Kaum eine Pferderasse ist so beeindruckend wie das Shire Horse. Kein Wunder, schließlich gelten sie als die größten Pferde der Welt. pferde.de hat 7 spannende Fakten zu den „sanften Riesen“.
Im Mittelalter waren sie Schlachtrösser, die 200 Kilogramm Ritter mit Rüstung trugen. Heute sind sie vor allem als Markenzeichen von englischen Pubs und Brauereien oder als Showpferde bekannt. Dabei sind Shire Horses absolut vielseitig. Sie ziehen Kutschen, galoppieren durchs Gelände und auch in der Dressur machen sie eine gute Figur. Das beweist Kate Dwyer, die mit ihrem Shire-Mix Snowdown Faberge sogar bei den Dressur-Europameisterschaften antrat.
Wenn Du die Riesen auf vier Hufen magst – hier das etwas andere Rasseporträt:
1. Die ersten „Riesen“ waren eher klein
Schon im Jahr 1066 ist in Überlieferungen von einem „Great Horse“ die Rede, das Britannien in Feldzügen einsetzte. Es wurde nach der normannischen Eroberung nach England gebracht.
Doch wirklich groß waren diese Pferde nach heutigem Maßstab nicht – sie hatten gerade mal ein Stockmaß von 1,50 Metern. Dafür waren diese Pferde besonders kräftig: Sie schafften es ohne Mühe ihre Reiter mit den schweren Rüstungen über weite Strecken zu tragen. Und durch ihre imposante Erscheinung schüchterten sie die Feinde ein.

Diesen Vorteil wussten die Briten zu nutzen – und züchteten ihre Pferde immer größer und mächtiger. Gleichzeitig blieben sie wendig, um in Schlachten schnell reagieren zu können. So entstand das „English Great Horse“, das im Mittelalter als Kriegspferd gebraucht wurde.
Und schon früh mischte sich König Heinrich VIII. in die Zucht ein: In den Jahren 1535 und 1541 wurden Gesetze erlassen, die eine Verwendung von Pferden mit einer Körpergröße von weniger als 15 Händen zur Zucht untersagten. Dazu wurde jegliche Ausfuhr, sogar nach Schottland, untersagt.
2 . Vom Black Horse zum Shire Horse
Ab Ende des 16. Jahrhunderts wurde aus dem Kriegspferd ein Transport- und Arbeitspferd, das vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt wurde. Mit ihrer enormen Zugkraft wurden die Pferde gerne vor die Kutsche oder den Pflug gespannt. Dafür wurden flämische und friesische Pferde importiert, die dann auch für die Zucht genutzt wurden.
Dabei tat sich vor allem der Landwirt Robert Bakewell hervor. Er züchtete das Improved Black Cart Horse, auch Bakewell Black genannt. Aus dieser Zucht entstand das heutige Shire Horse. Als Gründungshengst gilt übrigens das Packington Blind Horse, das zwischen 1755 und 1770 in Packington in der Nähe von Ashby de la Zouch stand. Er war schwarz und erscheint im ersten Shire-Zuchtbuch wegen der großen Anzahl von Pferden, die von ihm abstammen.

3. Zweimal stand das Shire Horse vor dem Aus
Während der sogenannten großen Depression von 1873 bis 1896 gerieten Englands Landwirte wirtschaftlich unter Druck. Viele mussten alles verkaufen, was sich zu Geld machen ließ – und das waren auch die Pferde. Dadurch kamen viele Shire Horses, vor allem Stuten, nach Schottland. Die Schotten nutzten die Chance, begannen eine eigene Zucht – so entstanden die Clydesdales.
In England schien das Aus für die schweren Pferde gekommen zu sein. Doch einige Züchter stemmten sich dagegen. Sie gründeten 1878 die Shire Horse Society als Zuchtverband und führten auch ein Zuchtbuch ein. Und sie hatten Glück: Schnell waren auch der Adel und das Königshaus von den schweren Riesen begeistert.
Im Erste und Zweiten Weltkrieg wurde das Shire Horse wieder zum Kriegspferd. Die Tiere mussten, oft unter schrecklichen Bedingungen, die schwere Artillerie ziehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen im Zuge der industriellen Revolution dann immer mehr Maschinen in der Landwirtschaft zum Einsatz. Mit Folgen: Das Shire Horse war in den 1950er Jahren fast dem Untergang geweiht.
Wieder waren es Züchter, die „ihre“ Rasse retten wollten. Und wieder war das Glück auf ihrer Seite. So entdeckten zum Beispiel Brauereien die Shire Horses und nutzen sie als Markenzeichen. Heute werden sie auch wieder in der Landwirtschaft und zum Holzrücken eingesetzt. Und Shire sind auch beeindruckende Showpferde…
3. Auch Könige lieben Shire Horses
Adelige liebten es zwar edel und anmutig – doch die Shire Horses hatten auch unter ihnen Fans. Kein Wunder, schließlich züchtete sogar die Königsfamilie Shire Horses. Ein besonders großer Liebhaber der Riesen auf vier Hufen war zum Beispiel König George V. Sein Hengst Field Marshall V gewann zweimal die London Show, bevor er zu einem der einflussreichsten Vererbern seiner Zeit wurde. Fun Fact: Noch heute ist die Queen Schutzpatronin der Shire!
4. „Gentle Giants“ – die sanften Riesen
Wer abergläubisch ist, wird sich mit Shire Horses vermutlich nicht anfreunden können. Schließlich gibt es da den Spruch: „Ein weißer Fuß: Kauf es. Zwei weiße Füße: Brauch es. Mit dreien ist es Hundefutter und mit vieren für die Schwiegermutter.“ Doch genau das macht die Shire aus: Sie haben nicht nur an allen Beinen einen üppigen Behang – er soll am besten auch vier Mal weiß sein.
Auch ihr kräftiger Po ist ihr Markenzeichen – und natürlich ihre Größe. Im Schnitt haben Shire Horses ein Stockmaß von 1,78 bis 1,83 Metern – damit sind sie die größte Pferderasse der Welt. Der bisher größte Vertreter dieser Rasse war der Wallach Sampson. Er erreichte ein unglaubliches Stockmaß von 2,19 Metern und ein Gewicht von rund 1.500 Kilogramm!
Übrigens: In ihrer Heimat England werden Shire Horses liebevoll „Gentle Giants“ genannt – sanfte Riesen. Denn ganz im Gegensatz zu ihrer imposanten Erscheinung zeigen sie sich von einer sehr sanftmütigen, nervenstarken Seite.
5. Selbst Flechten ist bei ihnen eine Kunst
Auch in Deutschland haben die Shire Horses Fans – und sogar ihre eigene Show, die Oaksted Shire Horse Show. Dabei werden die Riesen auf vier Hufen von ihrer besten Seite präsentiert. Damit das gelingt, werden die Shire traditionell eingeflochten. Und das ist nicht nur kunstvoll – es hat auch gleich zwei Gründe.

Durch die eingeflochtene Mähne soll die obere Halslinie betont werden. Dafür werden auch Fähnchen eingeflochten, die diesen Eindruck noch einmal unterstützen. Und auch der Schweif wird ganz kurz eingeflochten beziehungsweise eingenäht – so kann die Hinterhand besser gesehen und bewertet werden.
6. Shire Horses sind Spätentwickler
Sie sind zwar schon als Jährlinge beeindruckend und haben schnell ein Stockmaß von 1,70 Metern – trotzdem sind Shire Horses Spätentwickler. Das heißt: Ihr großer Körper, Muskeln, Sehnen und Knorpel brauchen ihre Zeit, um sich voll zu entwickeln. Erst mit etwa sieben Jahren gelten Pferde dieser Rasse als ausgewachsen. Daher sollten sie auch erst mit vier Jahren regelmäßig eingefahren und frühestens mit fünf Jahren eingeritten werden.
7. Ein Shire als Elch
Natürlich spielen Shire Horses immer wieder auch in Filmen eine Rolle. So waren zum Beispiel vier von ihnen in Steven Spielbergs Blogbuster „War Horse“ zu sehen. Und auch in der Trilogie „Der Hobbit“ spielt ein Shire Horse mit – allerdings ist es im Film nicht als solches zu erkennen.
Denn Moose wurde – zufällig passend zu seinem Namen – durch Computer-Technik in einen riesigen Elch verwandelt. Auf ihm saß Lee Pace als Elb Thranduil, der eindrucksvoll durch die Armeen schreitet und an der Seite der Zwerge gegen das Böse kämpft. Es seien die ersten Dreharbeiten für das imposante Pferd gewesen, erzählt Schauspieler Lee Pace in einem Interview. „Er hat überall hin geäppelt!“
Seit dem Ende der Dreharbeiten lebt Moose in der Nähe von Wellington. Er ist etwas über 1,80 Meter groß, wiegt 900 Kilogramm – und gilt als eines der größten Pferde in Neuseeland.








