Früher war es bei uns im Stall in Sachen Pferderassen ziemlich traditionell. Bis ein neues Schulpferd für mehr Farbe im Alltag sorgte…
Hannoveraner, Holsteiner, auch Oldenburger und Trakehner: Bei uns im Stall war es lange Jahre in Sachen Pferde eher klassisch. Kein Friese, kein Shirehorse, keine Westernpferde – wenn es um „Exoten“ ging, war beim Fjord-Pony, Isländer und Haflinger Schluss. Bis meine Reitlehrerin Sanne mal wieder ein neues Schulpferd suchte.
„Nicht zu groß, gutmütig, menschenbezogen, für Kinder und Erwachsene“, so ihre Wunschliste, mit der sie auf die Reise ging. Zurück kam sie mit einem breiten Grinsen – und schweigend, was überhaupt nicht zu ihr passte. Normalerweise erzählt sie sofort, auf was für ein Pferd wir uns als Neuzugang freuen können. Doch diesmal blieb sie geheimnisvoll. „Lasst Euch überraschen“, war alles, was sie sich entlocken ließ.
„Haben wir jetzt eine Kuh zum Reiten?“
An einem Montag war es dann so weit – und Sanne ließ es sich nehmen, mit dem neuen Pferd während einer Abteilungsstunde in die Halle zu reiten. Sie ahnte wohl, was kommen würde: Große Augen bei den Menschen und Pferden. Klein, stämmig, weiß mit großen schwarzen Flecken… „Haben wir jetzt eine Kuh zum Reiten“, fragte ein kleines Mädchen neben mir aufgeregt, was bei uns zu einem ausgelassenen Lachen führte.
Die Pferde hingegen ließen sich nicht so schnell beruhigen. „Bello“, ein wahrer Pferde-Riese und der größte Angsthase, blieb wie angewurzelt stehen. Auch seinen tierischen Kumpeln war der Neuzugang eindeutig suspekt. Fröhlich war in diesem Moment nur das Pferd, das für die ganze Aufregung sorgte – eine schicke Tinker-Lady!

Ein Kaltblut, das alle um seine Hufen wickelt
Innerhalb kürzester Zeit war sie der Liebling bei uns – und mit ihr öffneten sich in Sachen Pferderasse auch unsere Stallpforten ganz weit. Den Grund dafür kennt niemand, vielleicht machte sie einfach Lust mal etwas Neues auszuprobieren. Und so folgte „Beethoven“, ein Schwarzwälder Kaltblut, der mit seinem Charme alle Menschen um seine Hufen wickelte.
Als danach meine Stallfreundin Jana ein neues Pferd suchte, hatte unsere Reitlehrerin Sanne mal wieder die beste Idee: „Guck doch nach einem Lusitano, der würde gut zu dir passen.“ Prompt zog „XoYo“ bei uns ein, ein Schimmel-Hengst mit einer Walle-Walle-Mähne, bei der vor allem Frauenherzen höher schlugen.
Mit ihm begann auch unsere iberische Phase, mittlerweile haben wir einen bunten Mix aus Lusitano, PRE und Andalusiern bei uns. Was auch im Alltag Folgen hat: Die Spanier brachten den spanische Schritt zu uns – und den haben natürlich längst auch die anderen Rassen gelernt. Okay, der eine mehr, der andere weniger – aber der Wille zählt…
Pferderasse? Egal! Die Chemie muss stimmen…
Wenn wir heute am Weidezaun stehen, sehen wir immer noch Hannoveraner, Holsteiner, Trakehner und Oldenburger. Und friedlich neben ihnen grasen die Iberer, Tinker und all die anderen. Verständigungsschwierigkeiten? Kennen sie nicht. Klar, Pferde haben auch ihre Vorlieben, Sympathien und Freunde – aber da geht es um die Chemie, die stimmen muss. Stammbaum und Herkunft sind ihnen dabei völlig egal. „Unsere Pferde sind eben einfach multi-kulti“, sagte meine Stallfreundin Jana kürzlich – und das ist ein Gedanke, der mir sehr gefällt.








