Bee: Endlich geht es wirklich in den Busch!

Bislang hatte ich nur wenige Turniererfahrungen gesammelt, die sich in erster Linie auf Dressur bezogen haben. Da war die Tendenz eher negativ: von Reitpferdeprüfungen mit einem „normal-angespannten-Jungpferd“ bis hin zu A-Dressuren mit einem „unrealistisch-ausrastendem-Jungpferd-mit-starker-Tendenz-zur-Flucht“... na, das kann ja was werden!

Dazu muss man wissen, in der heimischen Reithalle wohnt jemand. Oder etwas. Erwin, das Schreckgespenst. Er poltert manchmal auf Höhe A zwischen dem Hindernismaterial. Erwin sitzt aber häufig auch auf dem Reitlehrerstuhl in der Ecke bei C. Ich sehe ihn nicht. Aber Bee und einige Pferdekollegen sind sich sicher, Erwin ist da und Erwin ist gefährlich!

Erwin kennen wir ja wenigstens, aber was sich so in fremden Hallen tummelt, ist scheinbar noch viel schrecklicher! Also was macht der gewöhnliche Reiter in so einem Fall, wenn das Pony so viel glotzt? Klare Sache: lieber mal ein Springen versuchen!

Begonnen hatte dieses Vorhaben mit einem Hunter-Springen, 75cm Parcours. Bee hat natürlich auch hier hinter Werbebannern und im Richtertürmchen Wesen aus dem All gesehen, vermutlich Erwins Verwandtschaft. Er hat eine wirklich große Familie, die sehr interessiert am Reitsport zu sein scheint!

Nur ist es im Springen einfach nicht so relevant. Wenn Bee erstmal galoppieren darf und die Sprünge sieht, ist das erstmal wichtiger. So geschah es, dass wir in diesem allerersten kleinen Springen 2. wurden. Knaller oder? Das fand ich schon. Das sollte keine Ausnahme bleiben! Wir starteten in Geländeprüfungen der Klasse E. Bei einem Großteil der Ritte konnten wir ein Schleifchen mitnehmen. Traumnoten auch über 8 waren dabei. Bee hat es „einfach gemacht“. Im Gelände sitzen keine Gespenster, die wohnen in der Reithalle hinter C oder A!

 

Es war eine emotionale Saison, geprägt von Erstaunen, Glücksgefühlen und immer wieder auch der Sorge um eine erneute Verletzung.

Wenn man so ein Jungpferd hat und es bemuttert und betüddelt, dann ist das schon eine besondere Bindung. Wer aber bereits einmal das Pech hatte, ein krankes Pferd pflegen zu müssen, der wird wohl bestätigen, dass eine solche Zeit auch die Bindung sehr stärkt. Das viele Spazierengehen, das Behandeln und Kümmern...

Ein Turnierstart war also eine Mischung aus „Party mit der besten Freundin“ und „Ausflug mit dem Schoßhund“ und auch eine Ecke „dem Adoptivkind beim Erwachsenwerden zugucken“.

Wir hatten durch unsere Verletzungspause sicher ein Jahr verloren, ist ja grundsätzlich egal aber ich dachte schon, sämtliche Jungpferdeprüfungen sind für uns nicht mehr zu erreichen. Bee aber hat mir so ein sicheres Gefühl gegeben, wir konnten zum Ende der Saison bereits im A starten und haben als Höhepunkt eine Schleife in der Geländepferde A erreicht.

Um diesen Blogbeitrag nun nicht voll mit Glitzer-Rosa-Herzchen-Geschleime zu packen, wie großartig mein Pferd ist und wie einfach und toll und erfolgreich alles war, bleibe ich hier auch direkt bei der Wahrheit. Natürlich haben wir auch das ein oder andere verbockt.

Zum Beispiel in einer Springprüfung, da hat sie sich umgedreht und ich bin mit einem eleganten Airbag-Puff im Sand gelandet.

Oder – als Katastrophen-Highlight –  mein Start in der letzten Geländeprüfung der Saison.

Diese Bilder muss ich an der Stelle jetzt unbedingt zeigen, denn ich glaube, noch kein gezeigtes Foto hat so viel Beachtung in Instagram und Facebook erhalten.  Ich bin ja auch dafür da, euch als Leser zu unterhalten. Der ein oder andere Heiterkeitsanfall beim Lesen wäre also echt wunderbar.

 Ich erzähle jetzt noch das Detail dazu. Meine Mama kam zugucken. Das ist etwas Besonderes und – natürlich – hat so eine vernünftige Mama immer etwas Angst um das Kind. Also, wenn es so wild da umher galoppiert und die Mamas am Rand der Strecke immer so Herzklopfen bekommen.

So also auch meine Mama. Trotzdem ein gewisser Stolz und auch Neugier und somit war sie eben an diesem Turnier dabei.

 Töchterlein Momo startet ihren Stil Geländeritt der Klasse A. Sprung 1 war prima, Sprung 2 dann nicht. Ich dachte Bee springt aus der großen Distanz, aber ich sprang an dieser Stelle alleine ab. Die Bildserie zeigt vorzüglich warum es keine gute Idee ist und erklärt malerisch, wieso die Reitlehrer immer rufen: Bleib sitzen und nicht vor dem Pferd springen!

 In der Landephase, bei der mein tapferes Pferd weiter galoppierte als sei nichts passiert, konnte ich mich mit den Händen auf ihrem Kopf abstützen und mich zurück in den Sattel drücken. Das war auch der Moment als ich an meine Mami dachte, auweia, die Ärmste, sicher ein Riesenschreck! Zum Glück bin ich nicht runtergefallen!

Weiter auf meinem Weg zu Sprung 3, ich hab wieder meinen vorgesehenen Platz eingenommen und Bee spitzte wach die Ohren, zog zum nächsten Sprung.

Aber warum kreischen denn alle so?“ Die Trense, die Trense.“ Ja was wollen die denn? Ich nehme meinen Blick von der Linie und schau mal auf Bees Kopf. Ja, Tatsache, hier baumelt etwas. Irgendwas klopft ihr da auf den Kopf. Also, durchparieren. Bei näherem Hinsehen war klar, in meiner Notlage habe ich dem Pferd das Genickstück vom Kopf geschoben. Das Gebiss war im Maul und der Nasenriemen schien auch intakt. Aber der Rest der Trense samt Kopfnummern flatterten Bee lustig vor den Augen umher.

Wir wären so einfach weiter geritten, weil ich hab das gar nicht bemerkt.

Jetzt steh ich aber da, irgendwo zwischen Sprung 2 und 3 und überlege, ob das nun das Ende der Prüfung ist. Jetzt, wo ich so eine akrobatische Höchstleistung erbracht habe.

Absteigen kann ich ja schon mal nicht und fremde Hilfe ist auch nicht erlaubt. Also mache ich mir die geringe Gesamtgröße meines Pferdes zunutze und schiebe kurzerhand die Trense dahin zurück wo sie her gekommen ist. Klappt einwandfrei.

Also setzte ich meine Reise fort.

Man sollte meinen, dies war genug Aufregung für einen Start, aber um meiner Mutter den Herzkasper Nr. 2 zu bereiten, habe ich mich am letzten Sprung der Strecke auch nochmal herausragend blöd benommen. Hier folgt auf einen Tiefsprung ins Wasser ein Sprung in einer für uns ungünstigen Distanz. Ich hab das im Training auch nie ideal getroffen.

Wenn aber so viele Leute dabei sind, musste ich gleich nochmal zeigen wie man es wirklich nicht macht. Was ich an Sprung 2 geübt habe, kam hier nochmal zur Vorführung. Ich spring los, Bee noch nicht. Die kommt diesmal auch richtig dicht und verstolpert sich leicht. In der Landung hing ich irgendwo leicht seitlich und versuche zu erahnen wo die Ziel-Linie sich befindet, weil ich dachte soweit kann ich es noch in dieser Position aushalten. Danach runterfallen wäre irgendwie OK.

Aus mir bis dato ungeklärter Ursache bin ich aber nicht gefallen sondern habe den Weg zurück in den Sattel gefunden. (Möglicherweise hat hier ein Gespenst geholfen, Gelände-Erwins sind ja scheinbar echt OK.)

Ich kann behaupten, meine Mutter ist jetzt einigermaßen abgehärtet.

Mein Dank gilt an dieser Stelle Thomas Sittner, der als Turnierfotograf unerschrocken weiter abgedrückt und mir die Bilder zu Korrekturzwecken zur Verfügung gestellt hat ;-)

Ich kann im Nachhinein nicht mehr genau sagen wie ich es fertig gebracht habe, nicht vor Scham im Sandboden ein zu sinken. Meine Güte, was eine peinliche Vorstellung!

Mein armes Pferd! Aber irgendwie waren die Zuschauer echt nett und viele klopften mir mit Respekt und Aufmunterung auf die Schulter. Kacke geritten bin ich wohl, aber gut gerettet hab ich mich wohl auch. Schwamm drüber – oder in meinem Fall war es dann Sekt!

Zum Glück kann ich heute drüber lachen, weder Bee noch meine Mutter haben bleibende Schäden davon getragen J

Zum Abschluss noch ein Bild auf dem man sieht, der Rest der Runde war okay, wenn auch der Stirnriemen etwas schief sitzt – aber ihr wisst ja jetzt, warum!

Eure Momo

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Du willst die ganze Geschichte von Momo und Was A Bee erfahren?

Teil 1: Wie eine Biene in den Busch kommt

Teil 2: Das erste Jahr mit Bee

Teil 3: Das zweite Jahr mit Bee

Teil 4: Romantik mit Jungpferd

Teil 5: Pferd, Mensch und Reiter

Teil 6: Galopprennen & Schrittspaziergang