Pferde sind Herdentiere. Die Gruppe gibt ihnen Sicherheit – und noch viel mehr. Denn Pferde sind sehr sozial. Und brauchen deshalb Freunde…
Offenstall, Aktivstall, tagelange Weidegänge – wenn es um das Pferdewohl geht, hat sich in den letzten Jahrzehnten viel bei uns getan. So scheint es zumindest. Die Realität sieht jedoch anders aus: Rund 80 Prozent der Pferde werden in Einzelboxen gehalten, so eine Untersuchung.

Dabei ist das Leben in der Herde für Pferde wichtig, so Verhaltensexpertin Dr. Margit Zeitler-Feicht von der Technischen Universität München-Weihenstephan. Mit ihrem Team hat sie das „Weihenstephaner Bewertungssystem“ für Pferdehaltung entwickelt. Und da geht es nur ums Pferd: Natürlich ist sind auch die Stallbedingungen wie Boxengröße dabei, aber auch die Frage, ob Pferde sich wohlfühlen, leiden oder gar Schmerzen haben. Neben dem Gesundheitsstatus geht es um umweltverträgliche Pferdehaltung und artgemäßes Verhalten. Bei der Bewertung spielt das Zusammensein der Pferde eine wichtige Rolle, also „die räumliche Nähe von Pferden, die freundschaftlich miteinander ruhen, fressen, gehen oder aufmerksam stehen“, wie Prof Zeitler-Feucht bei der Vorstellung des Bewertungssystems erklärte.
Ein Freund sichert das Überleben
Die Nähe zu Artgenossen liegt Pferden in den Genen: Als Wildpferde sicherte die Gemeinschaft der Herde über Jahrtausende das Überleben. Dieses Wissen steckt fest in den Pferden – und sie erleben es in abgeschwächter Form auch heute noch. Ein Freund hilft und sichert den Zugang zu Futter oder Wasser – zum Beispiel indem es andere Pferde vom Heu verscheucht.
Aber nicht nur die Gemeinschaft ist wichtig, ein Pferd braucht einen Freund! Denn, das zeigten Studien: Freundschaften stimmen friedlicher, können eine ganze Herde beeinflussen – und machen sogar „fruchtbarer“: eine neuseeländische Untersuchung zeigte, dass bei Stuten, die enge Freundinnen haben, die Geburtenrate steigt…
Auch bei Pferden muss die Chemie stimmen
Auch wie Freundschaften entstehen, haben Wissenschaftler untersucht. Ein Kriterium gilt dabei bei Pferden wie bei Menschen: Wenn die Chemie stimmt, klappt es auch mit der Freundschaft. Denn wie wir Menschen können sich auch Pferde riechen – oder eben nicht.

Die Größe spielt bei Pferdefreundschaften keine Rolle, der Mini-Shetty findet gerne im größten Pferd den besten Kumpel. Dafür kann die Fellfarbe entscheidend sein: Geprägt werden Pferde auf die Fellfarbe ihrer Mutter, ist sie braun, bevorzugt der Nachwuchs meist braune Pferde.
Fellpflege? Nicht immer ein Zeichen von Freundschaft
Leben Pferde in Aktiv- oder Offenställen oder kommen sie regelmäßig im festen Verband für Stunden auf die Weide, finden sie oft einen Freund. Doch nicht alles, was Pferde miteinander auf der Weide machen, ist ein Zeichen von Freundschaft. Geht es ums Spielen, so suchen Pferde keine Freunde, sondern tierische Kumpel, die sich genauso viel bewegen wie sie selbst. Andauernde spielerisch Kämpfe unter Pferden können sogar ein Zeichen für Stress sein, den sie so abbauen.

Auch die Fellpflege ist kein sicheres Anzeichen. Das gegenseitige Knabbern stärkt zwar grundsätzlich die Beziehung – es kann aber auch zum Abbau von Stress dienen.
Wie erkennt man also, ob das eigene Pferd einen Freund hat? Ganz einfach: Achten Sie darauf, ob es immer in der Nähe eines anderen Pferdes steht. Freunde fressen zusammen, dösen gemeinsam – oft sind sie dabei nicht einmal einen Meter voneinander entfernt. Diese freiwillige Nähe zeigt: Wir gehören zusammen!








