Schläge auf Kopf und Hals mit der Gerte, extrem eng ausgebundene Pferde, Peitschenschläge, blutige Mäuler – wieder einmal steht ein Dressurreiter im Verdacht, Pferde misshandelt zu haben. Diesmal in Florida. Im Mittelpunkt: Olympiareiter und Weltcup-Finalist Dr. Cesar Parra. Jetzt kommt der Skandal auch noch Deutschland…
Gerade erst sorgte der Skandal um Andreas Helgstrand für Schlagzeilen. Jetzt tauchten Videos auf, die die Reitszene erneut schockieren. Ausgerechnet auf dem eigenen Instagram-Kanal veröffentlichte Dr. Cesar Parra die Videos. Zu sehen waren Pferde, die während des Trainings brutal mit Peitsche und Gerte geschlagen wurden. Pferde, die so eng ausgebunden waren, dass sie den Kopf kaum heben konnten. Und Pferde, deren Vorderbeine mit Gummibändern verbunden sind.
Darunter stand: „A typical day of training. Happy horses with animal welfare as a number one priority“. Übersetzt: „Ein typischer Trainingstag. Glückliche Pferde mit dem Tierwohl als Priorität Nummer eins“. Es ist ein ironischer Kommentar der schrecklichen Szenen.
Die drei Videos wurden schnell wieder gelöscht, aber die Bilder waren längst um die Welt gegangen. Und kurz darauf wurden dem Internetportal „Equestrian Worldwide“ weitere Videos und Bilder aus dem Trainingsstall von Parra in Wellington (USA) zugespielt. Sie zeigten Pferde mit blutenden Maulwinkeln, tiefen Verletzungen, offenen Sporenwunden, blutenden Flanken und Peitschenstriemen.
Dressurreiter Parra: Schon einmal angeklagt
So schnell, wie sich die Bilder verbreiteten, so schnell reagierten die Verantwortlichen. Denn der Mann, der im Mittelpunkt des Skandals steht, ist kein Unbekannter. Es ist der Olympiareiter und Weltcup-Finalist Dr. Cesar Parra (59). Er startete für Kolumbien bei den Panamerikanischen Spielen 1999 und 2003, den Olympischen Spielen 2004, den Weltreiterspielen 2002 und 2006 sowie dem Weltcup-Finale 2005. Ende 2008 wechselte er in die USA und startete 2011 im US-Goldmedaillenteam bei den Panamerikanischen Spielen in Guadalajara, Mexiko.
Aber auch im Zusammenhang mit dem Thema Pferdemisshandlung fiel sein Name nicht zum ersten Mal. Bereits 2015 wurde er deshalb vor einem Gericht in New Jersey angeklagt. Damals wurde er freigesprochen…
FEI suspendiert Parra mit sofortiger Wirkung
Diesmal sieht es anders aus. „Wir sind uns des entsetzlichen und abscheulichen Schulungsvideos bewusst, das heute veröffentlicht wurde“, sagte die United States Equestrian (USEF) direkt in einer Erklärung. „Wir haben die FEI benachrichtigt und arbeiten mit ihr zusammen, um die Untersuchung dieser ernsten Angelegenheit einzuleiten.“ Und der Verband distanziert sich deutlich: „Die USEF spricht sich entschieden gegen Trainingsmethoden aus, die Pferden gegenüber missbräuchlich sind.“
Auch der Weltreiterverband reagiert sofort, sperrte Parra. Dazu schwappte der Skandal nach Deutschland: „Auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat Freitagnacht aus unterschiedlichen Quellen eine Sammlung von Videos und Bildern erreicht, die einen schockierenden Umgang mit Pferden zeigen“, so die FN in einer ersten Stellungnahme. Der Grund: „Mutmaßlich sind Personen aus Deutschland beteiligt.“
Skandal: FN zeigt zwei Deutsche an
Und mittlerweile gibt es erste Konsequenzen: Am Donnerstag teilte die FN mit, dass sie Anzeige gegen zwei Personen aus Deutschland erstattet habe. Sie habe in einem Video zwei Personen aus Deutschland identifiziert und diese angezeigt. „Was in den Videos und Bildern zu sehen ist, ist widerlich. Wir werden alle Register ziehen, um dagegen vorzugehen“, sagt FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach. „Bei solchem Verhalten reichen unsere rechtlichen Möglichkeiten als Sportverband nicht aus. Hier geht es um strafrechtliche Relevanz, daher wenden wir uns an die staatlichen Behörden, die weitaus größere Ermittlungs- und Sanktionsmöglichkeiten haben.“
Zudem können beide bis auf weiteres keine Jahresturnierlizenz erhalten und sie haben Hausverbot inklusive bei Eigenveranstaltungen der FN. Außerdem wurde ein Ausschlussverfahren eingeleitet, um die Persönliche Mitgliedschaft zu entziehen. „Da die beteiligten Personen in ihrem Betrieb auch Pferdewirte ausbilden, hat die FN den Vorfall bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gemeldet und dort beantragt sowohl dem Betrieb als auch den Personen diesen Ausbilder-Status zu entziehen“, so die FN weiter. Damit habe der Sportverband alle seine Möglichkeiten ausgeschöpft, die Personen zur Rechenschaft zu ziehen.
Zuchtverband für deutsche Pferde leitet Ausschlussverfahren ein
Auch von anderer Seite gibt es bereits Konsequenzen für die beiden Deutschen, die die Tierquälerei ohne einzuschreiten beobachtet und von außen unterstützt haben sollen. Konkret zeige eines der Videos, dass Parras von Stefan Sandbrink unterstützt wird, „der das mit Schlaufzügeln von der Reiterin fixierte Pferd vom Boden aus festhält und ihr Anweisungen gibt, während das Pferd von Dr. Cesar Parra von unten und über eine lange Distanz, mehrere Minuten lang ausgepeitscht wird“. Seine Geschäftspartnerin Dr. Kerstin Klieber habe dabei an der Bande gestanden und die „Tierquälerei mit wohlwollenden Worten von außen unterstützt“.
Die beiden seien mit ihrer Dressurstall Sandbrink GmbH Mitglied des „Zuchtverbandes für deutsche Pferde e.V.“. Dieser leitete nun ein Ausschlussverfahren ein: Der Stall soll sämtliche Mitgliedsrechte verlieren und damit zukünftig nicht mehr an Veranstaltungen teilnehmen dürfen.
„Der Zuchtverband für deutsche Pferde e.V. steht für liberale Werte, insbesondere für art- und tiergerechtes Verhalten und versteht sich als Teil einer am Tierwohl orientierten Leitkultur“, teilte Vorstandsvorsitzender André Hascher am Dienstag mit. „Das auf den Videoaufnahmen zu sehende Verhalten verstößt gegen unsere Satzung.“








