Nicht immer geht alles glatt – auch nicht beim Alltag mit unseren geliebten Pferden. In dieser Kolumne berichtet unsere Autorin von einem schicksalshaften Unfall ihrer Stute Viona: „Mein Herz brach in tausend Teile, als ich meine schwer verletzte, leidende Stute, nach dem Unfall auf der Wiese sah.“
Der 17. Juli 2022, ein Sonntag, begann für mich um 7.30 Uhr morgens auf eine Weise, die ich nie vergessen werde. Ich lag friedlich in meinem Bett und schlummerte noch, als ein lautes Telefonklingeln mich abrupt aus meinen Träumen riss. Auf dem Display meines Handys leuchtete eine unbekannte Nummer auf, die ich nicht eingespeichert hatte.
Ohne ersichtlichen Grund überkam mich augenblicklich ein flaues Gefühl im Magen. Ich sprang aus dem Bett und war sofort hellwach, als ich den Anruf annahm. Am anderen Ende der Leitung war eine andere Einstellerin aus dem Stall. Ihre Stimme konnte ich nicht direkt zuordnen, doch ihre Worte hallen noch heute in meinem Kopf wider.
Die Schocknachricht: Mein Pferd hatte einen Unfall
„Hallo, hier ist Elke. Dein Pferd hatte einen Unfall. Sie steht auf drei Beinen. Du musst bitte sofort herkommen!“ Diese Worte versetzten mich augenblicklich in einen Notfallmodus. Mit ruhiger Stimme bedankte ich mich, während ich mich hastig anzog. Parallel weckte ich meinen Freund und notierte schnell Elkes Versicherungsnummer für die OP-Versicherung. Alles geschah in rasendem Tempo. Ich blieb fokussiert und organisiert, doch in mir wuchs eine beängstigende Vorahnung und ein mulmiges Gefühl.
Keine fünf Minuten später saßen wir im Auto auf dem Weg zum Stall, als mein Telefon erneut klingelte. Wieder war es Elke. „Bitte verständige sofort einen Tierarzt oder sprich mit einer Klinik, dass ihr kommen könnt. Es ist wirklich schlimm, und sie hat nun zusätzlich erste Anzeichen einer Kolik.“ Mein Herz raste, meine Hände zitterten, als ich die Nummer einer nahegelegenen Pferdeklinik wählte. Die Dame am anderen Ende war sehr hilfsbereit, nahm meine Daten und Sorgen auf und informierte den Bereitschaftsarzt über unsere Ankunft. Parallel dazu rief ich Freunde an, die uns mit ihrem Pferdeanhänger zum Stall fahren könnten. Auch sie machten sich sofort auf den Weg.
Ist Vionas Bein nach dem Unfall gebrochen?
Etwa 30 Minuten nach dem ersten Anruf kamen mein Freund und ich am Stall an. Ich eilte direkt auf die Wiese, auf der Elke mit meiner Stute Viona auf mich wartete. Als ich sie endlich berühren konnte, neben ihr stand und das volle Ausmaß des Geschehens mit eigenen Augen sah, verschlug es mir den Atem. Mein Herz brach in tausend Teile, als ich meine schwer verletzte, leidende Stute, nach dem Unfall auf der Wiese sah.
Sie hielt ihr rechtes Vorderbein dauerhaft in der Luft. Als wir versuchten, sie von der Wiese in Richtung Stall zu führen, um sie zu verladen, wollte sie nicht mitkommen. Mit viel Geduld und einem anderen Pferd als Begleitung stolperte sie mir langsam, mit vielen Pausen, auf drei Beinen hinterher. Es machte mich fertig, sie so leiden zu sehen. Ihr Gesicht war schmerzverzerrt, sie war komplett verschwitzt, ihre Atmung ging rasend schnell und die Nüstern waren aufgebläht.
Glück im Unglück war, dass Elke Tierarzthelferin ist und meinem Pony in Absprache mit der Klinik telefonisch ein Schmerzmittel verabreichen konnte, damit wir sie überhaupt in die Klinik bringen konnten. Das Verladen auf den Hänger gelang nur mit großer Anstrengung und Überredungskunst, trotz der leichten medizinischen Schmerzlinderung.
In der Klinik angekommen
In der Tierklinik wurden wir direkt freundlich empfangen und bereits erwartet. Ich durfte Vio in ihre zugewiesene Box bringen. Dort wartete auch schon der Tierarzt auf uns, der an diesem Sonntag Bereitschaft hatte. Er untersuchte sie gründlich, und es gab zahlreiche Vermutungen. Ein Knochenbruch, Haarrisse, Muskelrisse und andere Traumata wurden in Betracht gezogen. Es konnte nichts ausgeschlossen werden, und weitere Untersuchungen waren erforderlich, um eine eindeutige Diagnose zu stellen.
Am Abend verließ ich die Klinik in Begleitung meiner Freunde, die mir beistanden, jedoch ohne mein Pony und ohne Gewissheit, wie es für uns weitergehen würde.

Der emotionale Einbruch
In dem Moment, in dem ich nicht mehr funktionieren musste, in dem ich selbst nichts mehr für sie tun konnte, fiel meine gesamte Anspannung von mir ab, und ich konnte nicht aufhören zu weinen. Die Angst und Sorge um mein kleines Pony überwältigten mich. Dieses Gefühl der Machtlosigkeit zermürbte mich. Ich konnte nur warten und ihr nichts von all dem abnehmen.
Die Phase der emotionalen Unsicherheit dauerte noch drei weitere Tage an. Drei Tage, die von Diagnosen, Untersuchungen und bestätigten Vermutungen geprägt waren. In dieser Zeit war ich jeden Tag bei Viona und versuchte, ihr so gut wie möglich beizustehen. Solange ein Bruch oder Haarriss nicht ausgeschlossen werden konnte, durfte sie sich nicht hinlegen, und ihr Bein war geschient. Die Gefahr, dass sie sich beim Aufstehen weiter verletzen könnte, war einfach zu groß.
Daher verbrachte sie drei Tage lang angebunden in der Box und hatte kaum noch die Kraft, ihren Kopf selbst zu halten. Sie war erschöpft und verlagerte ihr Gewicht so stark auf die Hinterhand, dass es schien, als wollte sie sich hinsetzen. Sie war so unendlich tapfer und hat für uns gekämpft.
Die Untersuchungen
Es wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, darunter Ultraschalluntersuchungen, Röntgenaufnahmen an verschiedenen Tagen und Bluttests. Sie erhielt Schmerzmittel und alle erforderlichen Versorgungsmaßnahmen. Die umfangreichste und kostspieligste Untersuchung war jedoch die Szintigrafie. Dies ist eine nuklearmedizinische Untersuchungsmethode, bei der leicht radioaktiv markierte Substanzen verwendet werden, um strukturelle Veränderungen zu markieren. Diese Substanz sammelt sich an Stellen an, an denen Entzündungen, Haarrisse im Knochen, Frakturen, Bänderan- oder -abriss oder Fissuren vorliegen.
Auf dem Bild der Szintigrafie meines Pferdes lässt sich die pathologische Veränderung im Bereich der Trizebsmuskulatur durch die gelb-rote Färbung erkennen. Um diese aufschlussreiche Untersuchung durchzuführen, war eine Narkose erforderlich, aber sie half dabei, mehrere Vermutungen auszuschließen und die endgültige Diagnose zu stützen.

Die Diagnose
Bereits nach den ersten Untersuchungen war klar, dass die Verletzung von Viona durch den Tritt eines anderen Pferdes verursacht worden war. Sie hatte einen schweren Muskelschaden im rechten Trizeps, der so stark und schwerwiegend war, dass er ihr mit heftiger Wucht zugeführt worden war. Die Situation gestaltete sich jedoch besonders kompliziert, da es keine Möglichkeit gab festzustellen, ob der Nerv, der unter der Muskulatur liegt, ebenfalls geschädigt oder betroffen war. Daher konnte niemand eine genaue Aussage darüber treffen, wie die Heilungschancen standen und ob sie überhaupt jemals wieder laufen würde. Es blieb unklar, ob sie so weiterleben konnte.

Sie blieb weitere drei Wochen in der Pferdeklinik, und ich stand ihr täglich zur Seite, während wir gemeinsam auf ein kleines Wunder hofften…
Wie es mit Viona weiterging, liest Du in meinem Bericht über ihre Reha-Reise.








