Beim Kampf um die Medaillen schafften es die Schwedin Wilma Hellström und ihre Stute Cicci nicht auf die vorderen Plätze. Doch wenn es um die Herzen der Zuschauer ging, sprangen sie ganz nach vorne. Warum? Weil die Schimmelstute nur ein Auge hat – aber dafür umso mehr Vertrauen und Mut…
Mit zwei Jahren saß Wilma Hellström zum ersten Mal im Sattel. Und schnell zeigte sich: Die Schwedin hat Ehrgeiz und viel Talent. Bereits als Jugendliche gewann sie zum Beispiel bei schwedischen Meisterschaften. Und bei den Europameisterschaften der jungen Reiter holte sie mit dem schwedischen Team Bronze.
Vor allem aber wollte sie lernen. So trainierte sie bei dem Schweizer Thomas Fuchs, später arbeitete sie fast ein Jahr lang mit Otto Becker. Was sie dabei auszeichnete? Ihre tiefe Beziehung zu Pferden. Und sie ahnte nicht, dass genau diese Verbindung ihr ein ganz besonderes Pferd schenken würde – Cicci.
Hellström entdeckte die damals fünfjährige Schimmelstute vor neun Jahren in Schweden und war begeistert. Sie kaufte Cicci und bildete sie aus. „Am Anfang war sie nicht so einfach“, so Hellström im Interview mit „The Chronicle oft he Horse“. „Bei der Dressurarbeit hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich herausgefunden habe, was ich mit ihr anfangen sollte. Denn sie hat zu allem eine sehr starke Meinung“, so Hellström schmunzelnd.

Beim Wälzen in der Box verletzte sich Cicci
Doch auch wenn es bei der Dressur hakte – „das Springen war immer unglaublich.“ Und das fiel auf: Als Cicci sieben Jahre alt war, gab es schon viele Menschen, die sie kaufen wollten. Doch dann geschah es: Beim Wälzen in der Box verletzte sich Cicci am rechten Auge so stark, dass es entfernt werden musste. „Ich glaube: wenn das nicht passiert wäre, wäre sie heute nicht bei mir, wenn ich ehrlich bin“, so Hellström. „Also, ich denke, es sollte irgendwie so sein.“
Dabei wusste Hellström nach dem Unfall erst einmal nicht, wie es mit Cicci weitergehen würde. „Ich war am Boden zerstört“, so Hellström. „Es war wirklich schwer, sie nach dem Unfall zu sehen. Ich hatte das Gefühl, dass sie Schmerzen hat. Wir haben deshalb die Operation so schnell wie nötig durchgeführt, um das Auge zu entfernen.“ Wenn es um Ciccis Zukunft ging, blieb nur eins: Hoffnung. Denn: Die Tierärzte sagten ihr, dass jedes Pferd anders ist, wenn es ein Auge verliert. Gleichzeitig ermutigten sie Hellström wieder mit Cicci zu springen, wenn sie sich von der Operation erholt hätte.

„In den ersten Monaten machte ich alles für sie“
Aber bis zum ersten kleinen Hindernis dauerte es Monate. „In den ersten Monaten kümmerte nur ich mich um sie“, so Hellström. „Niemand sonst hat ihre Box gemistet, sie geputzt oder sich um die gekümmert. Ich habe alles selbst mit ihr gemacht. Ich wollte ihr damit helfen, denn sie hatte schon damals zu mir die engste Bindung.“ In dieser Zeit kam es Hellström so vor, als würde Cicci alles neu lernen müssen. Sie führte sie, legte dann die ersten Stangen auf den Boden. „Ich wollte sehen, wie sie reagiert. Ich war immer neben ihr, um sie zu beruhigen.“
Dann, nach Monaten, saß sie wieder im Sattel – und wagte auch den ersten Sprung. „Es war wirklich ein besonderer Moment“, so Hellström. „Es war einfach nur pures Glück – und als ob der Funke wieder übergesprungen wäre.“ Im Parcours zeigt Cicci Mut und Vertrauen wie früher. Nur eins hat sich geändert: Sie schlägt nach rechts aus, wenn sie etwas hört und es nicht sehen kann. Deshalb hat Cicci jetzt auf Abreiteplätzen immer eine rote Schleife im Schweif.
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Mit Cicci bei der Spring-EM
Mittlerweile ist Cicci 14 – und konnte sich mit Hellström in diesem Jahr für die EM qualifizieren. „Es ist absolut schön. Großartig. Ich wollte unbedingt dabei sein“, so Hellström. Mit dem schwedischen Team kam das Duo auf Platz 8. Dafür schafften es Hellström und Cicci als einzige Schweden ins Finale um den Einzel-Titel. Dabei war sie eigentlich schon ausgeschieden, landete nach der ersten Runde auf Platz 28. Doch als der Belgier Abdel Saïd und der Franzose Julien Epaillard nicht antraten, rutschte sie noch ins Finale. Und konnte dort sogar einige Plätze gut machen, kam am Ende auf Rang 19.
Damit konnte sie mit Cicci zwar nicht die erhoffte Leistung zeigen. Dafür freut sie sich jetzt auf die Zukunft mit ihrer Stute. Das Duo ist jetzt wieder in den Niederlanden. Dort lebt Hellström mit ihrem Partner, dem irischen Reiter Eoin McMahon. Doch ihre tierische Nummer 1 ist Cicci. „Ich würde sagen, wir haben eine sehr starke Bindung“, so Hellström. Und das ist für sie das Wichtigste…








