Bollenhut, Kuckucksuhr oder die typische Kirschtorte – das alles steht für den Schwarzwald. Pferdefreunde denken jedoch an etwas anderes, nämlich an das Schwarzwälder Kaltblut, auch Schwarzwälder Fuchs genannt. Diese Pferderasse begeistert durch ihr Aussehen und ihre Freundlichkeit. pferde.de hat 7 spannende Fakten zu den Wäldlerpferden.
Die Zuchtleitung der Württembergischen Pferdezuchtverbände umschreibt den Schutz der Rasse so: „Der edle Fuchs ist ein einmaliges züchterisches Kleinod, ein kulturelles Erbe, das es zu bewahren und zu erhalten gilt.“ Dabei kann der Name Schwarzwälder Fuchs manchmal täuschen: Zwar wird er heute mit dem Farbziel Kohlfuchs gezüchtet – trotzdem gibt es auch einige Braune, Schimmel und auch Rappen.
Und auch beim Namen ist einiges erlaubt: Schwarzwälder Kaltblut, Fuchs, St. Märgener, Wäldlerpferd – oder einfach Schwarzwälder. Weitere spannende Fakten zu den Füchsen mit der blonden Mähne gibt’s im Rasseporträt:
1. Vom Kloster in den Wald
Weißtannen, Buchen, Eschen – und kaum ein Durchkommen: So sah es einmal im Schwarzwald rund um den heutigen Ort St. Märgen aus. Zumindest bis 1118. Da kamen nämlich die ersten Siedler. Es waren Augustiner-Chorherren, die dort ein Kloster gründeten. Und die Bewohner kümmerten sich nicht nur um das geistliche Wohl der Menschen – sie mischten auch bei der Pferdezucht mit.
So entstanden im Mittelalter Pferde, die genau an die Gegend und die Arbeiten angepasst wurden: Sie waren kräftige Partner für die Bergbauern, gleichzeitig aber wendig, um auch im dichten Wald gut arbeiten zu können. Dieser Mix liegt den Schwarzwälder Pferden in den Genen: Es wurden einheimische Stuten mit massigen Ardenner-, Belgier- und Noriker-Hengsten gekreuzt.
Die Zucht freute nicht nur die Bauern. Auch die Klöster St. Märgen, St. Blasien und St. Peter waren angetan – schließlich verdienten sie mit, wie die sogenannte „Dingrodel“ (Zehntabgaben) aus der Zeit um 1450 zeigt. Diese legte fest, dass für jedes Fohlen eine Abgabe von vier Pfennigen an das Kloster gezahlt werden musste.
Was erklärt, warum die Pferde damals auch ein Statussymbol waren. Wohlhabende Bauern nutzten damals die Pferde oft als Reittiere. Die schwere Feldarbeit leisteten dagegen meist Ochsengespanne.
Übrigens: Erst seit 1896 wird ein Stutbuch geführt, damals wurde auch die erste Schwarzwälder Pferdezuchtgenossenschaft (St. Märgen) gegründet. Diese ging 1936 dann im Badischen Pferdestammbuch (Karlsruhe) auf.
2. Immer schwerer? Nicht mit den Schwarzwäldern…
1880 trat das Körgesetz in Kraft, das deutlichen Einfluss auf die Zucht nehmen wollte. Danach sollten nämlich schwere ausländische Kaltblutrassen die einheimischen Kaltblüter nachhaltig verändern. Doch die Schwarzwälder Bauern pfiffen auf das Gesetz: Sie nahmen trotz Androhung hoher Geldstrafen weiter ungekörte Hengste des Wäldertyps zur Zucht. Was ganz bodenständige Gründe hatte: Die ganz schweren Kaltblüter waren nur bedingt einsetzbar für die harte Arbeit im Gelände des Schwarzwaldes.
Denn damals stellten die Bauern hohe Ansprüche an die Leistungsfähigkeit ihrer Pferde. Die jungen Hengste mussten zum Beispiel ihre Zugkraft vor schwerem Gespann an besonders steilen Wegstrecken beweisen. Das war ihnen übrigens auch wichtiger als die Optik. Zwar waren Füchse schon damals begehrt, dennoch waren Typ und Fellfarbe nur zweitrangig.

3. Nach 1950 ging es bergab
Die Weltkriege verschonten auch den Schwarzwälder Fuchs nicht. Dabei sah es zuerst gut aus: In den 1950er Jahren stieg die Zahl der eingetragenen Stuten deutlich an – schließlich wurden nach dem Zweiten Weltkrieg viele Arbeitspferde gebraucht. Doch mit zunehmendem Einzug der Technik in die Landwirtschat ging der Bestand des Schwarzwälders schon bald massiv zurück.
Im Jahr 1947 waren noch 1234 Zuchtstuten in den Zuchtbüchern verzeichnet, 1977 war dann mit 159 eingetragenen Stuten der absolute Tiefststand in der Zuchtgeschichte erreicht. Und auch immer weniger Hengste gab es: von 47 Hengsten im Jahr 1948 waren 1973 gerade noch vier Hengste übrig. Damit waren auch insgesamt sieben der ehemals neun Hengstlinien ausgelöscht. Und die Schwarzwälder Füchse standen im Prinzip vor dem Aus…
4. Zwei Noriker retteten den Schwarzwälder Fuchs
Bereits 1961 gab es erste Maßnahmen, um die Schwarzwälder Füchse zu erhalten. Und dafür wurde „frisches“ Blut gebraucht. Damals wurde der Norikerhengst Reith-Nero als Deckhengst am Haupt- und Landgestüt mit eingesetzt – er begründete die R-Linie der Schwarzwälder. 1970 folgte der Norikerhengst Wirts-Diamant als Begründer der W-Linie.
Um Züchter zu gewinnen, gibt es seit 1972 auch unter anderem Zuchthaltungsprämien für Stuten und Fohlenaufzuchtprämien vom Land Baden-Württemberg. Heute gibt rund 700 im Zuchtbuch eingetragene Stuten. Dazu kommen 31 im Hengstbuch 1 registrierte Hengste, die sechs verschiedenen Linien angehören. Damit sind die Schwarzwälder wieder auf einem guten Weg. Trotzdem gehört die Rasse zur Kategorie III (gefährdet) in der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen.
5. Schwarzwälder Fuchs – zurück in den Wald
Sie kommen aus dem Wald – und erobern ihn heute auch wieder. Denn: Die Einsicht, dass diese Pferde im landwirtschaftlichem Einsatz schonender für Wald und Boden sind, verschafft dem Kaltblüter die Rückkehr als Arbeitspferd. Die vielen Vorteile fördern die Nachfrage nach vierbeinigen Helfern, gerade im biologischen Landbau und in der Forstwirtschaft.
Und auch bei den Meisterschaften im Holzrücken sind Schwarzwälder Füchse natürlich dabei. So holte zum Beispiel Matthias Buchmann aus Sachsen-Anhalt mit seinem Gespann Wälderprinz und Wigo den zweiten Platz bei der Deutschen Meisterschaft 2020.
6. Vielseitig – auch vor der Kutsche
Auch als Familienpferd haben sich Schwarzwälder Füchse in die Herzen getrabt. Ihr großes Plus: Sie sind nicht nur robust und genügsam, sondern auch gutmütig, besonnen und ausdauernd. Dadurch haben sie nicht nur als Freizeitpferde ihren Platz gefunden, sondern sind auch begabt für Zirkuslektionen. Auch auf Dressurvierecken sieht man sie immer häufiger. Und natürlich vor der Kutsche – wenn auch bislang meist nicht auf Turnieren.
Da sorgt Luisa Pütz jetzt mit ihrer Schwarzwälder Stute für Aufsehen. Anfangs sei sie „belächelt worden“, erzählt sie. Doch das hat sich geändert: Mit Rapunzel wurde sie 2019 Vize-Meisterin Weser-Ems im Einspänner-Fahren, 2020 wurde sie dann in den Jugendkader Weser-Ems aufgenommen. Damit gehört sie zu einem Kreis von Fahr-Talenten, die gefördert werden und die auch an der Deutschen Jugendmeisterschaft teilnehmen dürfen.
7. Rossfest für den Schwarzwälder
Alle drei Jahre dreht sich in St. Märgen alles um Schwarzwälder Füchse: Beim Rossfest gibt es nicht nurPferdeprämierungen, sondern auch Umzüge mit historischem Ambiente sowie prachtvolle Pferdewagen und Geschirre. Das hat sich rumgesprochen – rund 20.000 Besucher zieht das Rossfest mittlerweile an. Im September 2022 soll es nach zweijähriger Pause wieder stattfinden.









Zwar wird er heute mit dem Farbziel Kohlfuchs gezüchtet – trotzdem gibt es auch einige Braune und Schimmel.
Die Rappen fehlen noch bei den Farbe wie zB der Rapp Deckhengst Ramos :
https://www.youtube.com/watch?v=rt-Jn26FHSE