Die Bilder gingen um die Welt: Eine völlig überforderte und verzweifelte Annika Schleu schlägt auf ein Pferd ein – weil sie in diesen Sekunden die sicher geglaubte Olympia-Goldmedaille verliert. Der Eklat hatte auch ein juristisches Nachspiel: Schleu und ihr Trainerin wurden unter anderem vom „Deutschen Tierschutzbund“ angezeigt. Jetzt stellte die Staatsanwaltschaft Potsdam das Verfahren ein…
Sie wollte Gold. Und alles sah gut aus. Bis die moderne Fünfkämpferin Annika Schleu bei den olympischen Spielen in Tokio das Pferd Saint Boy zugelost wurde. Das Pferd war schon einmal durch die Parcours gegangen, hatte Hindernisse gerissen – und war offensichtlich überfordert und panisch. Doch das interessierte damals niemanden. Stattdessen sollte Annika Schleu mit Saint Boy in den Parcours gehen. Was folgte, war ein Drama, bei dem es nur Verlierer gab.
Denn Annika Schleu schlug verzweifelt mit ihrer Gerte auf Saint Boy ein, ihre Trainerin Kim Raisner forderte dann auch noch „Hau mal richtig drauf!“ Die Szenen gingen um die Welt. Und hatten auch juristische Folgen: Der Deutsche Tierschutzbund stellte Strafanzeige gegen Schleu und Raisner. Weil beide in Potsdam wohnen, übernahm dort die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Und stellte sie jetzt ein.
Staatsanwaltschaft: „Dem Pferd wurden keine Verletzungen zugefügt“
„Dafür war insbesondere maßgeblich, dass die Beschuldigten auf das Reitpferd nur kurzfristig eingewirkt haben und sich in einer physischen und psychischen Ausnahmesituation des olympischen Wettkampfs befanden“, begründete die Staatsanwaltschaft in einer Mitteilung. „Dem Turnierpferd wurden zudem keine Verletzungen zugefügt.“ Beide Frauen müssen Geld an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.
Die 31-Jährige Annika Schleu wird 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen, teilten ihre Rechtsanwälte mit. Und betonen dabei: Die Einstellung des Verfahrens stelle „weder ein Schuldanerkenntnis seitens Frau Schleu dar noch wurde hierdurch die Schuld unserer Mandantin festgestellt beziehungsweise ein hinreichender Tatverdacht bestätigt.“ Die Mandantin habe sich „in Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft aus rein verfahrensökonomischen Gründen für eine Einstellung des Ermittlungsverfahrens auf diesem Wege entschieden“.
Dazu sei Annika Schleu weiter „an einer Fortführung der Diskussion zum Schutz von Tieren, speziell Pferden in- und außerhalb des Sports“ gelegen, teilten ihre Anwälte mit: „Die weitere Diskussion um den Schutz von Pferden im Sport sollte nicht auf dem Rücken von Frau Schleu ausgetragen werden, sondern innerhalb der zuständigen Verbände fortgesetzt werden.“
Reiten aus Modernem Fünfkampf gestrichen
Auch Kim Raisners Anwalt teilte mit, dass seine Mandantin ebenfalls einen „geringen Geldbetrag“ für wohltätige Zwecke zahlen und damit die Auflagen der Staatsanwaltschaft erfüllen werde. Damit sei das Ermittlungsverfahren „endgültig abgeschlossen“.
Nach anfänglichem Zögern hat der zuständige Weltverband UIPM mittlerweile Konsequenzen gezogen. Danach soll das Springreiten nach den Sommerspielen 2024 aus dem Modernen Fünfkampf gestrichen werden.








