Abkauübungen - anschaulich erklärt von Nadja Zolles

Hallo meine Lieben,

heute möchte ich über Abkauübungen berichten. Dazu benötigt man ein Gebiss im Maul. Anfangs arbeite ich gerne mit einem einfach gebrochenen Olivenkopf oder Schenkeltrense, nicht zu dünn. Dennoch sollte jeder schauen, mit welchem Gebiss sein Pferd gut klar kommt.

Ich fange gerne damit an, den Kopf des Pferdes nach vorne/oben zu strecken. Man führt die Nase des Pferdes nach vorne/hoch, als würde es ein Blatt vom Baum ganz oben runter holen. Das klingt jetzt erst mal komisch für jemanden, der sowas noch nie gehört oder gesehen hat, da jeder davon spricht, den Kopf und Hals rund oder tief zu bekommen. Diese Abkauübung dehnt und stretcht die Ganaschen, den ganzen Unterhals, bis hin in den Brustbereich. 

Ich nehme hierfür beide Zügel zwischen Zeigefinger und Daumen und wirke nach oben ein. Natürlich alles mit Gefühl und nicht jedes Pferd kommt gleich bis nach oben. Je schwieriger es nach oben hin gibt, desto stärker die Verspannungen. Für mich ist es immer wichtig dahin zu arbeiten, dass das Pferd „gibt“! Damit verstehen viele Nachgeben, das meine ich damit nicht. Wenn es nachgibt, muss vorher Druck stattgefunden haben. Viel lieber denke ich an eine Führung, die das Pferd dahin führt und fühlt, wie viel ist es bereit zu geben. Manche Pferde sind so fest, dass sie erst mal nur bis zu einem bestimmten Punkt kommen. Das Ziel ist, das Pferd über seine Grenze hinweg zu helfen, so dass es den Weg fast selbst gefunden hat und merkt, dass ihm diese Übung gut tut. So strecke ich mehrmals hintereinander den Kopf nach oben. Ich lasse ihn aber nur kurz oben, nicht oben verweilen. Danach lasse ich die Zügel so gut es geht ganz los und beobachte das Pferd. In den Momenten, wo sich etwas löst, zeigen die Pferde genau ihre Problematik. Manche drehen den Kopf nach rechts oder links, manche strecken die Zunge raus, oder verdrehen ihren Unterkiefer, manche stecken sich einfach nach unten, manche fangen an zu husten, ganz unterschiedlich. 

Die nächste Abkauübung ist das Stellen nach rechts oder links. Hierbei ist wichtig, dass das Pferd den Hals gerade hält und sich nur in den Ganaschen löst und die äußere Seite des Halses dehnt. Hierbei ist zu beachten, dass es sich nicht verwirft. Dennoch auch bei dieser Übung darauf achten, dass es gibt und nicht zu krampfhaft das Verwerfen unterbinden. Alles mit Gefühl und manche Dinge brauchen  ihre Zeit. Gerade wenn man mit einem Pferd trainiert, das sehr steif ist, sieht vieles erst mal nicht schön aus und fühlt sich komisch an. Es dauert immer so lange wie es dauert und bis das Pferd einem sagt, dass es bereit ist. Achtet auch auf eure Hände, Arme und Schultern, es sollte nicht mit einem riesen Kraftaufwand und Verspannungen enden. Ich kann jedem nur empfehlen, vor dem Reiten Abkauübungen zu machen, dazu noch die Hinterhand zu mobilisieren (aus meinem ersten Beitrag) und euer Pferd ist perfekt warm gemacht, gelöst und bereit zum Reiten. Natürlich kann man auch während oder nach dem Reiten nochmal Abkauübungen machen oder mobilisieren. Viel Spaß!

Eure 

Nadja Zolles

 

www.reitkunstbynadjazolles.de