Es sollten fröhliche Turnierwochen werden, doch dann mussten die Veranstalter die CES Valencia Spring Tour abbrechen: Der Equine Herpesvirus (EHV-1) war ausgebrochen. Bislang starben vier Pferde, mehr als 80 zeigen Symptome.
Die traurige Nachricht kam von U25-Talent Tim-Uwe Hoffmann: Der Springreiter musste von seinem Erfolgspferd Casta Lee FRH Abschied nehmen. Die 14-jährige Schimmelstute hatte sich bei der CES-Tour in Valencia mit dem Herpes-Virus angesteckt. Das mehrwöchige Groß-Turnier musste am 22. Februar abgebrochen werden, weil mehrere Pferde Krankheitssymptome zeigten, die auf einen Ausbruch des Herpesvirus‘ hindeuteten.
Springreiter nehmen Abschied von verstorbenem Pferd Casta Lee FRH
Für Tim-Uwe Hoffmann ist es ein fürchterlicher Schlag. Seit 2012 war er mit Casta Lee FRH im Springsport unterwegs. Gemeinsam haben der heute 25-Jährige und die Stute Erfolge ersprungen. „Mach’s gut, unsere beste Freundin“, nimmt er auf Instagram emotional Abschied. „Keine Worte können beschreiben, wie dankbar wir für 10 wundervolle Jahre sind, unsere Herzen sind gebrochen… RIP Casta Lee FRH – once in a lifetime horse.“
Viele Reiterkollegen trauern mit ihm, wie die Südafrikanerin Alexa Stais: „Casi, du warst wirklich einzigartig“, schrieb sie auf Instagram. „Bitte betet für unsere anderen Pferde, die in Valencia noch gegen das Equine Herpesvirus kämpfen.“
Auch Springreiterin Janne-Friederike Meyer-Zimmermann fühlt mit den Kollegen: „Wir sind in Gedanken bei unseren Freunden, Reiterkollegen, Pferdebesitzern, Pflegern und den Tierärzten, die zur Zeit in Valencia oder Zuhause um das Leben ihrer Pferde kämpfen oder sie bereits verloren haben“, schrieb sie auf Facebook. Denn neben Casta Lee FRH sind bereits drei weitere Pferde bei dem Herpes-Ausbruch in Valencia verstorben.
Vier Pferde in Valencia an Herpes gestorben
Die Fédération Equestre Internationale (FEI) spricht von dem wahrscheinlich schlimmsten Ausbruch des Equinen Herpesvirus (EHV-1) seit Jahrzehnten in Europa: „Tragischerweise sind vier Pferde im Verlauf des Wochenendes gestorben. 84 Pferde zeigen in den Stallungen klinische Symptome und werden behandelt, weitere elf Pferde sind in externen Kliniken untergebracht.“ Vor Ort kümmern sich 21 Tierärzte um die Pferde, weitere Stallzelte wurden bestellt, damit die gesunden Pferde von den kranken getrennt werden können.
Dazu kommen aus Frankreich aufblasbare Matten, die dringend gebraucht werden. Denn: Bei schweren Verläufen von EHV-1 schwanken die Pferde, fallen hin oder können gar nicht mehr aufstehen. Mit diesen Matten werden die Pferde gestützt, wenn sie stehen. Das ist wichtig, um Kreislauf und Organe zu entlasten.
Wie dramatisch der Kampf um die erkrankten Pferde ist, zeigt ein Video des französischen Tierarztes Christoph Schlotterer, das er auf Facebook gepostet hat:
Ein achtjähriges Pferd, das in Valencia an Herpes erkrankt ist, ist an einem Frontlader aufgehängt und kommt langsam wieder auf die Beine. Das Video ist ein Zusammenschnitt und dokumentiert den Krankheitsverlauf einer Woche.
FEI sagt wegen Herpes-Ausbruch Turniere in Europa ab
Weil sich der äußerst aggressive Erregerstamm des neurologischen Equinen Herpesvirus mittlerweile auch in mindestens drei anderen Ländern in Europa verbreitet hat, hat die FEI für die kommenden vier Wochen alle internationalen Turniere in zehn europäischen Ländern abgesagt. Das gilt auch für Deutschland.
„Es war keine leichte Entscheidung, Turniere auf dem europäischen Festland zu sperren“, erklärt FEI-Generalsekretärin Sabrina Ibáñez. „Besonders nach der massiven Unterbrechung im FEI-Kalender durch die Covid-19-Pandemie.“ Doch der Erregerstamm sei besonders aggressiv.
Deshalb zählt aktuell nur eins: „Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Pferde sicher sind.“








