Aller Anfang ist schwer. Das gilt auch fürs Reiten. Und nicht nur auf dem Pferd kann man dabei ganz schön ins Schwitzen kommen…
Neulich bei uns im Stallbüro: Unsere Reitlehrerin teilte ihren Schülerinnen die Pferde zu. „Du nimmst Mia“, erklärte sie Rena, einer 30-Jährigen, die frisch von der Longe an diesem Tag ihre Karriere im Abteilungsunterricht starten will. Die Fragezeichen in ihren Augen waren so offensichtlich, dass unsere Reitlehrerin eine Erklärung hinterherschickte: „Den Fuchs ganz hinten links!“ Rena guckte sie entsetzt an: „Ich dachte, ich krieg‘ ein Pferd!“
Während sich die Truppe vor Lachen kaum halten konnte (ja, ich gebe es zu: ich konnte mir das Grinsen auch kaum verkneifen), dachte ich über unsere Reitersprache nach, die für uns das Normalste überhaupt ist – und Anfängern regelmäßig den Schweiß aus den Poren treiben muss. Das wollte ich mal genauer wissen und schnappte mir Rena.
Schimmel – habt ihr ein Hygiene-Problem?
Es war ihr sichtlich peinlich, aber tatsächlich – sie hatte da bereits andere Erfahrungen gemacht. Auf dem Weg zu den Pferden beichtete sie mir gleich ihr nächstes Unwissenheits-Fettnäpfchen. „Bei meinem ersten Besuch hier im Stall unterhielten sich zwei Mädchen und die eine sah mich plötzlich an und sagte „Das ist so ein hässliches Pony…“ Ein Blick zu Renas Frisur und ich ahnte es schon. „Ich dachte wirklich, sie meint meinen Pony“, gab sie mit rotem Kopf zu.
Ist Rena deshalb besonders dumm? Nein – nur besonders neugierig. Und ehrlich! Wenn sie etwas nicht versteht, fragt sie nach. Sagt jemand „Da hinten beim Schimmel“, fragt sie eben „Habt ihr hier Hygieneprobleme?“ Bittet sie jemand „hol‘ mal meine Stute, du erkennst sie an der Blume“, nimmt sie das Pferd, das gerade ein Gänseblümchen kaut. Spricht jemand von Flanken, glaubt sie, sie wäre auf dem Fußballplatz gelandet. Und klar, bei „puh, die Fessel ist heute aber ganz schön dick“ fragt sie sich, welchen Sinn es macht, sich beim Reiten zu fesseln…
Fundament – baut ihr ein Haus?
Es hat ein bisschen gedauert, bis wir uns an Renas Ehrlichkeit gewöhnt hatten. Und auch wenn sie uns damit immer wieder zum Lachen gebracht hat, haben wir auch etwas von ihr gelernt. Wir können jetzt eindeutig alles besser erklären. Mit Erfolg: Seitdem denkt Rena beim Fundament nämlich nicht mehr an den Rohbau eines Hauses…







