Sie gelten als besonders gutmütig – und ehrgeizig. Kein Wunder also, dass Oldenburger im Sport einen festen Platz haben. Dabei sind sie echte Alleskönner und auch als Einsteiger-Pferd ein traumhafter Partner auf vier Hufen. 7 spannende Fakten zu den Ostfriesen-Pferden…
Im Krieg waren Oldenburger begehrt – denn sie waren für ihr absolute Schussfestigkeit bekannt. Nichts konnte die Großen aus dem Norden aus der Ruhe bringen. So manch einer sprach sogar von den phlegmatischen Pferden. Das gilt heute zwar längst nicht mehr, schließlich sind die Warmblüter heute auf Sport gezüchtet. Doch ihre Nervenstärke haben sie behalten.
Und die wird von den Fans dieser Rasse auch besonders gerühmt. Dabei sind Oldenburger mehr als tolle Sport-Partner.
Wenn Du mehr über diese ostfriesische Rasse wissen möchtest – hier kommt das etwas andere Rasseporträt:
1. Ein Graf gilt als Gründer der Rasse
Die Geschichte der Oldenburger beginnt natürlich in Oldenburg. Früher gab es dort viele Arbeitspferde, die von ostfriesischen Bauern auf Kraft gezüchtet wurden. Das änderte sich im 17 Jahrhundert. Damals sah Graf Anton Günter mehr in den Oldenburgern – und begann eine systematische Zucht. Dafür veredelte er die bis dahin schweren „friesländischen“ Pferde mit neapolitanischen und spanischen Vollblutpferden. Es entstanden elegante Kutsch- und Reitpferde, die gleichzeitig sehr kräftig waren.
Übrigens: Der Oldenburger hatte damals häufig einen Ramskopf – das galt zu der Zeit als typisch für die Rasse…
Die erste staatlich verordnete Hengstkörung fand 1830 statt, 1861 wurde ein Stammregister eingeführt. Durch das Pferdezuchtgesetz vom 9. April 1897 wurden zwei Pferdezuchtverbände gegründet, die sich 1923 zum Im Jahr heutigen „Verband der Züchter des Oldenburger Pferdes e.V.“ zusammenschlossen.
Und wie alle etwas kräftigeren Pferderassen verlor auch der Oldenburger nach dem Zweiten Weltkrieg seine Bedeutung. Die Züchter reagierten: In den 50er Jahren wurden die Oldenburger mit Vollblütern, Hannoveranern und Holsteinern veredelt. Das Ergebnis: Aus dem Arbeitspferd wurde ein Sportler – und ein echter Alleskönner.
2. Vom Schlachtfeld ins Museum
Er kostete für die damalige Zeit ein Vermögen: 1.000 Reichstaler zahlte König Gustav Adolf von Schweden für den Oldenburger Streiff. Dabei lag der Preis für Pferde zu der Zeit meist bei 70 bis 80 Reichstalern. Doch der König wollte dieses Pferd – und er bekam es.
Der braune Streiff wurde das königliche Schlachtross. Und er war es auch, der König Gustav Adolf 1632 in die Schlacht von Lützen trug. Dabei wurde der König tödlich verletzt und auch Streiff wurde von einer Kugel im Nacken getroffen. Doch er überlebte und wurde beim königlichen Trauerzug mitgeführt. Ein Jahr später starb auch Streiff. Sein Fell wurde damals präpariert und anschließend auf einen Holzkörper gezogen. Nur: Der Holzkörper war zu klein, daher musste etwas Haut abgeschnitten werden.
Das ausgestopfte Pferd wurde aufgezäumt und mit einem samtbezogenen Sattel gesattelt, den Gustav Adolf von seiner Frau geschenkt bekommen hatte. Seitdem steht Streiff im ältesten Museum Schwedens, in der Rüstkammer im königlichen Schloss in Stockholm. Übrigens: Streiff zählt weltweit zu den ältesten ausgestopften Pferden.
3. Es gibt gleich zwei Oldenburger
Nachdem 1923 aus zwei Zuchtverbänden der „Verband der Züchter des Oldenburger Pferdes e. V.“, war es 2001 mit der Einheit vorbei: Da trennte sich ein eigener Springpferdezuchtverband mit dem Namen „Springpferdezuchtverband Oldenburger-International e. V.“ ab. Dieser Verein züchtete auch mit einem eigenen Zuchtbuch – so entstand die Rasse Internationale Oldenburger Springpferde.
Heute arbeiten die Verbände zusammen und haben den gemeinsamen Dachverband „Oldenburger Pferdezuchtverband e. V.“.
4. …und auch zwei Brandzeichen
Auch wenn Brandzeichen heute verboten sind – noch immer gibt es viele Pferde, die diese tragen. Und da es zwei Verbände gibt, gibt es auch zwei unterschiedliche Brandzeichen. Der Grund: Bei der offiziellen Eintragung erhalten Oldenburger aus der Springpferdezucht das Kürzel OS. Dagegen steht bei Pferden aus der Zucht des Oldenburger Verbandes das Kürzel OL in den Papieren. Das Brandzeichen des Oldenburger Pferdes ist ein O mit einer aufgesetzten Krone. Bei den internationalen Springpferden steht in dem O noch ein S. Und genau diese Pferde werden auch oft auf Turnieren gezeigt…
5. Dann ist da noch der Alt-Oldenburger
Während viele Züchter ihre Pferde nach dem Zweiten Weltkrieg in Richtung Sport züchteten, ging der ursprüngliche, stärkere Oldenburger immer mehr verloren. Mitte der 1960er Jahre wurden entsprechende Stuten nicht mehr für die Zucht genutzt. Doch Liebhaber der „Ur-Rasse“ gaben nicht auf: Die verbliebenen Oldenburger Pferde wurden mit dem sächsisch-thüringischen schweren Warmblut gekreuzt.
Seit Ende der 1980er Jahre gibt es den „Zuchtverband für das Ostfriesische und Alt-Oldenburger Pferd e.V.“. Das Zuchtziel ist „ein schweres, kalibriges Pferd mit gutem Gangvermögen und einem außergewöhnlich ausgeglichenen Temperament. Gerade dem einmalig guten Charakter des ehemaligen Bauernpferdes wird ein besonderer Stellenwert gegeben.“
Heute werden diese Pferde mit ihrem besonders ruhigen Gemüt wieder vermehrt gezüchtet. Und: In dem Verband sind über 200 Züchter registriert.
6. In der Ruhe liegt die Kraft
Zu Beginn der Zucht wurde beim Oldenburger neben der Kraft auch auf die Nervenstärke geachtet. Mit Erfolg: Einen Oldenburger konnte nichts aus der Ruhe bringen. Und auch wenn andere Rassen eingekreuzt wurden und der heutige Oldenburger deutlich temperamentvoller ist als seine Vorfahren – ihr besonderer Charakter blieb. So gelten sie als ausgesprochen gutmütig und ausgeglichen. Das macht sie zu hervorragenden Reitpferden für Anfänger.
Dazu sind diese Pferde sehr mutig. Ein ganz besonderer Charakter-Mix macht sie ebenfalls beliebt: Sie sind sehr menschenbezogen und äußerst lernwillig. Dadurch sind sie auch als Sportpferde ideal.
7. Ein Donner hallt noch heute
Im Sport haben sich die Oldenburger einen festen Platz in den Medaillen-Rängen erarbeitet. Zu den berühmtesten Oldenburger Dressurpferde gehört bis heute Donnerhall von Karin Rehbein: Der Sport- und Zuchthengst holte mehr als 300 Siege, darunter eine Mannschaft-Goldmedaille bei den Weltreitspielen 1994 und den Europameisterschaften 1997. Diese Erfolge brachten ihm den Titel als „Jahrtausendhengst“ ein.
Auch als Zuchthengst war Donnerhall erfolgreich: Über 120 gekörte Söhne und 450 Stuten hat der Oldenburger gezeugt. Alle Pferde der deutschen Dressurmannschaft bei den Olympischen Spielen 2012 gehen auf Donnerhall zurück: Damon Hill (Donnerhall-Sohn), Desperados (Enkel) und Diva Royal (Enkelin).
2002 starb Donnerhall im Alter von 20 Jahren an einer Darmvergiftung. Heute erinnert eine Bronzestatue in einer Oldenburger Fußgängerzone an ihn.
Berühmt ist auch Sandro-Boy, der mit Marcus Ehning 2006 im Springen den Weltcup gewann. Ebenfalls sehr bekannt ist Weihegold. Die Oldenburger Stute holte mit Isabelle Werth Gold und Silber.








