Das schlägt mir auf den Magen – diesen Spruch kennen wir alle. Aber gilt der auch für Pferde? Ja! Denn bei Stress und falscher Fütterung kann Dein Pferd schnell Magengeschwüre bekommen. Wie entsteht es, welche Symptome gibt es und wie kannst du vorbeugen? pferde.de hat die wichtigsten Fakten zu Magengeschwüren.
Magengeschwüre, das ist doch nur eine neumodische Diagnose – diese Meinung gibt es tatsächlich. Und sie hat einen wahren Kern. Tatsächlich waren Magengeschwüre und Magenentzündungen früher kaum ein Thema.
Das liegt aber schlicht daran, dass damals die Diagnosemöglichkeiten schwierig und teuer waren. Seitdem es zum Beispiel Endoskope für Pferde gibt, ist die Untersuchung deutlich einfacher – und günstiger. Entsprechend stieg das Wissen um die Magenerkrankung.
Hier die wichtigsten Fakten:
1. Wenn der Magen sauer wird
Drei Mahlzeiten am Tag, das reicht? Für Pferde gilt das nicht. Genauer: Für ihren Magen. Der ist nämlich auf eine kontinuierliche Futteraufnahme eingestellt. Kein Wunder: In freier Wildbahn sind Pferde 16 Stunden am Tag mit Futtern beschäftigt. Deshalb produziert der Magen auch ständig Säure. Normalerweise wird sie durch den Speichel, der vor allem bei faserreicher Fütterung in größeren Mengen produziert wird, abgepuffert.
Kommt zum Beispiel über einen längeren Zeitraum kein neues Futter an, greift die Säure die Magenschleimhaut an. Sie entzündet sich, es entstehen Geschwüre. Ein Magengeschwür ist als vor allem ein Defekt in der Magenschleimhaut.
2. Fast jedes zweite Pferd hat Magengeschwüre
Tatsächlich treten Magengeschwüre bei Pferden häufiger auf, als wir glauben: Laut Statistik leiden rund 90 Prozent aller Rennpferde darunter. Auffallend: Waren die Pferde nicht im Training, sind nur 37 Prozent betroffen, so eine Studie des Europäischen Kollegs für Innere Pferde-Medizin. Bei Turnierpferden sind es rund 60 Prozent und selbst bei Fohlen sind rund 50 Prozent betroffen.

Bei Reitpferden liegt die Zahl etwas niedriger, mit 40 bis 50 Prozent treffen Magengeschwüre aber immer noch auffallend viele Pferde. Zum Vergleich: Bei uns Menschen leiden etwa zehn Prozent unter einem Magengeschwür.
3. Die Symptome für Magengeschwüre sind vielfältig
Bei Magengeschwüren gibt es nicht das eine Symptom, bei dem Du sofort weißt, was los ist. Zu den typischen Anzeichen zählen:
- wiederkehrende Koliken, oft nach der Futteraufnahme
- verminderter Appetit
- Abmagerung
- schlechter Allgemeinzustand
- Zähneknirschen oder Leerkauen
- vermehrtes Flehmen oder Gähnen
- verminderte Leistungsbereitschaft und – fähigkeit
- Verhaltensänderung
4. Stress und falsche Fütterung gelten als Hauptauslöser
In den meisten Fällen werden Magengeschwüre beim Pferd nicht nur durch eine einzige Ursache, sondern durch eine Kombination ausgelöst. Zu den Hauptfaktoren für die Entstehung gehört zum Beispiel Stress. Und der kann schnell auftreten, denn Pferde sind Gewohnheitstiere. Deshalb geraten sie beim Rennen oder auf dem Turnier, beim Hängerfahren oder bei einem Wechsel – zum Beispiel von Stall, Futter oder Herde – bereits in Stress. Und reagieren dann nachweislich häufig mit der Bildung von Magengeschwüren.
Ebenfalls eine Hauptursache ist falsche Fütterung. Durch zu viel Kraftfutter und zu wenig Raufutter wird die Magenschleimhaut gereizt. Aber auch verunreinigtes Futter, die falsche Reihenfolge bei der Fütterung und zu lange Fresspausen zwischen den Mahlzeiten sind nachgewiesene Auslöser für Magengeschwüre.
Weitere Auslöser sind zum Beispiel zu intensives Training, Kolik, Medikamente, aber auch Zahnprobleme oder Koppen.
5. Klarheit verschafft eine Magenspiegelung
Wie bei Menschen hilft eine Magenspiegelung bei der sicheren Diagnose. Vor dem Eingriff darf das Pferd 18 Stunden nichts mehr fressen – auch keine Einstreu! Für die Magenspiegelung wird es dann zuerst sediert. Dann kann der Tierarzt das flexible, mindestens drei Meter lange Endoskop (Gastroskop) bis in den Magen schieben. Damit kann der Veterinär die Magenschleimhaut beurteilen und den Magenausgang untersuchen, denn auch hier sitzen oft Magengeschwüre.

6. Magengeschwüre beim Pferd vorbeugen
Natürlich ist Vorbeugung immer gut. Um Magenprobleme zu verhindern – oder zumindest das Risiko zu mindern –, ist eine artgerechte Haltung wichtig. Dazu gehört Weidegang, Kontakt zu Artgenossen und ausreichend Bewegung. Dazu solltest Du Stress für Dein Pferd vermeiden. Und bei der Fütterung darauf achten, dass Dein Pferd keine zu langen Fresspausen hat und ausreichend Raufutter zur Verfügung steht. Füttere möglichst wenig Kraftfutter und verzichte auf säurehaltiges Obst, wie zum Beispiel Äpfel.
Hat Dein Pferd Magenprobleme, kannst Du auch für drei Monate auf Getreide verzichten und Leinöl füttern. In ihm stecken zum entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren. Auch Mash aus Leinsaat ist gut.
7. Kräuter für den Magen
Du kannst auch auf ganz natürliche Weise dem Magen Deines Pferdes helfen – mit Kräutern. In ihnen stecken zum Beispiel Schleimstoffe, die die Magenschleimhäute auskleiden und dem Magen helfen, die Säuren abzupuffern. Dazu gehören Eibischwurzel, Malvenblätter, Leinsamen, Flohsamen, Ringelblume und Spitzwegerich.
Dazu gibt es Kräuter, die den Magen bei seiner Arbeit unterstützen und gleichzeitig entspannend wirken, wie Kamillenblüten, Süßholzwurzel, Fenchel, Melissen- und Pfefferminzblätter.








