Mit gerade acht Jahren ist Maxima Bella das jüngste Pferd beim olympischen Dressurwettbewerb. Was kaum jemand ahnt: Die Stute sollte eigentlich mal zum Schlachter…
Die Oldenburger-Stute Maxima Bella sorgt aktuell für Schlagzeilen: Denn mit acht Jahren ist sie das jüngste Pferd im Wettbewerb – zwei Jahre jünger als das zweitjüngste Dressurpferd bei den Olympischen Spielen in Paris. Hinzu kommt, dass sie für Polen antritt, ein Land, das in Dressurkreisen als „aufstrebend“ gilt. Die Erwartungen an die Grand Prix-Prüfungen waren daher eher überschaubar.
Doch dann kam ihr Auftritt – und Maxima Bella überraschte mit ihrer Reiterin Sandra Sysojeva alle. Die beiden holten 73,416 Prozent – und qualifizierten sich damit für das Einzelfinale. Seitdem ist die Stute weltweit bekannt. Doch ihre Geschichte ist mehr als ein olympischer Traum. Sysojeva und Maxima Bella zeigen: Alles ist möglich, wenn man nur will. Denn zunächst wollte keiner die Stute haben…
Maxima Bella: 20 Sekunden Video verändern ihr Leben
Geboren wurde Maxima Bella in den Niederlanden, nachdem Wiesje Roosjen sich mit dem Kauf von Maximas Mutter Ciao Bella HRH den Traum von einer eigenen Zuchtstute erfüllt hatte. Ciao Bella war zu dem Zeitpunkt tragend und so kam wenig später Maxima Bella auf die Welt.
Schon als Fohlen zeigte die Stute, dass sie eine ganz besondere Persönlichkeit ist – und sich von Menschen nicht so leicht beeindrucken lässt. Als sie dann eingeritten werden sollte, gaben ihre Züchter sie in einen Springstall. Dort waren die Bereiter auf junge Pferde spezialisiert. Doch sie gaben Maxima Bella zurück. Der nächste Versuch hatte schreckliche Folgen: Der Reiter stürzte und kam mit einem Beckenbruch ins Krankenhaus.
Die Folge: Niemand wollte Maxima Bella haben. „Maxima Bella war ein ziemlicher Drachen und wir haben sie am Ende zum Schlachtpreis verkauft“, erzählt Wiesje Roosjen im Gespräch mit „Horses.nl“. So kam die Stute zu einem Händler, der sie an einen Schlachter geben, berichtet „Oldenburger International“. Doch der drehte stattdessen ein 20 Sekunden langes Video und erzählte darin Maxima Bellas Geschichte. Der Zufall wollte es, dass Sysojeva das Video sah. Und beschloss: Diese Stute rette ich! Und so ist Maxima Bella im Gemeinschaftsbesitz von Sandra Sysojeva und Dominika Krasko.
„Sie begann, mich zu beschützen – wie ein Hund“
Sysojeva traf damals eine Entscheidung, die sie danach durchaus auch mal bereute. Denn Maxima Bella war wild „und so hässlich“, erzählt Sysojeva im Podcast von „Horse2rider.com“. Maxima Bella wollte nicht einmal die Hufe geben. „Sie war die Stute aller Stuten – und ließ sich nicht einmal in der Box anfassen“, so Sysojeva. Die 40-Jährige wollte die Stute wieder verkaufen. „Aber niemand wollte sie.“ Also sagte sie sich: „Okay, wir müssen irgendwie anfangen, Freunde zu werden.“
Sysojeva verfolgte die Taktik, einfach Zeit mit Maxima Bella zu verbringen. Wenn sie Schüler trainierte, war die Stute neben ihr. „Sie stand einfach an meiner Schulter und nach einiger Zeit änderte sich alles“, so Sysojeva. „Anstatt zu versuchen, gegen mich zu kämpfen, begann sie, mich zu beschützen, wie ein Hund. Niemand konnte mir zu nahekommen, sonst fing sie an zu schreien und um sich zu schlagen. So begann unsere Beziehung. Sie ist wahnsinnig talentiert und sehr, sehr schlau.“
Maxima Bella – direkt auf die Dressur-Universität
Und dieses Talent macht es so einfach: „Wenn Sie mich fragen würden, wie ich sie so schnell zum Grand Prix gebracht habe, weiß ich es nicht – es kommt mir vor, als hätte sie das ihr ganzes Leben lang gemacht“, sagte Sandra Sysojeva. „Es ist wie bei einem Kind in der Schule, das sehr talentiert ist und dort nichts lernen muss und deshalb direkt auf die Universität gehen kann. Sie wurde als Grand-Prix-Pferd geboren.“
In diesem Jahr trat Sysojeva zum ersten Mal mit Maxima Bella in einem CDI3*-Wettbewerb an – und siegte direkt. Auch in Aachen ging das Duo an den Start, kam im CDI4* auf Platz 2. Insgesamt haben die beiden 15 Siege auf dem Konto. Und schafften es nach Paris. Dort trat die gebürtige Litauerin für Polen an. Sie wechselte letztes Jahr die Staatsangehörigkeit, um für Polen zu reiten, wo sie lebt. Und: Sie ist die einzige polnische Reiterin, die es in die Kür geschafft hat. Ihr Team hat sich nicht fürs Teamfinale qualifizieren können.
Jetzt heißt es am Sonntag: Daumen drücken für dieses ungewöhnliche Team!








