Dass Pferde den Herzschlag beruhigen können – das haben Studien bewiesen. Doch wie ist das mit Therapiepferden? Helfen sie „nur“ ihren Patienten? Oder auch der Therapeutin? Und wie geht es dem Pferd dabei? Diese Fragen beantwortet eine einmalige Studie der Universität Wien…
Der Lichtblickhof in Österreich ist ein ganz besonderes Hospiz. Denn hier haben die Mitarbeiter tierische Hilfe von 19 Pferden. Sie geben den kleinen Patienten Halt, machen ihnen Mut und sind auch bei ihnen, wenn die Angst kommt. Für Gründerin und Leiterin Roswitha Zink ist der Hof ein Herzensprojekt. Kein Wunder also, dass sie wissen wollte, wie groß der Einfluss der Pferde auf Menschen wirklich ist. Und so war sie sofort dabei, als die Universität Wien ein einmaliges Forschungsprojekt machen wollte. Und das nicht nur als „Testobjekt“, sondern als wissenschaftliche Mitautorin.
Der Auslöser: Anna Naber beschäftigte sich im Rahmen ihrer Masterarbeit mit den gesundheitsfördernden Aspekten der pferdegestützten Therapie. Der Titel lautet: „Sie spüren deinen Herzschlag! Die Herzrate, Herzratenvaraibilität und Kortisolausschüttung als Indikatoren der Synchronisation in pferdegestützter Therapie“.
Herzschlag bei Patienten, Therapeuten und Pferd
Das Besondere an der Studie: „Im Rahmen des Forschungsprojekts haben wir uns einerseits die stressreduzierende Wirkung von Pferden angeschaut und bei der Therapeutin, der Klientin und dem Therapiepferd sowohl den Herzschlag und die Herzratenvariabilität, kurz HRV, als auch das Kortisol im Speichel gemessen“, so Zink. „Außerdem wollten wir uns die Synchronisation zwischen den drei Interaktionspartner:innen anschauen.“

Die Frage dabei: „Kommt es zu einer Synchronisation in den physiologischen Parametern? Studien in der Mutter-Säuglings-Interaktionsforschung konnten den Effekt von sich abstimmenden Herzschlägen schon nachweisen. Aber kommt im pferdetherapeutischen Setting ebenfalls zu Herzen, die im selben Takt schlagen?“
Stunden- bis tagelanger Einsatz
Das Projekt war entsprechend aufwendig: „Es war eine intensive Datenerhebungszeit mit einem genialen Forschungsteam und superfleißigen Studienteilnehmerinnen, die sich nicht von Minusgraden, unvorhersehbaren technischen Herausforderungen und stunden- bis tagelangen Einsatz fast rund um die Uhr unterkriegen ließen“, so Zink. „Im Gegenteil! Die Motivation und Begeisterung neuen Geheimnissen der Pferdetherapie auf die Spur zu kommen waren enorm.“
Und der Einsatz hat sich ausgezahlt, wie die Ergebnisauswertung zeigte: „Die Integration von Pferden in das therapeutische Setting (hatte) eine stressreduzierende Wirkung auf Klientinnen.“, „Wir haben vor und nach der Therapiestunde das Kortisol, die Herzfrequenz und HRV gemessen. Außerdem hatten wir eine Kontrollbedingung, in der gar kein Pferd bei der Therapiestunde dabei war, sondern nur das Tonnenpferd aus Holz“, so Zink.

Herzschlag synchronisiert sich…
Ergebnis: Nach dem Pferdekontakt und in der Experimentalbedingung mit Therapiepferd waren das Kortisol und die Herzfrequenz niedriger und die HRV ist gestiegen. „Hohe Werte in der HRV sprechen für ein hohes Wohlbefinden und niedrige Werte im Kortisol und der Herzfrequenz zeigen Entspannung an“, so Zink. „Somit haben Therapiepferde einen positiven Einfluss auf das Stresserleben und Entspannung.“
Und: „Zusätzlich haben wir uns die Synchronisation der Herzschläge angeschaut und dabei festgestellt, dass es tatsächlich zu Abstimmungen zwischen Therapiepferd, Klientin und Therapeutin kommt. Die Herzschläge passen sich aneinander an und interessanterweise ist die Anpassung größer, wenn zwischen Mensch und Pferd schon vorher eine Beziehung geherrscht hat und das Therapiepferd nicht fremd beziehungsweise unbekannt war.“
Die Studie, die im Mai im Fachmagazin „Complementary Therapies in Clinical Practice“ veröffentlicht wird, sorgte schon bei internationalen Konferenzen für Aufsehen. „Die Ergebnisse (…) fanden große Zustimmung in der Pferdetherapeut:innen-Gemeinschaft“, so Zink. „Denn dass Pferde sich positiv auf unser Wohlbefinden auswirken und helfen, Stress zu reduzieren und Entspannung zu erleben, das wissen die Meisten schon aus ihrer täglichen Praxis. Auch, dass Beziehung im therapeutischen Setting ein ganz essenzieller Faktor ist, ist den meisten bekannt. Und trotzdem ist es wichtig, die Forschung in diesem Bereich voranzutreiben, damit das Wissen, dass Eltern, Therapiekinder, Therapeut:innen, Expert:innen usw. in der täglichen Arbeit erleben, auch wissenschaftlich darzustellen, um eine größere Akzeptanz der pferdegestützten Therapie zu erreichen.“








