Das Thema Nasenriemen wird seit Langem im Reitsport diskutiert. Genauer gesagt: Zu eng geschnallte Nasenriemen. Jetzt hat die FEI endlich reagiert – und einen Messkeil vorgestellt. Mit ihm sollen zu eng verschnallte Nasenriemen besser erkannt werden.
Dass Nasenriemen häufig zu eng verschnallt werden – das ist lange bekannt. Bereits 2013 untersuchten irische Wissenschaftler rund um Orla Doherty von der Universität Limerick, wie eng Nasenriemen in der Praxis verschnallt werden. Die erschreckenden Ergebnisse: 201 junge Vielseitigkeits- und Hunterpferden wurden untersucht. Und nur bei 12 Prozent waren die Nasenriemen locker genug angelegt, um zwei Finger darunter zu führen. 47 Prozent hatten dagegen die Nasenriemen so eng zugezogen, dass gar keine Finger darunter gepasst haben.
Die viel zitierte Zwei-Finger-Regel wird in der Praxis also offenbar kaum angewandt. Denn drei Jahre später kam die nächste Studie und der nächste Schock: Lediglich 7 Prozent von 737 überprüften Turnierpferden hatten einen korrekt nach der Zwei-Finger-Regel verschnallten Nasen- beziehungsweise Sperrriemen. Bei 44 Prozent der Pferde waren die Riemen dagegen so festgezurrt, dass ein Messgerät zur Überprüfung des Sitzes nicht mal ein kleines Stück zwischen Nasenrücken und Riemen geschoben werden konnte.
Landesverbände überprüfen Nasenriemen mit Messgeräten
Danach reagierten die ersten Länder: In Dänemark überprüft man Nasen- und Sperrriemen bereits seit Jahren mit einem Messgerät, dann folgten die Niederlande. Und seit dem vergangenen Jahr setzt der Schweizer Verband auf einen „Zauberstab“. Er wurde extra entwickelt, damit die Diskussionen über Fingerbreite und die korrekte Messungen enden.
2021 zog auch Kanada nach: In einem Pilotprojekt testete der kanadische Verband erstmals den Einsatz der ISES-Messschablone. Auf Turnieren sollen die Schablonen zum Einsatz kommen – mit Zustimmung der Reiter. Ist der Reiter jedoch dagegen, wird der Sitz von Nasen- und Sperrriemen wie bislang mit den Fingern kontrolliert.
Messkeil für Nasenriemen wurde mehr als 600-mal getestet
Für den Weltreiterverband stand so eine Schablone dagegen nicht zur Diskussion: Ihr Einsatz sei für die Pferde in der ohnehin eher aufregenden Umgebung eines Turniers möglicherweise mit zu viel Stress verbunden. Doch das hat sich jetzt geändert: Die FEI stellte Mitte Oktober einen Messkeil vor. Dieser wurde vorher mehr als 600-mal getestet bei FEI-Veranstaltungen in den Disziplinen Springreiten, Dressur, Vielseitigkeitsreiten, Distanzreiten und Fahren. Die Tests wurden von den teilnehmenden Pferden, Athleten, Pferdepflegern und Offiziellen gut angenommen, so die FEI.

Der neue Messkeil wird bei FEI-Veranstaltungen im ersten Quartal 2025 schrittweise eingeführt. Dazu gibt es ab 1. Januar 2025 auch neue Vorschriften. Wird mit dem Messkeil vor dem Wettbewerb ein zu fest verschnallter Nasenriemen bei einem Pferd festgestellt, muss er gelockert werden – oder Pferd und Reiter dürfen nicht starten. Wird es ein zu enger Nasenriemen erst während des Wettkampfs festgestellt, werden Pferd und Reiter ausgeschlossen und der Reiter wird verwarnt.








