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Pferde-Sprichwörter: Woher kommen die tierischen Sprüche?

Anke Rottmann by Anke Rottmann
30. Oktober 2021
Pferdezähne verfärbt.

Foto: pixabay.com/Charles Rondeau (Symbolfoto)

Einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul. Okay, wenn es um Pferde-Sprichwörter geht, ist das wohl allen bekannt. Aber weißt Du auch, woher der Spruch kommt? Und welche Redensarten es noch rund um unsere Partner auf vier Hufen gibt? pferde.de hat nachgeforscht…

Es gibt Wörter, die wir oft benutzen und die auf den ersten Blick nichts mit Pferden zu tun haben. Auf den zweiten aber schon. Beispiel gefällig? Kein Problem! Wie wäre es mit Kotflügel? Ja, der vom Auto. Der Begriff kommt eigentlich aus der Zeit der Pferdekutschen. Um die Fahrgäste vor Kot zu schützen, also Dreck und Schmutz, wurden über den Rädern „Flügel“ angebracht. Der Begriff wurde dann später auch für die Autos übernommen.

Und dann gibt es Pferde-Sprichwörter, die fast jeder kennt. Nur wo kommen sie her? Hier die Erklärung für zwölf tierische Redensarten:

„Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“

Dieser Spruch bedeutet: Bei Geschenken soll man nicht auf den Wert achten. Schließlich zählt die Geste. Der Spruch selbst geht übrigens auf ein lateinisches Sprichwort zurück – und stammt natürlich aus dem Pferdehandel. Schließlich schauen die Pferdekäufer den Pferden ganz genau ins Maul, um ihr Alter zu bestimmen. Der Spruch ist auch nicht nur in Deutschland bekannt. Im Englischen heißt es: „Don‘t look a gift horse in the mouth.“

Pferd zeigt Zähne.
Foto: pixabay.de/Alexas_Fotos (Symbolfoto)

„Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“

Na klar, diesen Spruch kennt jeder Reiter. Und so manch einer hat vielleicht schon einmal gehört, dass er eine arabische Redewendung sein soll. Doch das stimmt nicht. Vollständig heißt es: „Das Paradies der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, in Gesundheit des Leibes und am Herzen des Weibes.“

Es stammt von Friedrich von Bodenstedt (1819-1892), der zu seiner Zeit als bekannter Autor galt. Er schrieb auch „Lieder des Mirza Schaffy“. Doch dabei handelt es sich nicht um eine Gedichtsammlung aus dem arabischen Raum, sondern um ein Werk von Bodenstedt. Die gekürzte Version des Spruchs hat sich bis heute gehalten.

„Aus dem Stegreif“

Auch das gehört zu den Pferde-Sprichwörtern. Gemeint sind damit zum Beispiel Entscheidungen, die sofort und ohne Vorbereitung getroffen werden müssen. Die Redewendung stammt aus dem Mittelalter. Stegreif ist nämlich eine alte Bezeichnung für den Steigbügel. Genauer: Für eine Seilschlaufe, die damals beim Aufsteigen half. Und da Reiter Anweisungen vom Pferd erteilten, gab es die eben „aus dem Stegreif“.

Ritter Stegreif
Foto: pixabay.de/Spuntz (Symbolfoto)

„Da wiehert der Amtsschimmel“

Für diese Redewendung gibt es gleich zwei Erklärungen. Die erste sagt: Die Redewendung kommt aus der Schweiz. Da gibt es aus dem 19. Jahrhundert das Sprichwort „auf dem obrigkeitlichen Schimmel herumreiten“. Damals wurden nämlich amtliche Akten von berittenen Amtsboten zugestellt.

Die zweite Erklärung sagt: Der Amtsschimmel stammt aus dem Nachbarland Österreich. In der der österreichischen Monarchie gab es einen gebräuchlichen Musterentscheid, der »Simile« hieß. Mithilfe dieses Standard-Vordrucks ließen sich ähnlich lautende Anliegen schematisch und zügiger erledigen. Einen nach diesem vorgeschriebenen Schema arbeitenden Kanzlisten nannte man daher spöttisch einen Schimmelreiter, eigentlich Similereiter…

„Aufs falsche Pferd setzen“

Es ist ein Klassiker der Pferde-Sprichwörter. Und klar: Sie kommt aus der Pferdewett-Szene. Wer auf das falsche Pferd gesetzt hat, hat sein Geld verloren. Auch heute bezeichnet die Floskel einen Verlust oder eine Enttäuschung…

„Für jemanden eine Lanze brechen“

Brechen wir eine Lanze für jemanden, heißt das: Wir stehen jemandem zur Seite. Die Redewendung stammt aus dem Mittelalter, als Ritter regelmäßig in Turnieren gegeneinander antraten. Eine Disziplin war dabei der Kampf mit der Lanze. Und diese Lanze gingen bei den Kämpfen oft zu Bruch. Da die Ritter nicht für sich selbst kämpften, sondern für ihren Herrscher oder für eine Frau, brachen sie für diese ihre Lanze…

Ritter Kampf Lanze
Foto: pixabay.de/Clarnce Alford (Symbolfoto)

Dazu war der Zweikampf mit der Lanze auch ein Weg, um Streitigkeiten beizulegen. Waren sich zwei Leute in einer Sache nicht einig, so konnten sie im Kampf darüber entscheiden, wer von ihnen Recht bekam. Es mussten allerdings nicht immer die beiden Streithähne gegeneinander antreten. Sie konnten auch Mitglieder aus ihren Familien bestimmen, die dann die Lanze für sie brachen.

„Im Stich lassen“

Wir wünschen es keinem und trotzdem passiert es und manchmal, dass wir jemanden „im Stich lassen“ – also mit einem Problem allein fertig werden lassen. Aber woher kommt diese Redewendung? Auch hier gibt es einen reiter-, oder besser ritterlichen Bezug. Bei den Ritterturnieren im Mittelalter trugen die Ritter sehr schwere Rüstungen. Im Turnier kämpften sie mit Lanzen gegeneinander. Fiel ein Ritter während des Turniers vom Pferd, konnte er aber wegen der schweren Rüstung nicht mehr allein aufstehen, geschweige denn aufs Pferd steigen.

Nun wäre eigentlich der Knappe gefordert, seinem Herren zu Diensten zu sein und ihn hoch und aufs Pferd zu hieven. War der aber zu faul oder zu feige, überließ er seinen Ritter der Gefahr, vom gegnerischen Ritter mit der Lanze erstochen zu werden. Er ließ ihn „im Stich“ der Lanze.

„Mit Dir kann ich Pferde stehlen“

Wer das sagt, verlässt sich hundertprozentig auf einen Freund. Und kann mit ihm auch etwas ganz Ungewöhnliches machen. Genau das bedeutet die Redewendung auch im Ursprung. Sie entstand wohl im 17. Jahrhundert. In dieser Zeit galten Pferde als extrem kostbare Nutztiere. Aus diesem Grund schützten sie Bewacher vor Pferdedieben. Wer erwischt wurde, wurde gehängt. Wer damals „mit jemandem Pferde stehlen konnte“, verließ sich also auf Mut und Treue des anderen.

„Über die Stränge schlagen“

Ja, auch diese Redewendung hat mit Pferden zu tun. Genauer: Sie kommt von Kutschern. Die Stränge verbinden bei der Arbeitsanspannung das Fahrgestell der Kutsche mit dem Geschirr der Pferde. Wenn die Pferde ausschlagen, können sie dabei mit einem Bein über die Stränge treten – und das ist für das Gespann gefährlich. Daraus entstand dann das Sprichwort.

Pferd Kutsche
Foto: pixabay.de/Falco (Symbolfoto)

„Auf dem hohen Ross sitzen“

Wer eingebildet, arrogant oder überheblich ist – der sitzt auf dem hohen Ross. Doch warum? Da gibt es gleich zwei Erklärungen. Die eine ist: Ritter saßen früher auf besonders großen Schlachtrössern, wenn sie in den Kampf zogen. Die andere Variante: Früher konnte sich nur der Adel Pferde als Reittiere leisten. Aus Sicht des „normalen“ Bürgers saßen diese Herrschaften also „hoch zu Ross“.

„Sich seine Sporen verdienen“

Wer etwas werden will, muss sich erst einmal seine Sporen verdienen – sich also bewähren. Und das galt auch schon bei den Rittern im Mittelalter. Damals war es ein Privileg, auf dem Ross um Ruhm und Ehre zu kämpfen. Doch vorher mussten die Ritter natürlich ausgebildet werden: an einem Adels-Hof, wo sie als Knappen das Kämpfen mit Schwert und Lanze lernten. Absolvierte der Ritter die Lehrzeit erfolgreich, so bekam er als Belohnung und Zeichen für seinen Aufstieg Sporen geschenkt. Er hatte sich diese Auszeichnung also verdient…

Sporen
Foto: José Manuel de Laá/ Pixabay (Symbolfoto)

„Ross und Reiter beim Namen nennen“

Wenn es um Pferde-Sprichwörter geht, gehört es auch dazu: Ross und Reiter beim Namen nennen. Das heißt: Man spricht aus, was und wen man meint oder macht genaue Angaben über etwas. Auch diese Redewendung kommt aus Ritterzeiten. Das prächtige Turnierross war, genau wie sein Reiter, hinter einer undurchsichtigen Rüstung verborgen.

Zwar trug der Ritter im Schild seine Farben, doch wurde er vom Herold namentlich angekündigt, damit auch jeder wusste, wer gleich im Wettkampf Ruhm, Ehre oder das Herz einer Frau gewinnen – oder verlieren – würde. Schon damals war ein edles und fähiges Turnierross ein wertvoller Besitz, weshalb auch der Name des Pferdes genannt wurde, bevor der Kampf beginnen konnte.

Tags: Sprichwörter

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