Kaum hat ein Pferd Kolik, sind sie da: Die Geheimtipps und guten Ratschläge. Doch helfen sie wirklich? Was ist wirklich wahr, und was nur ein Mythos? pferde.de hat einmal genauer hingesehen und sieben Kolik-Weisheiten unter die Lupe genommen…
Sie ist das Schreckgespenst in jedem Stall – die Kolik. Und eins ist klar: Wenn Du den Verdacht hast, dass Dein Pferd eine Kolik hat, solltest Du nur eins tun: den Tierarzt anrufen. Doch bis er kommt, kann es dauern. Und in dieser Zeit wirst Du bestimmt die eine oder andere Kolik-Weisheit hören.
Aber welche stimmt wirklich? Wir haben einmal sieben genauer unter die Lupe genommen und klären: Sind sie Mythos – oder Wahrheit?
1. Dein Pferd äppelt? Dann ist alles wieder gut
Jein. Tatsächlich kann es ein gutes Zeichen sein. Aber für eine echte Entwarnung reicht es nicht. Der Grund ist einfach: Der Darmbereich, in dem die Pferdeäpfel in Form gebracht werden, sei zehn Meter lang, erklärt eine Tierärztin gegenüber „St. Georg“. Heißt: Es kann hinten noch etwas drin sein, was rauskommt – und trotzdem ist der Darm weiter vorne verstopft.

2. Mash hilft bei einer Kolik
Mythos! Auch wenn Mash durchaus die Verdauung fördern kann – bei einer Kolik solltest Du Dein Pferd auf keinen Fall damit füttern. Der Grund ist einfach: Durch den Futterbrei wird der Darm nur noch mehr überlastet. Daher sollte ein Pferd mit einer Kolik gar nichts fressen. Was die allermeisten Pferde übrigens auch nicht machen.
Doch woher kommt der Mythos? Möglicherweise von dem Tipp, einem Pferd nach einer Kolik Mash zu geben. Doch Vorsicht: Frisst Dein Pferd normalerweise nur Rau- und Kraftfutter, solltest Du nach einer Kolik das Futter nicht plötzlich auf Mash umstellen.
3. Mythos oder Wahrheit: Bei Kolik hilft trinken
Das stimmt – besonders bei Verstopfungskoliken. Denn Wasser verdünnt den Nahrungsbrei im Magen-Darm-Trakt und kann so tatsächlich eine Verstopfung lösen. Das Problem dabei: Die meisten Pferde wollen bei einer Kolik nichts mehr trinken. Übrigens: Einige glauben, dass Bier helfen kann. Begründung: Die Nährstoffe und Vitamine aus dem Hopfen kurbeln die Darmflora von Pferden an. Aber: Pferde reagieren bei Alkohol sehr empfindlich. Deshalb: Auf keinen Fall diese „Weisheit“ ausprobieren.

4. Leinöl löst die Verstopfung
Mythos! Grundsätzlich sind pflanzliche Öle durchaus gut für Pferde. Und Leinöl ist auch gut verträglich. Aber bei einer Kolik hilft Leinöl nicht. Der Grund ist simpel: Leinöl wird vom Körper aufgenommen und verwertet. Das bedeutet: Es kommt gar nicht bei der Verstopfung an. Tierärzte nutzen bei der Behandlung daher Paraffinöl, erklärt etwa die „Uelzener“. Der Körper nimmt es nicht auf, so kommt das Öl bis zur Verstopfung und kann sie auflösen. Aber auch hier gilt: Finger weg von einer Selbstbehandlung! Das Öl gehört in die Hände von Profis.
5. Kolik-Pferde dürfen sich nicht wälzen
Mythos! Tatsächlich gibt es noch immer Pferdemenschen, die eisern behaupten, dass Pferde sich nicht wälzen dürfen. Die Begründung: Dabei würde sich der Darm noch mehr verdrehen. Heute weiß man: Das Wälzen kann in vielen Fällen helfen. Mittlerweile wird es in Kliniken sogar genutzt: Pferde werden über den Rücken gedreht. So können verdrehte Darmteile wieder an ihren Platz kommen – und eine Operation vermieden werden.

Aber: Wenn Dein Pferd sich immer wieder auf den Boden „wirft“, solltest Du ein Wälzen verhindern, da dabei der ohnehin schon belastete Kreislauf noch mehr unter Druck kommt.
6. Koppende Pferde haben öfter eine Kolik
Wahrheit! Zwar galt diese Aussage lange als Mythos, doch mittlerweile gibt es Zahlen, die zeigen: Doch, es stimmt! Forscher haben Studien ausgewertet, die es belegen. So berichteten beispielsweise Claire Scantlebury und ihre britischen Kollegen an der University of Liverpool, dass koppende Pferde zwölfmal häufiger an wiederkehrenden Koliken leiden als nicht-koppende Pferde.
Später führte eine andere Gruppe von Wissenschaftlern aus Liverpool eine Fragebogen-basierte Studie an Besitzern von koppenden Pferden durch. Von den 365 Pferden berichteten die Besitzer, dass 130 Pferdebesitzer gaben an, dass ihre Pferde eine oder mehrere Kolik-Episoden erlitten hatten. Bei insgesamt 365 Pferden, deren Halter befragt wurden, entspricht das einer Quote von 35 Prozent. Insgesamt waren es 672 Koliken über einen Zeitraum von zwölf Monaten. 13 mal mussten Pferde deshalb operiert werden. Die Prävalenz von Koliken in der allgemeinen Pferdepopulation liegt zwischen 3,5 und 10,6 Fällen je 100 Pferdejahre. Aber: Der Zusammenhang zwischen Koppen und Kolik ist noch unklar.

7. Kolik-Pferde müssen Schritt gehen
Jein! Richtig ist: Die ruhige Bewegung fördert die Verdauung. Daher ist es gut, wenn Du Dein Pferd Schritt führst. Dabei kann der Darm entkrampfen und seine Aktivität wird unterstützt. Gleichzeitig hält die Bewegung den Kreislauf in Schwung. Aber Du solltest Dein Pferd nicht überfordern. Gönne ihm daher immer wieder Pausen.
Wichtig: Achte beim Spazierengehen auf Dein Pferd. Ist die Bewegung eine Erleichterung? Oder verschlimmern sich die Schmerzen? In diesem Fall solltest Du lieber darauf verzichten. Und wenn Dein Pferd sich auf keinen Fall bewegen möchte: Zwinge es nicht dazu.








