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Schläft Dein Pferd genug? So gefährlich ist Schlafmangel

Anke Rottmann by Anke Rottmann
28. Juni 2026
Pferd schläft auf Weide

Foto: pixabay.com/Yvonne Zimmerli (Symbolfoto)

Ein Schlaflabor für Pferde? Ja, das gibt es wirklich. Zugegeben: Es ist kein klassisches Labor, sondern kann im Prinzip überall aufgebaut werden. pferde.de hat die wichtigsten Fakten über Pferdeschlaf und tierische Schlafstörungen

„Na, gut geschlafen?“ Hand aufs Herz – hast Du das schon mal Dein Pferd gefragt. Nein? Es wäre vermutlich auch nicht besonders sinnvoll. Schließlich würden wir auf eine Antwort lange warten müssen. Und dennoch: Die Frage nach dem Pferdeschlaf ergibt durchaus Sinn. Denn nicht nur wir Menschen haben manchmal damit Probleme. Auch Pferde können Schlafstörungen haben.

Und wie bei uns Menschen haben Schlafstörungen Folgen – vor allem für die Gesundheit. Kein Wunder also, dass Ärzte sich mit dem Thema Pferdeschlaf beschäftigen. Eine Spezialistin auf dem Gebiet ist Christine Fuchs. Sie schrieb sogar ihre Doktorarbeit an der Uni München über Narkolepsie bei Pferden. Ihre These damals: Die meisten Pferde, die angeblich unter dieser Schlafstörung leiden, haben tatsächlich einen Schlafmangel.

Mit Elektroden werden Gehirnströme gemessen

Doch wie kommt man dem Pferdeschlaf auf die Spur? Ganz einfach: Mit einem Schlaflabor für Pferde. Davon gibt es in Deutschland zwei: Eins bei der Ludwig-Maximilians-Universität München und eins bei der privaten Tierklinik Lüsche in Niedersachsen.

Foto: pixabay.com/Kreativgarasch (Symbolbild)

Natürlich ist es nicht wirklich ein Labor. Aber die Untersuchung läuft im Prinzip wie im menschlichen Schlaflabor ab. Zuerst wird das Pferd an einigen Stellen geschoren, damit die Elektroden befestigt werden können. Denn: Mit Fell können keine Gehirnströme aufgezeichnet werden.

Dann werden die Elektroden mit Elektrodenpaste und Sekundenkleber befestigt. Die Kabel werden dann am Mähnenkamm entlang zu einem kleinen Kasten gelegt. Dieser Kasten wird mit einem flexiblen Gurt am Pferdehals befestigt. So können Hirnströme, Augenbewegungen, Muskeltonus und Herzschlag aufgezeichnet werden.

Auch eine Kamera überwacht den Schlaf

Dazu wird eine Kamera installiert, die das Pferd in der Nacht beobachtet, alles aufzeichnet und synchron zu den Messungen läuft. Zum, Schluss bekommt das Pferd noch einen „Schlafanzug“ – ein dehnbarer Schutz für Kopf und Hals, damit nichts verrutscht, wenn sich das Pferd hinlegt. Und dann kann es losgehen. Wie beim menschlichen Schlaflabor werden alle Daten auf einen Computer übertragen und dort aufgezeichnet. So können die Ärzte am nächsten Tag sehen, ob das Pferd geschlafen hat. Und wie gut der Pferdeschlaf war.

Dabei gilt bei Pferden wie bei Menschen: Schlaf ist nicht gleich Schlaf. Auch Pferde haben unterschiedliche Phasen. Wobei sich ihr Schlaf in einem Punkt von uns deutlich unterscheidet: Sie haben einen so genannten polyphasischen Schlaf – also über den ganzen Tag verteilt mehreren kurze Schlafphase. Die nächtliche Schlafphase dauert etwa 3,5 Stunden. Und dann sollten sie auch ihren REM-Schlaf haben. Zu erkennen ist er sogar von außen: Dann bewegen sich nämlich die Augen unter den Lidern schnell hin und her. Daher kommt auch der Name für diesen Schlaf: REM steht für Rapid Eye Movement, also schnelle Augenbewegung.

Foto: pixabay.com/Rihaij (Symbolbild)

Für den REM-Schlaf müssen Pferde liegen

Das Besondere: Während Pferde auch im Stehen schlafen können, müssen sie sich für den REM-Schlaf hinlegen. Und genau das kann das Problem sein: Wenn Pferde sich nicht hinlegen, kommt es zu einem REM-Schlafmangel. Erste Anzeichen für zu wenig Schlaf: Pferde reagieren dann gereizt, gestresst oder apathisch. Auch plötzliches Scheuen kann ein Zeichen für Schlafmangel sein. Müde Pferde legen ihren Kopf häufiger ab, zum Beispiel auf den Stalltüren oder Futterkrippen. Weitere mögliche Folgen: Magengeschwüre, Kolikneigung und starker Leistungsabfall.

Und: Wenn Pferde sich nicht hinlegen, brechen sie irgendwann zusammen. Zuerst sinkt der Kopf immer tiefer, sie beginnen zu schwanken. In der Folge knicken die Vorderläufe und dann die Hinterläufe ein. Betroffene Pferde zeigen daher oft Verletzungen an den Fessel- oder Karpalgelenken sowie an Hüfte oder Kopf.

Übrigens: Warm- und Vollblüter sind häufiger von Schlafmangel betroffen als Robustpferde, ebenso sind ältere Pferde  häufiger betroffen als Fohlen.

Pferdeschlaf: Die schwierige Suche nach den Gründen

Wird durch das Schlaflabor ein REM-Schlafmangel diagnostiziert, geht die Suche nach den Auslösern los. Und da gibt es sogar ziemlich viele, zum Beispiel:

  • eine zu kleine Liegefläche in der Box oder im Offenstall
  • falsche Einstreu, zum Beispiel zu wenig oder zu feucht
  • Stress, etwa durch Lärm im Stall oder eine ungünstige Rangordnung bei Gruppenhaltung
  • unruhige Nächte
  • zu häufige und lange Reisen
  • fehlende Sozialkontakte
  • Schmerzen
  • Magengeschwüre
  • Juckreiz
  • andere Verhaltensstörungen wie zum Beispiel Koppen

Behandlung ist sehr individuell

Und auch bei der Therapie gibt es kein Schema F. Je nach Auslöser sollte natürlich zuerst die Ursache beseitigt werden. So sollten Pferde, die durch ihre Umgebung nicht schlafen können, zum Beispiel eine ruhigere Box oder eine andere Einstreu bekommen. Da der Schlafmangel jedoch auch durch eine Kombination mehrerer Ursachen auftreten kann, sind die „Behandlungen“ entsprechend individuell.

Der REM-Schlafmangel ist aber nicht die einzige Schlafstörung. Es gibt nämlich auch bei Pferden Narkolepsie, also die Schlafkrankheit. Aber: Sie tritt nur äußerst selten auf. Narkolepsie ist eine angeborene Erkrankung, genauer ein Enzymdefekt, der den Wach-Schlaf-Rhythmus aus dem Gleichgewicht bringt. Die Krankheit tritt bereits im Fohlenalter auf. Betroffene Fohlen schlafen im Gehen, beim Trinken oder Spielen plötzlich ein und können kaum geweckt werden.

Tags: PferdegesundheitPferdeschlaf

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