Zu wenig Heu und zu viel Stroh, Futterumstellung, Stress – es gibt mehrere Ursachen für eine Kolik. Und ausgerechnet die Verstopfungskolik hat im Winter Hochsaison. pferde.de erklärt, woran das liegt und wie Du vorbeugen kannst.
Sie ist unter Pferdebesitzern besonders gefürchtet: die Kolik. Und das aus gutem Grund: Sie steht als eine der häufigsten Todesursachen bei Pferden ganz weit oben. Im Frühjahr ist die Gefahr groß, denn das frische Gras kann bei Pferden Bauchschmerzen auslösen. Deshalb sollen Pferde langsam angeweidet werden.
Aber auch im Winter besteht ein höheres Kolik-Risiko – besonders für die Verstopfungskolik. Der Grund: Wenn es stark schneit oder der Boden gefroren ist, bleiben viele Pferde für längere Zeit im Stall. Der Bewegungsmangel schlägt auch auf den Darm. Denn während wir Menschen ein automatisches Muskelsystem haben, das den Nahrungsbrei durch den Darm transportiert, braucht der Pferdedarm zusätzlich Bewegung von außen, um gut zu funktionieren.
Verstopfungskolik kann verschiedene Ursachen haben
Dazu kommt, dass Pferde im Winter kein Gras fressen, sondern oftmals ausschließlich trockenes Futter wie Stroh, Heu und Kraftfutter bekommen. Gleichzeitig sinkt mit den Temperaturen bei Pferden die Trinklust – eine fatale Kombination für den sensiblen Pferdedarm.
Die gute Nachricht dabei: Du kannst die Gefahr einer Verstopfungskolik deutlich senken. Dafür braucht Dein Pferd:
- Bewegung: „Pferde sollten, wann immer möglich, für mindestens eine Stunde täglich ins Freie kommen – auch bei Schnee, für mindestens eine Stunde täglich. Wenn das nicht möglich ist, sollten sie in einem sicheren Reitplatz bewegt oder frei gelassen werden“, erklärt Dr. Katie Snalune, Leiterin der britischen „Newnham Court Equine Clinic“ in einem Beitrag für „Horse and Hound“. Wichtig dabei: Auch wenn die Pferde draußen sind, „bewegen sie sich dort möglicherweise viel weniger als unter normalen Umständen. Die Besitzer sollten die Pferde dann zusätzlich bewegen.“
- gutes Futter: Rationen mit viel Raufutter und wenig Kraftfutter fördern die gesunde Darmbewegung. Dabei sollten Pferde gleich aus zwei Gründen viel hochwertiges Heu bekommen: Erstens bringt es den Darm in Schwung und zweitens sorgt es dafür, dass Pferde nicht ihre Stroheinstreu auffuttern. Denn Stroh hat einen hohen Anteil von schwerverdaulichen Fasern und gehört damit zu den Hauptauslösern für Koliken. Wenn Dein Pferd also partout nicht vom Stroh lässt und sich damit satt futtert, ist eine Umstellung zum Beispiel auf Späne eine Alternative.

- ausreichend Wasser: Zwar würden Pferde, hätten sie die Wahl, eher kaltes als warmes Wasser trinken. Doch wenn die Temperaturen draußen sinken, trinken sie weniger. Eine amerikanische Studie zeigt dagegen: Wird ihnen im Winter warmes Wasser gegeben, trinken sie im Schnitt 40 Prozent mehr. Also: Stell Deinem Pferd ruhig regelmäßig einen Kübel mit warmen Wasser hin. Der beste Zeitpunkt dafür: Direkt nach der Fütterung, dann trinken die meisten Pferde besonders gerne. Und natürlich solltest Du darauf achten, dass die Tränken nicht einfrieren!
- Salz: Das kann Dein nämlich Pferd zusätzlich zum Trinken animieren. Dabei kann bereits ein Leckstein helfen. „Manchmal kann auch eine kleine Zugabe von Salz – etwa morgens und abends ein Esslöffel Tafelsalz oder Kaliumchlorid zur jeweiligen Ration – die Pferde zu vermehrtem Trinken anregen“, so Dr. Katie Snalune.
Und noch ein Tipp, wenn Dein Pferd zu den trinkfaulen Exemplaren gehört: Hier kann flüssig angerührtes Mash helfen. So nimmt Dein Pferd mehr Flüssigkeit auf. Dazu fördern die enthaltenen Schleimstoffe die Darmbewegung.
Dein Pferd zeigt Symptome einer Verstopfungskolik?
Wenn Du die ersten Anzeichen einer Kolik bemerkst, zum Beispiel wenn Dein Pferd mit den Vorder- und Hinterbeinen scharrt, sich immer wieder nach seinem Bauch umsieht, sich hinlegt und Schweißausbrüche hat – dann solltest Du sofort den Tierarzt alarmieren.
Bis er da ist, solltest Du:
- sämtliches Futter und Stroh aus der Box entfernen, aber Wasser zum Trinken geben
- wenn möglich Dein Pferd langsam führen
- auf keinen Fall auf eigene Faust irgendwelche Medikamente (auch keine Wurmkuren) geben
Verstopfungskolik beim Pferd: Behandlung
Die tierärztlichen Behandlungen bei einer Kolik können schnell teuer werden – dann ist es gut, wenn Du Dein Pferd versichert hast. Die Uelzener bietet etwa speziell eine Kolik-Versicherung an. Diese übernimmt alle Tierarztkosten, die im Zusammenhang mit einer Kolik stehen, ab der ersten Behandlung für 21 Kalendertage. Und zwar sowohl für Behandlungen im Heimatstall, als auch in der Tierklinik. Auch eine Kolik-OP, stationäre Unterbringung und bildgebende Verfahren sind von der Versicherung abgedeckt, wenn die Behandlungen nicht anschlagen.
Wie lange dauert eine Verstopfungskolik?
Je nachdem, wann das Pferd Symptome zeigt und welche Behandlungsform gewählt wird, kann eine Verstopfungskolik unterschiedlich lange dauern. Generell empfiehlt es sich, das Pferd erst ein bis zwei Tage nach einer überstandenen Kolik wieder zu reiten. Du solltest mit Deinem Partner auf vier Hufen aber erst langsam zurück ins Training starten und genau darauf achten, wie es ihm mit der Bewegung geht. Im Zweifel den Tierarzt um Rat fragen!








