Die Weidesaison steht kurz bevor und langsam aber sicher sollte man sich Gedanken zum Angrasen machen. Manche haben das Glück, dass ihre Pferde das ganze Jahr über draußen auf der Wiese stehen oder sie in ihrem Pensionsstall Sommer- und Winterweiden zur Verfügung haben. In vielen Reitställen sind die Weiden jedoch über den Winter gesperrt und es wird auf Paddocks ausgewichen, damit sie auch in der kommenden Sommerweidensaison wieder für die Pferde bewachsen sind und sich erholt haben.
Behutsame Gewöhnungsphase
Müssen die Pferde jährlich angeweidet werden, so empfiehlt es sich, Schritt für Schritt anzufangen. Sonst drohen Durchfall, Kotwasser oder sogar schwere Koliken. Der Grund hierfür befindet sich im Darm: Pferde besitzen spezielle Bakterien im Darm, mit deren Hilfe Gras gut verdaut werden kann. Die Anzahl dieser Bakterien ist variabel, wenn das Pferd weniger Gras frisst und sich stattdessen hauptsächlich von Heu, Stroh und Kraftfutter ernährt, verringert sich auch die Anzahl dieser Bakterien. Die Anzahl der Bakterien muss also der Menge an Grasnahrung behutsam angepasst werden.
Doch auch das junge Gras ist im wahrsten Sinne des Wortes mit Vorsicht zu genießen, denn es besitzt einen hohen Eiweißgehalt. Bleiben die Pferde anfangs zu lange auf der Weide, kann es zu einem Eiweißüberschuss kommen, welche die Leber und die Nieren stark belasten kann. Ein äußerliches Merkmal dieses Überschusses sind angelaufene Beine. Neben des hohen Eiweißgehalts weist junges Gras zusätzlich noch einen hohen Anteil an Kohlenhydraten (Stärke und Fruktane) auf. Wenn das Futter zu schnell verändert wird, kann der Verdauungstrakt nicht schnell genug reagieren – die Folge kann die Freisetzung von Giftstoffen sein, welche wiederum Huflederhautentzündungen oder Laminitis (Hufrehe) hervorrufen können.
Umstellung auf regelmäßigen Koppelgang
Idealerweise plant man für die Umstellung auf die zusätzliche Koppelzeit vier Wochen ein – zwei sollten es allerdings mindestens sein. Vor allem Hufrehe-Pferde sollte mehr Zeit beim Anweiden gelassen werden. Es gibt zwei Möglichkeiten, um die Pferde anzugrasen:
- Frei auf der Wiese
- Einzeln am Strick
Nicht in allen Ställen ist es möglich, die Weiden zum Angrasen zu nutzen. Dementsprechend nutzen viele die zweite Möglichkeit. Wichtig ist, dass man in der Gewöhnungsphase täglich mit den Pferden auf’s Gras geht. Stück für Stück steigert man dann die Zeitdauer, bis die Pferde für einen längeren Zeitraum kontrollierten Werdegang erhalten. Auch hier muss man die Fressdauer im Blick behalten und sie nach und nach steigern.
Der Plan
- Tag 1 und 2 – jeweils 5 Minuten
- Tag 3 und 4 – jeweils 10 Minuten
- Tag 5 und 6 – jeweils 15 Minuten
- Tag 7 und 8 – jeweils 20 Minuten
- Tag 9 bis 13 – jeweils 25 Minuten
- ab Tag 14 – 30 Minuten
Sobald die Koppeln eröffnet werden, können die Pferde dann auf die Weide, auch hier muss die Dauer Stück für Stück gesteigert werden. Wichtig ist auch, dass jedes Pferd individuell ist, sprich dass man sein Pferd beobachten muss, die Hufe regelmäßig überprüfen sollte (zwecks Hufrehe) und so bei jedem Pferd einzeln entscheiden muss, in welchem Tempo man die Weidezeit steigern kann.








