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Trense: Was braucht mein Pferd?

Anke Rottmann by Anke Rottmann
18. Januar 2021

Gebiss, Einstellung, Trense, Kandare oder doch lieber gebisslos – wer sich eine neue Trense kaufen will, hat erst einmal die Qual der Wahl. Dabei ist die Entscheidung gar nicht so schwer – wenn Du Dir vorher die richtigen Fragen stellst…

Im Reitsportgeschäft ist die Auswahl bei Trensen riesig. Und das Angebot wird immer größer. Damit  dort keine falsche Entscheidung getroffen wird, sollten sich Reiter vor dem Shoppen ein bisschen mit dem Thema Trense beschäftigen. Genauer mit der Frage: Was will ich eigentlich? Freizeitreiter haben  andere Wünsche als Turnierreiter. Und auch da gibt es Unterschiede: Springreiter wählen gerne das mexikanische Reithalfter, Dressurreiter eher die Englische Variante.  Und damit sind wir schon mittendrin in der ersten Frage:

Welche Trense für wen?

Das Englische Reithalfter sieht man fast überall, es ist nicht nur das meistgenutzte, sondern auch in allen Bereichen des Reitsports vertreten. Am beliebtesten ist es bei Dressur- und Vielseitigkeitsreitern, aber auch Springreiter schwören auf den Klassiker. Das Englische Reithalfter hat den Ruf die Kautätigkeit zu fördern. Die Krafteinwirkung wird beim Englischen Reithalfter auf den Nasenrücken und das Pferdemaul verteilt. Beim Englisch kombinierten Reithalfter ist noch ein zusätzlicher Sperrriemen dabei – er verhindert das Aufsperren des Mauls und stabilisiert das Gebiss zusätzlich.

Das Schwedische Reithalfter hat einen breiteren Nasenriemen und eine Umlenkverschnallung am Kinnpolster. Es gibt Studien, die zeigen, dass diese Umlenkrolle mehr Bewegungsfreiheit im Reithalfter gibt und sich dadurch weniger Druck entwickelt. Trotzdem steht das Schwedische Reithalfter in der Kritik. Der Vorwurf: Durch die Umlenkverschnallung kann das Pferdemaul zugezerrt werden. Tatsächlich liegt darin eine Gefahr: Da sich der Nasenriemen besonders leicht schließen lässt, kann es passieren, dass er zu eng zugezogen wird.

Das Mexikanische Reithalfter ist bei Spring- und Vielseitigkeitsreitern besonders beliebt, da es die beste Atemfreiheit bieten. Dieses Reithalfter hat zwei sich auf dem Nasenrücken kreuzenden Nasenriemen, die unter dem Gebiss verschnallt werden. Die Anpassung ist etwas komplizierter: Das mexikanische Reithalfter sollte so locker sitzen, dass immer zwei Finger zwischen Riemen und Pferdekopf passen.

Das Hannoversche Reithalfter unterscheidet sich durch seinen Nasenriemen: Er wird deutlicher tiefer verschnallt. Der Kinnriemen wird dadurch eher wie eine Art Sperrriemen unter dem Gebiss verschlossen. Die Hannoversche Trense eignet sich für Pferde mit einer längeren Maulspalte und besonders maulsensible Pferde. Das Hannoversche Reithalfter muss unbedingt korrekt liegen und verschnallt werden, da es sonst schnell zu Verspannungen des Kiefergelenks beim Pferd kommen kann.

Welches Mundstückt passt zu mir?

Die einfach gebrochene Trense ist besonders beliebt. Sie wird auch Wassertrense genannt, da Pferde damit noch Wasser trinken können. Diese Trense übt Druck auf die Zunge und die Unterkante des Kiefers aus. Sie wird empfohlen für Pferde, die aktiv im Maul sind und junge Pferde, weil sie eine ausreichende Kontrolle bietet.

Die doppelt gebrochene Trense ist bei vielen Pferden beliebt, weil sie sich dem Maul gut anpasst. Dazu gilt sie als sanft. Empfohlen wird sie für junge und empfindliche Pferde.

Für Reiter mit nicht so ruhigen Händen wird oft die Olivenkopftrense empfohlen. Bei ihr sind die Ringe unbeweglich und kneifen daher nicht im Mundwinkel der Pferde.

Bei Pferden, die versuchen die Trense im Mund zu ziehen, kann eine Trense mit D-Ringen hilfreich sein. Dieses Gebiss wirkt vor allem auf die Backen und wird auch bei unerfahrenen Pferden empfohlen.

Die 3-Ring-Trense wird vor allem für ihre Vielseitigkeit geschätzt, da die Zügel auf verschiedene Art befestigt werden können. Das Gebiss wirkt vor allem auf die Maulwinkel und noch aufs Genick. Es sollte in erfahrenere, ruhige Hände, da das Gebiss sehr schnell wirkt und scharf werden kann.

Die Kandare wird vor allem von Dressurreitern genutzt und ist im Prinzip eine Trense im Doppelpack: Das Pferd hat zwei Mundstücke im Maul und der Reiter zwei Paar Zügel in den Händen. Die Kandare, das einteilige Mundstück mit Hebel, ist ein starkes Gebiss und sollte nur von erfahrenen Reitern mit ruhigen Händen genutzt werden.

Auch das Pferd hat die Wahl…

Ist die neue Trense verschnallt und der erste Ritt beginnt, sollte jeder Reiter noch einmal genau hinsehen. Erst jetzt zeigt sich nämlich, ob auch das Pferd mit der Wahl zufrieden ist. Bei diesen Alarmsignalen ist klar, dass etwas nicht passt:

  • nervöse Kopfbewegungen
  • Pferd versucht die Trense zu beißen
  • versucht die Zunge über die Trense zu legen
  • versucht den Mund zu öffnen,
  • schläft mit dem Schweif
  • versteift den Körper

Dann lieber absteigen und alle Verschnallungen noch einmal genau auf ihren Sitz überprüfen. Wenn es daran nicht liegt: Akzeptieren, dass diese Trense dem Pferd nicht passt – und eine andere ausprobieren.

Tags: GebissReithalfterTrense

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