Im Winter steht bei vielen Pferden Mash auf dem Futterplan. Schließlich brauchen Pferde in der Kälte mal eine warme Mahlzeit – oder? Tatsächlich gibt es viele Legenden Pferdefütterung im Winter. Aber welche stimmen wirklich? pferde.de hat sich 7 Mythen mal genauer angesehen…
Pferdefütterung ist eine Wissenschaft für sich – das ist bekannt. Doch neben den Fakten gibt es auch viele Mythen, die sich hartnäckig auf den Stallgassen in ganz Deutschland halten. Und die machen auch vor dem Thema Fütterung im Winter nicht Halt. Doch was stimmt? Und was ist nichts als heiße Luft?
Wir haben sieben Mythen unter die Lupe genommen…
1. Pferde brauchen im Winter Mash
Jein. Tatsächlich schworen die „alten Reitmeister“ auf Mash im Winter. Der Grund ist simpel: Damals gab es noch die Anbindehaltung – und keine Selfservice-Tränken. Für die Pferde bedeutete dies: Sie hatten meist zu wenig Bewegung. Und frisches Wasser gab es zu festen Zeiten und nicht dann, wann Pferde es trinken wollten. Deshalb haben die Stallmeister damals ihr eigenes Mash gemischt, meist ein Mix aus Kleie und Leinsamen.
Heute haben Pferde dagegen meist auch an kalten Tagen ausreichend Bewegung und Zugang zu frischem Wasser. Damit ist Mash nicht notwendig. Trotzdem kannst Du Mash füttern. Aber nicht täglich, meist soll es nicht öfter als zwei- bis dreimal pro Woche gefüttert werden. Und: Mash ist ideal für alte Pferde.

2. Eine Extra-Portion Zink muss sein
Im Alphabet steht es zwar ganz hinten – für den Pferdekörper ist es dagegen unverzichtbar. Denn: Zink ist an fast allen Stoffwechselprozessen im Körper beteiligt. Für die Zellbildung in Horn, Haut, Haar und Knochen ist zum Beispiel Zink absolut notwendig. Der Grund: Das Spurenelement ist notwendig, damit Keratin gebildet werden kann. Und tatsächlich brauchen Pferde im Winter mehr Zink.
Aber: Der Bedarf steigt nur minimal. Und über Hafer, Stroh und Heu nehmen die meisten Pferde ausreichend Zink auf. Wenn Du einen Mangel vermutest, kann Dein Tierarzt den Zinkstatus Deines Pferdes ermitteln. Übrigens: Laut einer Studie sind Haarproben dabei genauer als Blutproben.
3. Pferdefütterung im Winter: Kraftfutter reduzieren
Nein. Richtig ist: Wenn es draußen bibberkalt wird, scheinen viele Pferde vor Energie nur so zu explodieren. Doch liegt der Winter-Übermut am Kraftfutter? Nein, sagen Experten. In den meisten Fällen liegt es an der Haltung. Während unsere Partner auf vier Hufen in den wärmeren Monaten den ganzen Tag auf der Weide stehen, kommen sie im Winter oft nur stundenweise raus. Und dann auch noch oft auf viel zu kleine Paddocks. Da staut sich dann jede Menge Energie auf, die raus möchte.
Deshalb gilt: Kommen Pferde viel raus, werden sie „normal“ trainiert – dann ist weniger Hafer nicht notwendig. Aber: Wenn Dein Pferd im Winter weniger rauskommt, sollte die Futter-Ration angepasst werden.

4. Im Winter gehört mehr Öl zum Futter dazu
Nein! Richtig ist: Öl tut gut – auch den Pferden. Aber das gilt das ganze Jahr. Und bedeutet: Wenn Du Deinem Pferd sowieso schon Öl zum Futter gibst, musst Du im Winter nicht mehr geben. Denn bei Öl gilt auch: Mehr hilft nicht mehr. Im Gegenteil. Denn Pferde ernähren sich, im Vergleich zum Beispiel zu Menschen, öl-ärmer. Das ist übrigens mit ein Grund, warum sie keine Gallenblase besitzen. Das heißt: Pferde produzieren ihre Gallenflüssigkeit in der Leber und können so auch aufgenommenen Fettsäuren verdauen – aber eben nicht zu viel.
Wenn Du also Öl füttern möchtest, musst Du erst einmal rechnen. Als Höchstgrenze gilt nämlich: Ein Gramm Öl pro ein Kilo Pferd am Tag. Aber diese Höchstgrenze solltest Du nur in Ausnahmefällen erreichen – meist reichen bereits 250 Milliliter am Tag vollkommen aus.
5. Warmes Wasser muss sein
Jein. Grundsätzlich brauchen Pferde im Winter mehr Wasser. Denn: Im Winter fressen viele Pferde weniger frisches Gras und dafür mehr trockenes Futter wie zum Beispiel Heu. Dadurch nehmen sie auch durch ihre Nahrung weniger Flüssigkeit auf. Aber: Pferde trinken eigentlich lieber kaltes als warmes Wasser – das hat eine US-Studie gezeigt. Doch der Teufel steckt im Detail: Ist das Wasser zu kalt, trinken einige Pferde zu wenig. Das kann zum Beispiel zu Verstopfungskoliken führen.
Damit das nicht passiert, sollte Dein Pferd im Winter handwarmes Wasser bekommen, am besten mehrmals am Tag. Extra-Tipp: Versuche mal, ob Dein Pferd Wasser lieber trinkt, wenn Du einen Schluck Apfelsaft hinzufügst. Manche Pferde mögen Wasser mit Geschmack, andere nicht.

6. Pferde brauchen im Winter mehr Aminosäuren
Jein. Tatsächlich nehmen Pferde normalerweise ganz natürlich ausreichend Aminosäuren zu sich – beim Grasen. Das kann im Winter jedoch anders aussehen. Den Großteil der Aminosäuren bekommen Pferde dann über das Heu. Das funktioniert aber nur, wenn Protein- und Aminosäuregehalte im Heu ausreichend hoch sind. Und wenn Dein Pferd täglich mindestens 1,5 bis zwei Kilogramm Raufutter pro 100 Kilogramm Körpergewicht bekommt.
7. Extra-Vitamine fürs Immunsystem
Jein! Natürlich brauchen Pferde Vitamine. Und der Vitaminbedarf von Pferden ist bei Weidegang meist gedeckt. Im Winter jedoch ist frisches Gras Mangelware. Im Heu gehen sie im Laufe der Lagerung jedoch verloren. Trotzdem musst Du nicht automatisch Vitamine zufüttern. Denn: Die fettlöslichen Vitamine A, D, K und E werden in der Leber gespeichert. Heißt: Auf der Sommerweide legen Pferde ihr eigenes Vitamin-Depot für den Winter an.
Aber wenn Sein Pferd nicht ausreichend auf die Weide kommt oder es kein gutes Heu bekommt, solltest Du ein Vitamin-Plus füttern. Ideal sind dann zum Beispiel Hagebutten, die sehr viel Vitamin C enthalten. Aber auch hier gilt: Nur in Maßen füttern. Du kannst an ein 600 Kilogramm schweres Pferd etwa eine Handvoll (30 bis 40 Gramm) pro Tag verfüttern.








