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Pferdezähne: 7 Fakten für den richtigen Biss beim Pferd

Anke Rottmann by Anke Rottmann
24. September 2021
Pferd zeigt Zähne.

Foto: Rottmann Photography

Sie haben gut zu tun: Rund zehn Kilo Heu, drei Kilo Stroh und sechs Kilo Kraftfutter müssen Pferdezähne täglich klein kauen. Dazu kommt noch jede Menge Gras, das Halm für Halm von der Weide gerupft wird. pferde.de nennt 7 wichtige Zahn-Fakten, die Du kennen solltest.

Zeigt her eure Zähne! Zugegeben, bei Pferden ist das selten ein besonderes strahlender Anblick. Um ehrlich zu sein: Bei den meisten Pferdezähnen könnte man denken, dass eine professionelle Zahnreinigung dringend angesagt ist. Doch Pferde brauchen kein weißes Gebiss – es muss funktionieren. Hier die wichtigsten Infos für den richtigen Biss …

1. Alle guten Dinge sind drei

Bei unseren Zähnen reichen zwei Substanzen, unsere Partner auf vier Hufen mögen mehr. Bei ihnen gilt: Alle guten Dinge sind drei! Heißt: Pferdezähne bestehen neben Zahnschmelz und dem Dentin noch zusätzlich aus Zahnzement.

Der Name täuscht etwas, klingt er doch nach der härtesten Schicht. In Wirklichkeit ist der Zahnzement gelblich gefärbt und hat eine weiche, poröse Struktur. Er sorgt für den festen Halt des Zahns im Zahnfach und schützt das darunter liegende Dentin. Das Zahninnere besteht aus der härtesten Substanz, dem Zahnschmelz.

Fohlen ohne Zähne
Foto: rihaij/Pixabay (Symbolfoto)

2. Auch Pferde haben Milchzähne

Wie bei uns Menschen haben auch Pferde ein „Kinder-Gebiss“. Die ersten Milchschneidezähne werden meist schon angelegt, bevor das Fohlen geboren wird. In der ersten Lebenswoche kommen dann die vorderen Schneidezähne. Die letzten Milchzähne brechen aber erst durch das Zahnfleisch, wenn das Fohlen etwa acht Monate alt ist.

Übrigens: Der richtige Begriff ist eigentlich Milchzahnkappen. „Kappen“ heißen sie, weil der Milchzahn wie eine Kappe auf dem darunter wachsenden Zahn sitzt. Die Milchzähne des Pferdes sind kleiner als diese bleibenden Zähne. Der Grund ist simpel: Die Kieferbögen sind beim jungen Pferd noch kleiner, passend dazu gibt es die Zahngröße. Je größer das Pferd wird, werden die Zähne dann zu klein. Daher werden die Milchzähne ab einem Alter von 2,5 Jahren von den bleibenden Zähnen ersetzt.

Ein Fohlen besitzt übrigens 28 Milchzähne. Beim erwachsenen Pferd variiert die Anzahl der Zähne. Als Faustregel kannst Du Dir merken: Je sechs Schneidezähne oben und unten sowie sechs Backenzähne, drei vordere und drei hintere auf jeder Seite oben und unten. Heißt: Pferde haben mindestens 36 Zähne. Es können aber auch bis zu 44 Pferdezähne sein. Und damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt…

3. Spezielle Pferdezähne: Hengst – und Wolfszähne

Das Gebiss der Pferde hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. Daran erinnert der so genannte Wolfszahn. Er erscheint nur als Rudiment – und auch nicht bei allen Pferden. Im Prinzip kann ein Pferd sogar vier Wolfszähne haben, die jeweils vor dem ersten Backenzahn sitzen. Diese Zähne haben keine Funktion, können aber stören. Denn sie liegen in der Trensenlage, was beim Pferd zu Schmerzen führen kann. Daher werden die Zähne oftmals gezogen.

Übrigens: Nicht immer sind Wolfszähne zu sehen. Denn auch wenn sie angelegt sind, brechen sie – vor allem im Unterkiefer – oft nicht durch das Zahnfleisch. Tierärzte sprechen dann von einem „blinden Wolfszahn“.

Dazu gibt es noch Hengstzähne. Sie werden auch Hakenzähne oder Canini genannt. Sie liegen bei Hengsten und Wallachen im Unter- und Oberkiefer im vorderen Drittel der Lücke zwischen den Schneide- und Backenzähnen. Bei Wildpferden haben sie einen wichtigen Job: Es sind „Kampfzähne“ mit denen Hengste ihrem Gegner erhebliche Verletzungen zufügen können. Kein Wunder also, dass sie oft sehr scharf sind.

Doch der Name täuscht! Auch bei Stuten sind die Hengstzähne häufiger zu finden. Bei den Pferdedamen sind sie jedoch oft nur wenige Millimeter groß und lediglich unter dem Zahnfleisch zu ertasten.

Pferdezähne verfärbt
Foto: Charles Rondeau/Pixabay (Symboklfoto)

4. Von wegen strahlendes Lächeln

Bei uns Menschen sind weiße Zähne total angesagt – vor allem bei Jüngeren: 70 Prozent der unter 30-Jährigen legen Wert auf ein strahlendes Gebiss. Pferde machen bei diesem Trend nicht mit. Im Gegenteil: Gelblich-bräunliche bis schwarze Verfärbungen an den Zähnen sind keine Seltenheit. Das ist aber kein Zeichen für Zahnprobleme. Meistens lagern sich lediglich Farbstoffe aus dem Futter an den Zähnen ab.

Aber: Bei Mundgeruch solltest Du aufmerksam werden! Der kann nämlich ein Hinweis auf Karies oder gebrochene Zähne sein. Oder es haben sich Futterreste in den Zahnzwischenräumen angesammelt, die langsam faulen. Dann heißt: Einmal reinigen, bitte. Denn sonst können die Bakterien zu Entzündungen führen.

5. Auch Pferde „putzen“ ihre Zähne

Okay, eine Zahnbürste brauchen Pferde nicht. Aber tatsächlich putzen auch sie ihre Zähne – ohne es zu merken. Ständiges Kauen langer Fasern reinigt nämlich die Zähne. Heißt: Die beste Zahnpflege für Pferde ist genügend Raufutter. Übrigens: Luzerne soll auch bei der Zahnreinigung helfen. Sie soll nämlich den Zahnabrieb und die Speichelbildung fördern.

Gelbe Pferdezähne sind normal.
Foto: pixabay.de/Adéla Holubová (Symbolfoto)

6. Ab zum Zahnarzt

Wir Menschen gehen routinemäßig einmal im Jahr zum Zahnarzt – und das sollten auch die Pferde. Denn die Pferdezähne arbeiten heute nicht mehr so, wie es die Natur vor Jahrhunderten für sie vorgesehen hat. Sie sind für ein raues, silikatreiches Futter wie Steppengras konzipiert. Das nutzte die Zähne ordentlich ab. Deshalb haben Pferdezähne eine Besonderheit: Sie schieben sich jedes Jahr um mehrere Millimeter nach.

Heute dagegen fressen Pferde nicht mehr so lange und nicht mehr so hartes Futter. Die Folge: Die Zähne nutzen weniger ab. Es bilden sich scharfe Kanten, Wellen und Haken an den Pferdezähnen. Folge: Das Pferd kann das Futter nicht mehr ausreichend zerkleinern. Die scharfen Kanten verletzen die Schleimhäute, was zu Entzündungen führen kann. Daher: Um Zahnprobleme zu vermeiden, muss der Tierarzt ran. Er simuliert einmal im Jahr den Abrieb. Das bedeutet: Er kürzt die Zähne, indem er sie abschleift. Unregelmäßigkeiten und scharfe Kanten werden glattgeraspelt.

7. Einem geschenkten Gaul…

…schaut man nichts ins Maul – heißt es. Warum? Na klar: Beim Pferdehandel stellt der Käufer den Wert eines Pferdes dadurch fest, dass er diesem ins Maul schaut und sein Gebiss prüft. Der Wert ist in diesem Fall gleichbedeutend mit dem Alter – denn das können wir mit einem Blick auf die Zähne erkennen. Die einfachste Formel dabei lautet: Je älter das Tier, desto abgenutzter sind die Pferdezähne.

Pferdezähne verraten Alter und Gesundheit vom Pferde.
Foto: pixabay.de/Rebecca Scholz (Symbolfoto)

Es gibt aber noch mehr Hinweise. Beim jungen Pferd weisen die Schneidezähne sogenannte „Kunden“ auf. Das sind haferkorngroße Vertiefungen, die mit der Zeit durch den Zahnabrieb verschwinden. Bei älteren Pferden kannst Du dazu auf die Gebissstellung achten. Die Stellung der Schneidezähne aufeinander wird mit dem Alter nämlich zunehmend flacher.

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