Pferde sind clever, das haben bereits viele Studien bewiesen. Aber wie steht es mit ihrem Gespür für uns Menschen? Diese Frage wollte der japanische Forscher Monamie Ringhofer von der Kyoto University mit seinem Team beantworten. Ergebnis: Pferde erkennen, wie ehrlich Menschen sind.
Schon vor vier Jahren erkundete Monamie Ringhofer das Gespür der Pferde für uns Menschen. Damals versteckte das Team Möhren in Eimern außer Reichweite der Koppel und beobachtete, wie die Pferde anschließend mit ihren Menschen umgingen. Das Besondere: Die eine Hälfte der Besitzer hatte das Versteckspiel gesehen, die andere nicht.
Das Ergebnis damals: Alle Pferde baten ihre Menschen um Hilfe, indem sie zu ihnen liefen, sie anschauten und gelegentlich auch anstupsten. Das Erstaunliche dabei: Hatten ihre Besitzer das Versteckspiel nicht gesehen und wusste also nichts von den Möhren, legten sich die Pferde ganz besonders in Zeug, um die Aufmerksamkeit der Menschen zu erhaschen. „Die Pferde signalisierten mehr und deutlicher und gaben einfach nicht auf“, sagt Ringhofer. „Pferde können scheinbar ihr Kommunikationsverhalten daran anpassen, ob ein Mensch etwas weiß oder nicht.“

Einer wusste wo die Möhren sind, einer riet
Aber können sie auch Wissen von Nicht-Wissen unterscheiden? Erkennen sie, wenn ihre Menschen nur raten? Genau dieser Frage ging Forscher Monamie Ringhofer in seiner neuen Studie nach.
Für ihre Untersuchung brauchten die Forscher Möhren, zwei Futtereimer mit Deckeln, 38 Pferde und jeweils zwei Menschen. Zur Vorsicht wurden vor dem Versuch in beide Eimer Möhren gelegt – damit nicht der Geruch die Pferde beeinflussen konnte.
In der Versuchsphase konnte jedes Pferd hören, dass eine Karotte in einen Eimer gelegt wurde. Der Eimer war dabei hinter einem kleinen Bildschirm versteckt. Dazu sahen die Pferde zwei Menschen. Einer war ihnen zugewandt und sah so, wie die Karotte versteckt wurde. Der Andere hatte dem Pferd und dem Eimer den Rücken zugewandt – er konnte also nur raten, wo die Möhre sein könnte.
Pferde erkennen Ehrlichkeit – und fanden die Möhren
Sobald die Möhre platziert war, wurde der Bildschirm entfernt und die beiden Menschen bewegten sich gleichzeitig hinter jeweils einen Eimer. Die Person, die wusste wo die Möhre war, stand dabei immer hinter dem richtigen Eimer. Jede Person zeigte dann auf den vor ihnen stehenden Eimer. Das Ergebnis: Pferde, die besonders aufmerksam waren, konnten zwischen dem „ehrlichen“ und dem „ratenden“ Menschen unterscheiden – und gingen zu dem Eimer mit der Möhre.
Die Studie zeigt, dass sehr aufmerksame Pferde die Glaubwürdigkeit menschlicher Informanten bewerten können, so die Forscher. Denn diese Pferde trafen bei der Eimer-Entscheidung die richtige Wahl. „Das deutet darauf hin, dass Pferde dem menschlichen Zeigen möglicherweise nicht automatisch folgen. Darüber hinaus liefert diese Studie Beweise dafür, dass Pferde hohe sozio-kognitive Fähigkeiten haben. Sie verstehen nicht nur Zeigegesten von Menschen, sondern können auch deren Aufmerksamkeitszustand beurteilen.“

So intelligent sind auch Menschenaffen – und Hunde
Heißt: Während die Pferde hörten, wie die Möhre in den Eimer gelegt wurde, beobachteten sie die beiden Menschen genau. Dadurch konnten sie dem Zeigen der Person folgen, die das Verstecken sehen konnte.
Das Erstaunliche: was andere wissen, wollen, planen oder sogar vortäuschen gilt als wichtige Komponente der menschlichen Intelligenz. Kinder beherrschen diese Fähigkeit erst mit ungefähr vier Jahren. Wie es bei Tieren aussieht – das ist bislang nur selten erforscht. Bei Menschenaffen wurde es nachgewiesen: Sie wissen, an welchem Ort ein Mensch eine kostümierte Figur vermutet. Auch bei Rabenvögeln ist diese Intelligenz bekannt: Sie verstecken zum Beispiel ihr Futter erneut, wenn sie beim ersten Versuch von Artgenossen beobachtet wurden.
Das Zusammenleben mit Menschen hilft Pferden
Und auch bei Hunden wurden bereits entsprechende Versuche durchgeführt. „Im Vergleich zu Pferden gibt es viele Studien über die sozio-kognitiven Fähigkeiten von Hunden“, so die japanischen Forscher. „Diese Studien deuten darauf hin, dass die anspruchsvollen sozio-kognitiven Fähigkeiten der Hunde gegenüber dem Menschen durch den Domestizierungsprozess beeinflusst werden.“ Ihre Vermutung: Das lange Zusammenleben von Pferden mit Menschen kann auch bei ihnen der Grund für ihre besonderen Fähigkeiten sein.








