Futter macht nicht nur satt – es ist auch lebenswichtig. Und da spielt die Verdauung beim Pferd die Hauptrolle. Denn nur wenn die reibungslos funktioniert, geht es unseren Partner auf vier Hufen gut. pferde.de hat die wichtigsten Fakten für Dich.
Kaum hat ein Pferd sein Futter im Maul, beginnt sie bereits – die Verdauung. Und die läuft in vier Bereichen ab: Maul und Schlund, Magen, Dünndarm und Dickdarm.
Und sie dauert: Bis das Futter am Ende ankommt, können bis zu 72 Stunden vergehen. Übrigens: Im Körper des Pferdes sind circa 80 Prozent der Immunzellen in unmittelbarer Nähe des Darmes. Heißt: Sind Verdauung und Darm gesund, stärkt das auch die Abwehr Deines Pferdes.
Doch was ist wichtig bei der Verdauung? Hier acht Fakten:
1. Raufutter für den Speichelfluss
Beim Kauen wird Speichel produziert. Und der sorgt nicht nur dafür, dass das Essen besser durch den Körper „flutscht“. Er ist auch ist entscheidend für die Neutralisierung von Magensäure und senkt damit das Risiko von Magengeschwüren. Futtert Dein Pferd Raufutter, produzieren die Speicheldrüsen bis zu 37 Liter Speichel pro Tag. Bei Kraftfutter ist es deutlich weniger.
Der Grund: Bei Kraftfutter neigen viele Pferde zum Schlingen. Und große Mengen an Kraftfutter bringen den Darm in Schwierigkeiten. Durch die Stärke kann es dort zum Beispiel zu vermehrter Gasbildung kommen.

2. Der Magen läuft im Dauerbetrieb
Tatsächlich kennt der Pferdemagen keine Auszeit. Er ist rund um die Uhr in „Lauerstellung“ und wartet auf neues Futter. Kein Wunder: Wildpferde sind bis zu 18 Stunden mit Futtern beschäftigt. Und genau auf dieses Leben ist der Magen eingestellt. Heißt: Er produziert ständig Magensäure– unabhängig davon, ob er gefüllt ist oder nicht. Deshalb sind viele kleine Portionen täglich wichtig für Pferde. So kannst Du zum Beispiel Magengeschwüren vorbeugen.
3. Die Darmflora wird langsam aufgebaut
Beim Pferd findet der Großteil des Verdauungsvorgangs, anders als beim Menschen, im Dickdarm statt. Damit dieser seine wichtigen Funktionen einwandfrei erfüllen kann, benötigt er eine gesunde Darmflora. Dabei werden Pferde ohne Darmflora geboren – sie wird erst nach einiger Zeit aufgebaut.
Eine Untersuchung zeigte: Neugeborene Fohlen haben erst nur eine sehr geringe Anzahl an Bakterien in ihrem Kot. Während der ersten Tage ihres Lebens werden sie von Escherichia coli besiedelt. Im Vergleich dazu bleibt die Zahl von Enterococcus bis zum zehnten Lebenstag niedrig. Und erst zwei bis vier Wochen nach der Geburt sind Bakterienstämme wie Streptococcus und Staphylococcus nachweisbar. Damit liefert die Studie deutliche Hinweise darauf, dass der Fohlendurchfall zur normalen Entwicklung von Pferdefohlen gehören könnte.
Anzeichen für eine gestörte Darmflora sind Blähungen, Darmkrämpfe, stinkender Kot, Durchfall, Kotwasser und auch Koliken.
4. Verdauung beim Pferd: Dünndarm verwertet schnell
Der Dünndarm besteht aus drei Teilen: Zwölffingerdarm, Leerdarm und Hüftdarm. Insgesamt ist er ungefähr 20 Meter lang und hat ein Fassungsvermögen von zirka 64 Litern. Und er ist der „Sprinter“ bei der Verdauung: Nur knapp 90 Minuten arbeitet der Dünndarm mit dem Speisebrei. Sein Job: Er verwertet die schnellverdaulichen Kraftfutterbestandteile. Er verdaut zum Beispiel Getreidestärke. Und auch Fette und Co. werden hier verarbeitet.
Übrigens: Da das Pferd keine Gallenblase besitzt, übernimmt die Leber die Gallenproduktion. Die Gallenflüssigkeit gelangt über den Gallengang in den Zwölffingerdarm. Die Faseranteile von Heu und Stroh werden dagegen fast unverdaut zum Dickdarm weitergeleitet.

5. Dickdarm: Klein, aber oho
Im Vergleich zum Dünndarm ist der Dickdarm eher klein: gerade mal acht Meter Länge hat er. Dafür kann er aber bis zu 130 Liter fassen. Hier zersetzen Massen von Einzellern und Bakterien die Zellulose aus Heu und Stroh. Dieser Prozess dauert 33 bis 44 Stunden. Dabei entstehen neben B-Vitaminen wie Biotin vor allem hoch verdauliche Fettsäuren (Propion- und Buttersäure), die über die Dickdarmschleimhaut aufgenommen und dem Körper als Energie bereitgestellt werden. Damit die Mikroorganismen überleben und ihre Aufgabe hundertprozentig erfüllen können, ist ein Mindest-Rohfasergehalt im Futter essentiell.
6. Auch Bakterien sind „Gewohnheitstiere“
Kaum zu glauben, aber Bakterien mögen es traditionell. Heißt: Vorsicht bei neuem Futter. Der Grund: Die Bakterien und Mikroben spezialisieren sich auf die Fermentation der Art Futter, die das Pferd normalerweise frisst. Wenn ein neues Futter plötzlich eingeführt wird, können die es nicht effektiv gären. Die Folge sind dann oft Koliken. Deshalb solltest Du einen Futterwechsel langsam vornehmen. Und deshalb ist zum Beispiel auch das richtige Anweiden so wichtig!
7. Was Pferdeäpfel über die Verdauung beim Pferd verraten
Was beim Pferd hinten rauskommt, ist durchaus einen genauen Blick wert. Denn: An dem Kot kannst Du viel erkennen. Normalerweise sollte seine Form der von kleinen Äpfeln gleichen. Farblich gilt eine Grün-Braun-Gelb-Mischung als normal. Dagegen ist ein breiiger und unangenehm riechender Kot ein Hinweis auf eine mögliche Erkrankung. So könnte zum Beispiel das Futter im Darm nicht ausreichend aufgeschlossen und verwertet werden. Ist der Kot jedoch trocken, hell und hart, weist er auf eine beginnende Verstopfung hin. Mögliche Ursache: die Fütterung von zu viel Kraftfutter oder altem, grobem Heu beziehungsweise Stroh.

8. Hinweise, wenn die Verdauung Probleme macht
Wenn die Verdauung Deines Pferdes nicht rund läuft, ist das nicht immer leicht zu erkennen. Denn es gibt eine Vielzahl von Symptomen. Zu den typischen Anzeichen gehört auch Appetitlosigkeit. Bei Pferden, die darunter leiden oder plötzlich stark abmagern, lohnt sich ein Blick ins Pferdemaul. Nicht selten sind Zahnprobleme oder Entzündungen in der Mundhöhle die Ursache einer schlechten Futterverwertung.
Weitere Symptome sind:
- Liegen zu ungewöhnlichen Uhrzeiten
- Wesensveränderungen (Unruhe, Apathie)
- zu starke, verminderte oder eventuell gar nicht vorhandene Darmgeräusche
- Schweifschlagen
- Aufstampfen, unter den Bauch treten,
- häufiges Wälzen, aufstehen und wieder hinlegen
- Schwitzen
- Flehmen
- Stöhnen
- zum Bauch blicken
Wenn Du diese Anzeichen bemerkst, solltest Du den Tierarzt holen.









Eine klitzekleine Anmerkung:
Gallenflüssigkeit wird bei allen Säugetieren in der Leber produziert, auch beim Mensch. Die Gallenblase beim Mensch fängt es nur auf und schüttet es wieder aus, wenn Fett verdaut werden muss. Aber die Gallenblase produziert nirgends irgendwas. Im Artikel wird leider der Eindruck erweckt es wäre anders.