Auf den ersten Blick scheint es eine harmlose Erkältung. Doch der scheinbar kleine Schnupfen oder Husten kann viel mehr sein: Druse kündigt sich mit Schlappheit, Nasenausfluss und erhöhter Temperatur an. Dann ist schnelles Handeln wichtig, denn diese Krankheit kann lebensgefährlich werden. pferde.de nennt die wichtigsten Fakten.
Fünf Buchstaben, die viele Pferdebesitzern große Sorgen bereiten: Druse, eine Pferdekrankheit, die sich blitzschnell ausbreitet. Ausgelöst wird die Krankheit vom Bakterium Streptococcus equi. Der Erreger kommt normalerweise in der Umwelt nicht vor. Aber er kann bis zu vier Tage in der Box, auf der Weide, im Paddock und bis zu acht Wochen im Wasser überleben.
Gelangt er in den Organismus des Pferdes, entzünden sich die oberen Atemwege sowie die Lymphknoten im Hals-, Kehl- und Rachenbereich. Die Folge: Die Lymphknoten schwellen stark an und es bilden sich eitrige Entzündungsherde.
1. Jungpferde und Senioren gehören zur Risikogruppe
Grundsätzlich kann jedes Pferd Druse bekommen. Aber für einige ist das Risiko höher, dazu gehören junge Pferde und Senioren, da ihre Abwehrkräfte entweder noch nicht oder nicht mehr stabil ist. Auch Pferde, die sehr anfällig für Krankheiten sind oder sich gerade erst von einer Krankheit erholen, gehören zu der Risikogruppe, da ihr Immunsystem ebenfalls schwächer ist. Aber auch schlecht gefütterte, unhygienisch gehaltene Pferde, Absetzer und ältere Pferde aus Ställen mit häufigem Pferdewechsel sind Risikopferde.
2. Erste Symptome deuten auf Husten hin
Die Krankheit hat zuerst Symptome, die auf Husten oder eine Bronchitis hindeuten, zum Beispiel Schlappheit, Appetitlosigkeit, Husten, Nasenausfluss und erhöhte Temperatur oder Fieber. Schon bei diesen Anzeichen solltest Du Deinen Tierarzt rufen.
Deutliche Anzeichen für Druse sind:
- geschwollene Lymphknoten im Hals- und Rachenbereich, die du vorsichtig am Unterkiefer ertasten kannst
- ein- oder beidseitiger schleimig-eitriger Nasenausfluss
- gestreckte Kopf-Hals-Haltung
- Schluckbeschwerden – Wasser und zerkautes Futter fließt aus den Nüstern
- Atemgeräusche
Spätestens jetzt solltest Du sofort den Tierarzt anrufen. Dazu solltest Du Dein Pferd von den anderen Pferden direkt isolieren, um eine weitere Ausbreitung noch zu verhindern oder doch zumindest einzugrenzen.
3. Bei der Behandlung von Druse hilft auch Kartoffelbrei
Der Tierarzt wird zuerst einen Abstrich nehmen und die Probe ins Labor schicken, um zu überprüfen, ob es sich tatsächlich um Druse handelt. Bei der Behandlung kann die Frage aufkommen, ob Antibiotika gegeben werden sollen. Aber: Bei Druse bilden sich häufig Abszesse mit Kapseln, in die Antibiotika schlecht eindringen können – daher ist ihr Einsatz umstritten. Dazu kommt, dass die Abszesse zum Reifen gebracht und dann durch den Tierarzt punktiert oder chirurgisch gespalten werden. Antibiotika verzögern die Reifung der Abszesse.
In einem frühen Stadium, wenn noch keine Abszesse in den Lymphknoten sind, können Antibiotika hilfreich sein, da so der Infektion und der Verbreitung des Erregers entgegengewirkt werden kann.
Auf jeden Fall brauchen an Druse erkrankte Pferde absolute Stallruhe und weiches vitaminreiches Futter. Die Abszessreifung wird kann zum Beispiel mit Infrarotbestrahlung (zwei- bis viermal täglich für je zehn Minuten) gefördert werden. Auch mit wärmenden Drusewickeln sowie einer milden Zugsalbe kannst Du Deinem Pferd helfen. Der Mix aus Wärme und Zugsalbe wirkt durchblutungsfördernd, entzündungs- und schmerzlindernd.
Für die Wärme kannst Du eine Wärmflasche nehmen – oder einen Drusewickel aus Kartoffelbrei machen. Wärme den Brei einfach auf, fülle ihn in eine Plastiktüte und befestige den Wickel beispielsweise mit einer Decke locker um den Pferdehals. Dadurch reifen die Eiterabzesse schneller, die Lymphknoten öffnen sich nach außen und der Eiter kann abfließen.
4. Beschnuppern reicht zur Übertragung
Die Ansteckung erfolgt durch direkten Kontakt mit dem Maul- oder Nasenbereich eines infizierten Pferdes – es reicht also, wenn Pferde sich gegenseitig beschnuppern. Dazu können sich die Bakterien auch indirekt durch Gegenstände wie Futtertröge oder Zaumzeug verbreiten. Auch Menschen können den Erreger von einem zu einem anderen Pferd weitertragen. Die Inkubationszeit beträgt drei bis 14 Tage.

5. Der ganze Stall muss in Quarantäne
Da Druse hochansteckend ist, muss Dein Pferd bei Verdacht sofort isoliert werden. Dazu muss die restliche Herde genau beobachtet werden, ob weitere Pferde Anzeichen der Krankheit zeigen. Und: Der ganze Stall muss in Quarantäne, da Druse bis zu drei Wochen ansteckend sein kann.
Für die Zeit der Behandlung sollte der Stall, wenn möglich, in drei Bereiche aufgeteilt werden:
- Krankenstation zur Behandlung der betroffenen Pferde. Der Zugang sollte auf die Menschen, die unbedingt hineinmüssen, beschränkt sein. Beim Betreten und Verlassen müssen sich alle desinfizieren.
- Quarantänestation für alle Pferde, die mit den erkrankten Artgenossen Kontakt hatten, selbst aber noch keine Symptome zeigen.
- Gesunde Station, in der gesunde Pferde deutlich getrennt von den anderen Artgenosse untergebracht werden.
Erst wenn die Pferde rund eine Woche fieberfrei sind, sich an den Lymphknoten keine weiteren Schwellungen oder eitrige Abszesse befinden und sie mindestens drei Mal vom Tierarzt ohne Befund auf Druse untersucht wurden, gelten Pferde als gesund.
6. Auch ohne Ausbruch kann der Erreger da sein
Bricht Druse aus, kann sich jedes Pferd anstecken. An Druse erkranken aber nicht immer alle Pferde in einem Stall. Einige Pferde bleiben zum Beispiel durch ein besonders starkes Immunsystem und eine Grundimmunität von dieser Krankheit verschont. Wie empfindlich die Pferde reagieren, hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab: Immunstatus, Bakterienbelastung in der Umgebung, aber auch eine mögliche Immunität durch vorherigen Kontakt mit dem Erreger.
Die Immunität kann ein Problem werden, denn bei zwei bis zehn Prozent der Pferde bleibt der Erreger im Körper. Bei ihnen ziehen sich die Bakterien in die Luftsäcke zurück und werden von Zeit zu Zeit in kleinen Mengen ausgeschieden. So kann sich Druse über einen längeren Zeitraum halten, ohne dass die Pferde Symptome einer Krankheit zeigen. Erst wenn neue Pferde in den Stall kommen und plötzlich erkranken, merkt man, dass der Erreger eben doch vorhanden war.
7. Druse ist nicht meldepflichtig
Weder für Druse noch für Herpes steht derzeit beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eine Meldepflicht zur Debatte. Der Grund: Bei diesen beiden Infektionskrankheiten handelt es sich nicht um Erkrankungen, die auf den Menschen übertragbar sind. Dazu sind die wirtschaftlichen Schäden zwar für den jeweils betroffenen Stall zum Teil dramatisch – im Vergleich mit anderen Tierseuchen wie zum Beispiel der Vogelgrippe jedoch gering, so dass für die Ställe kein Notstand aufgerufen werden muss.








