Schon als Kind liebte Mia Rodley Pferde. Dabei begeisterte sie vor allem die Freiheitsdressur und gebissloses reiten. Jetzt trat sie mit ihrem Wallach Boogie die erste Dressurprüfung ohne Trense an – und gewann.
Der Pferdevirus wurde ihr nicht in die Wiege gelegt. Im Gegenteil: In ihrer Familie gab es keine Pferde. Doch schon als Kind liebte die Engländerin Mia Rodley Pferde über alles. Die Folge: Sie verbrachte jede freie Minute im Stall. Mit 13 Jahren hatte sie dann ein Aha-Erlebnis: Sie lernte Parelli Natural Horsemanship kennen – und war sofort begeistert.
Sie besuchte Onlinekurse und vier Jahre später hatte sie dann mit ihrem irischen Sportpferd Solo den ersten Parelli-Kurs. Danach stand für sie fest: Das will sie machen! Mit 21 bekam sie ein Vollstipendium, war sechs Monate bei Pat und Linda Parelli in Amerika. Als lizensierte Parelli-Trainerin führt sie heute ihren eigenen kleinen Hof in England, bildet Pferde aus, gibt Kurse und tritt bei Shows auf.
Sie dachte nicht eine Sekunde, dass sie gewinnen könnte
Ihr Herz schlägt dabei für die Freiheitsdressur – und gebissloses reiten. Also ohne Trense, dafür mit einem Halsring. Als Boogie zu ihr kam, beschloss sie daher: ihn will sie von Anfang an gebisslos trainieren. Jetzt trat sie zum ersten Mal mit dem mittlerweile siebenjährigen Wallach bei einem Turnier an. Und ist von dem Erfolg noch immer überwältigt. Denn: Rodley holte sich den 1. und 2. Platz bei einem „Dressur mal anders“-Turnier Equi-Fun Club am Plumpton College.

„Es war unglaublich“, sagte sie gegenüber Horse &Hound. „Ich bin so stolz auf ihn, er ist ein unglaubliches Pferd.“ Und sie gibt zu: „Wir gingen ohne Erwartungen zum Turnier, wollten einfach nur sehen, wie es uns geht.“ Dass sie gewinnen könnte – daran hat sie nicht eine Sekunde gedacht. „Wir wollten gerade gehen und ich dachte, ich sollte besser meine Protokolle von der Prüfung holen. Da sagten sie zu mir ‚Du bist Erster und Zweiter geworden‘. Ich konnte es nicht glauben.“ Was sie am meisten freut? Die Kommentare der Richter, die die harmonische Partnerschaft lobten.
Ohne Trense: Der erste Ritt war am Strand
„Das war mein Ziel“, gibt sie zu. Denn Boogie, der als Fohlen zu ihr kam, wollte sie von Anfang ohne Trense ausbilden. „Sein erster Ritt war ohne Zaumzeug und ohne Sattel am Strand! Das war schon eine Herausforderung für mich.“ Rund 18 Monate hätte es gedauert, bis Boogie so weit war. Vorher arbeitete sie vom Boden aus mit ihm, brachte ihm bei auf die Signale des Halsrings zu reagieren. Das war nicht immer leicht. „Es ging nur Schrittweise vorwärts“, sagt sie. „Aber ich habe mich einfach darauf eingelassen, ich habe dem Prozess vertraut.“
Die ersten Erfolge gaben ihr recht. „Das war wirklich cool. Ich war so fasziniert und habe mich gefragt: Kannst du ihm auch die Versammlung ohne Zügel beibringen? Ist das möglich?“ Sie lacht: „Boogie beweist, dass es möglich ist.“ Trotzdem stand Rodley vor einem Problem: Es gibt kam Turnierveranstalter, die Teilnehmer ihre Pferde ohne Trense reiten lassen. Oft gebe es Bedenken wegen der Sicherheit und der Kontrolle über das Pferd. Doch Rodley ist voll versichert – und „hatte wirklich Glück“, sagt sie. Denn bei diesem Turnier war (fast) alles erlaubt. Die Reiter durften ohne Trense und auch ohne Sattel starten.
Ohne Trense – zu wenige Veranstalter erlauben es
„Ich hatte der Organisatorin, Rebecca von Equi-Fun, eine E-Mail geschickt“, so Rodley. „Darin habe ich ihr Videos von dem, was wir tun, geschickt. Und gesagt: ‚Ich bin voll versichert, bitte, bitte, bitte, lässt du es mich mit Halsring ausprobieren? Und sie sagte ja.“ Sie möchte andere inspirieren es auch ohne Trense zu versuchen. „Ich möchte, dass die Leute sehen, dass man kein Zaumzeug braucht, es ist kein notwendiges Gerät, um auftreten zu können. Man muss diese mentale Verbindung zu ihnen haben.“
Sie weiß, dass es strenge Gesundheits- und Sicherheitsrisikobewertungen geben müsste, um mehr Wettkämpfe ohne Zaumzeug zu ermöglichen. „Die meisten von uns sind gründlich ausgebildet und werden uns oder unsere Pferde nicht in eine Situation bringen, in der wir nicht glauben, dass sie gut abschneiden werden“, sagt sie. „Gerade angesichts dessen, was derzeit in der Welt des Pferdesports passiert, wäre es spektakulär, wenn mehr Menschen ohne Zaumzeug an den Start gehen dürften.“








