft Überforderung, haben Angy und Henry Strathmann festgestellt.
Integrationsklasse gegen Verhaltensstörungen
„In den ersten Tagen sind die Neuzugänge meist schüchtern, aber dann zeigen sich oft Verhaltensstörungen – zum Beispiel weil die Tiere falsch gefüttert worden sind oder nie gelernt haben, wie man richtig am Strick neben einem Menschen her läuft.“ Andere haben psychische Probleme.
„Wir haben ein Pferd mit Lungenproblemen von der Küste bekommen. Eigentlich müsste es dem Tier dort besser gehen, aber bei uns in der Uckermark war es fast sofort wieder gesund“, erzählt Henry Strathmann.
Der Grund: „Einige Pferde sind echte Psychosomaten. Sie stehen zum Beispiel in der falschen Herde, werden vielleicht gemobbt – das schlägt auf ihre Gesundheit. Bei uns kommen sie in eine Gruppe, die wir unsere Integrationsklasse nennen. Da hat jedes Pferd sein Problemchen, dort fühlen sich alle schnell wohl.“ Und das alles ist jede Menge Arbeit. „Ohne unsere Vereinsmitglieder, Freunde und Förderer ginge vieles nicht“, so Henry Strathmann.
Wenn es den Pferden wieder gut geht, sollen sie vermittelt werden. „Aber nur in wirklich gute Hände. Und wir sagen auch immer ganz klar: Wenn es nicht klappt, sagt Bescheid. Wir finden eine Lösung.“ Die Rücknahme-Option ist ihnen wichtig – denn das Paar hat auch schon schlechte Erfahrungen gemacht.

Manche Pferde werden nicht mehr weiter vermittelt
„Bei uns war Don, ein Wallach, der aggressiv auf andere Pferde und manchmal auch zu Reitern war. Bei uns ging es ihm besser, wir haben ihn vermittelt – und dann haben sich die neuen Besitzer nicht mehr gemeldet.“ Als sie erfahren, dass Don weiterverkauft wurde, machen sie sich auf die Suche – fünf Jahre lang. Dann fanden sie ihn endlich: „Er stand fast in der Zwangsbox beim Schlachter.“ Heute ist Don wieder auf dem Dorettenhof „Ihn geben wir nicht wieder weg.“
Auch Jasper darf für immer auf dem Hof bleiben. „Meine Frau hatte ihn auf einem fürchterlichen Markt freigekauft. Er kam in einem schlechten Zustand, hatte einen kupierten Schweif und Mauke.“ Der Belgier, der mit seinem mächtigen Körper großen Eindruck macht, hätte eigentlich als Rückepferd arbeiten sollen. „Aber er ist im Kopf ganz ängstlich und zart.“ Seine große Leidenschaft: „Kinder, die liebt er!“ Und so fanden die Strathmanns ein neues Zuhause als Schulpferd für ganz kleine Kinder für Jasper.

Jasper kämpfte um sein Leben
„Zuerst ging alles gut, wir bekamen regelmäßig Nachrichten. Doch dann kam lange nichts mehr. Und dann eines Tage sder Anruf: ‚Holt Jasper ab oder wir schläfern ihn ein.‘ Meine Frau fuhr hin – da war Jasper halbtot.“ Als Henry Stahmann den Wallach abholen will, hat er Sorge: „Ich wusste nicht, ob er den Transport überleben wird.“
Noch heute wird Henry Strathmann wütend, wenn er daran denkt, was Jasper durchmachen musste: „Er hatte wieder ganz schlimm Mauke, zwei Kilo Maden hingen da drin. Und er hatte einen Innenschenkelabzess. Als wir ihn aufmachten, lief literweise Eiter raus.“
Aber Jasper kämpfte: „Einen Abend legte ich ihn hin. Ich stand neben ihm und sagte: Ich gebe ihm eine Infusion, aber wenn er dann nicht aufsteht, müssen wir ihn erlösen. Jasper hörte den Satz und ich weiß nicht wie er es gemacht hat, aber er stand sofort wieder auf!“
Denn Jasper wollte leben.
Hier, bei den Strathmanns.
Im Paradies für Pferde, die keiner will.
Mehr Informationen und Kontakt: Der Verein „Gut für Tiere“ finanziert sich über Spenden; Tierpatenschaften und Mitgliedsbeiträge. Wenn Du helfen möchtest, nimm Kontakt auf: www.dorettenhof.de, gut@dorettenhof.de, Tel. 0163-70 67 460. Und wenn Du spenden möchtest, kannst Du das aufs Spendenkonto DE38 8601009 00986 365903 vom Gut für Tiere e.V. tun.








