Der Zahnwechsel ist bei Jungpferden eine herausfordernde Zeit. Auch unsere Autorin erlebte einige Hindernisse mit ihrem Jungpferd – zum Beispiel die Folgen eines Kieferanbruchs als Fohlen. Ihr Fazit – so abgedroschen es auch klingt: „Man lernt nie aus!“
Meine Stute Viona ist im April 2020, kurz vor ihrem dritten Geburtstag, als rohes Jungpferd bei mir eingezogen. Von Beginn an lies sie sich derart ungern am Kopf anfassen und war doll Kopfscheu. Da ich sie von einer gewissenhaften Züchterin bekommen habe, stand es für mich nahezu ausser Frage, dass es an schlechten Erfahrungen mit einem Menschen liegt. Dennoch hörte ich mich nie auf zu fragen, woran das liegen könnte. Auf die finale Diagnose „Kieferanbruch“ wäre ich niemals gekommen…
Wann wachsen die Milchzähne beim Pferd?
Die ersten Milchschneidezähne werden normalerweise vor der Geburt des Fohlens angelegt. Die letzten Milchzähne brechen jedoch erst durch das Zahnfleisch, wenn das Fohlen ungefähr acht Monate alt ist. Diese Milchzähne werden dann ab einem Alter von zweieinhalb Jahren durch die bleibenden Zähne ersetzt.
Zahnwechsel beim Jungpferd
Als ich eines Morgens auf den Paddock kam, sah meine dreieinhalb Jahre junge Pony-Stute aus wie ein kleines, zuckersüßes Kind mit einer großen Zahnlücke.
Zu diesem Zeitpunkt befand sie sich mitten im Zahnwechsel, einer Phase, in der insgesamt zwölf Zähne einem Wechsel ausgesetzt sind. Dabei werden vier Milchschneidezähne und vier Milchbackenzähne durch bleibende Zähne ersetzt, während vier als bleibende Zähne angelegte Backenzähne durchbrechen. Die letzten Schneidezähne wechseln erst mit circa viereinhalb Jahren.

Herausforderungen im Zahnwechsel
Der Zahnwechsel brachte nicht nur physische Veränderungen mit sich, sondern auch eine Menge Unbehagen für mein Pferd. Ähnlich wie bei kleinen Kindern sind junge Pferde in dieser Zeit oft launisch und maulig. Alles schien irgendwie wehzutun oder zu jucken und sie hatte den Drang, auf allem herumzubeißen und zu knabbern. An manchen Tagen war meine Stute so genervt, dass wir einfach nur Zeit auf dem Paddock verbrachten.
Der zeitliche Ablauf des Zahnwechsels sollte deshalb unbedingt beim Anreiten und Ausbilden des Jungpferdes berücksichtigt werden.
Diese verflixten Milchzahnkappen
In dieser besonderen Zeit des Zahnwechsels, ist es bei einem jungen Pferd besonders wichtig, regelmäßig einen Zahnarzt mit drauf gucken zu lassen. Denn oft fallen die Milchzähne aus und wir Besitzer sehen es nicht direkt. Hierbei gibt es aber eine Tücke!
Im Prozess des Zahnwechsels löst sich der Milchzahn allmählich von der Wurzel an auf. Zurück bleibt die Milchzahnkappe, die durch den Druck des nachfolgenden und bleibenden Zahnes schließlich herausfallen sollte. In der Regel verläuft der Zahnwechsel recht problemlos. Allerdings können während dieses Prozesses Teile der Milchzahnkappen zurückbleiben und als Splitter im Zahnfleisch des Jungpferdes Schmerzen verursachen.

Wenn diese Splitter an einer ungünstigen Stelle liegen, können sie jahrelang im Zahnfleisch verbleiben. Zusätzlich sammeln sich unter den Milchzahnkappen Essensreste an, die im Laufe der Zeit zu Verrottung führen können und dem Pferd schaden.
Safety First!
Ich entschied mich, die Zahnkontrolle in einer nahe gelegenen Pferdeklinik durchführen zu lassen, da meine frühere Tierärztin keine speziellen Werkzeuge für die Zahnbehandlung hatte und ich mir Sorgen über eine mögliche Sedierung am Stall machte. Die Untersuchung in der Klinik verlief routiniert und ohne Komplikationen. Die jährlichen Kontrollen wurden anschließend weiterhin von meiner Tierärztin am Stall durchgeführt und bisher schien alles in Ordnung zu sein.
Bei der nächsten regulären Zahnkontrolle befand sich mein Pony in der Pferdereha und war zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt. Der Zahnspezialist, der die Reha regelmäßig besucht, erklärte und zeigte mir alles sehr ausführlich. Ich fühlte mich zu jeder Zeit gut informiert und verstand, warum bestimmte Maßnahmen ergriffen wurden.

Der Schock – Kieferanbruch als Fohlen
Während der Untersuchung gab der Zahnarzt mir sofort den Hinweis, dass mein Pony in jungen Jahren einen Kieferanbruch erlitten hatte. Normalerweise ist dies kein gravierendes Problem und heilt von selbst, erklärte er mir. Dennoch erforderte es eine engmaschigere Überwachung durch den Zahnarzt in der Zukunft. Das bedeutete für mich, dass ich nicht mehr nur einmal im Jahr, sondern alle sechs Monate eine Kontrolle durchführen lassen sollte.
Der Kiefer war leicht schief zusammengewachsen, da er nur angebrochen war, was dazu führte, dass die bleibenden Zähne nicht ganz gerade nachwuchsen. Dies musste regelmäßig korrigiert werden, um das Problem bald zu lösen.
Endlich eine Erklärung
Hiermit hatte ich nun endlich die Erklärung dafür, warum mein Pony so empfindlich am Kopf war und dort nicht angefasst werden wollte. Es lag nicht an einem Versagen meinerseits oder an schlechten Erfahrungen, die sie mit Menschen gemacht hatte. Vielmehr war es wahrscheinlich, dass es sich irgendwo heftig den Kopf gestoßen hatte – vielleicht so, dass niemand es bemerkt hatte, aber dennoch stark genug, um den Kiefer anzubrechen und eine deutliche Wirkung zu hinterlassen.
Im Nachhinein machte ich mir Vorwürfe, denn die schief nachwachsenden Zähne beeinträchtigten ihre Fähigkeit zu kauen und führten regelmäßig zu Schmerzen und Entzündungen im Kiefergelenk. Obwohl ich mich auf die Meinungen von Fachleuten verließ, erkannte ich, dass es manchmal besser ist, einen Spezialisten hinzuzuziehen.
Mein Fazit
Der Zahnwechsel bei meinem Jungpferd und der damit verbundene Kieferanbruch waren für mich eine lehrreiche Erfahrung. Trotz Herausforderungen und unerwarteter Entdeckungen habe ich gelernt, dass man nie aufhört zu lernen.








