Bee: Neues von Erwin!

Meine kleine große Bee hatte bewiesen: Springen und Gelände geht eigentlich immer irgendwie. So eine überraschend erfolgreiche erste Saison! So viel Spaß und vor allem: Gesunden Pferdebeinen. Einfach der Wahnsinn. Da will man natürlich anknüpfen, weitermachen, weiterkommen, M** Siege, Festhalle, Aachen, Olympia, Weltmeisterschaften, Momo Klimke...... ich will nicht von Größenwahn sprechen, aber das müsste ein Psychologe beurteilen.

So sehen Sieger aus

Demnach war klar, was wir üben müssen: Dressur. Da fang ich schon beim Schreiben gleich an zu seufzen. Aber ein kurzer Exkurs in Sachen Vielseitigkeit (um die Dringlichkeit zu unterstreichen): Eine VA (Vielseitigkeitsprüfung der Klasse A) besteht aus 3 Teilprüfungen. Dressur, Springen & Gelände. Wird aber als eine einzige Prüfung gewertet. Also wer die beste Dressurleistung erreitet, aber im Gelände nicht ans Ziel kommt, der hat in der Rangierung dann auch nix von der tollen Dressur. Erst wenn alle Teilprüfungen beendet sind, kann die Rangierung erfolgen. Wer also in einer der 3 Teilprüfungen nicht ins Ziel kommt, ist raus aus dem Turnier, egal wie gut die vorherige Teilprüfung war. Wer in der Dressur wirklich miserabel ist, der kann unter Umständen ohne Springen und Gelände schon wieder auf dem Heimweg sein.

Dem musste ich entgegenwirken. Wir dürfen nicht einen vollkommen unkontrollierten Eindruck machen, sonst werde ich möglicherweise aus Sicherheitsgründen disqualifiziert. Eine weit verbreitete Meinung ist nämlich, wenn ein Pferd im Dressurviereck macht was es will, tut es das im Gelände auch und das ist ja dann gefährlich. Ist natürlich gar nicht so... also nicht zwingend... Aber Sicherheit geht nun mal vor!

Also keine Diskussion. Ziel für die Saison 2017: mindestens 5,0 in der Dressur, kein wiederholtes Verreiten und nicht das Viereck verlassen. Über die Wintermonate komme ich naturgemäß nicht viel raus. Also mit dem Pferd. Während nämlich das Pferd raus kommt, sitz ich im Büro. Wenn ich dann aus dem Büro raus komme, ist es dunkel. Kalt sowieso. Manchmal sogar arschkalt. Oder an einigen Tagen auch megaätzendrichtigarschkalt. Mit Zähneklappern. Tageslicht sehe ich oft nur am Wochenende. Ausreiten kann man da aber auch nicht immer, wenn der Boden gefroren ist oder der Wind mich in die Halle treibt. Die Reithalle, die ist ja bei uns bewohnt. Laut Bee seit etwa 3 Jahren. Erwin, das Schreckgespenst. Wir kennen uns jetzt schon ziemlich lange, viele leben in einer weitgehend friedlichen Co-Existenz mit Erwin. Wie mit den Mäusen in der Futterkammer und der Spinne in der Gartenlaube. Naja. Die Spinne mag ich eigentlich nicht so, aber ich geh einfach nicht oft in die Gartenlaube. Also auch friedlich. Für Bee ist Erwin aber mehr wie die Riesenspinne. Aber Bee muss aus oben genannten Gründen in die Halle, sorry....

Erwin ist wieder da

Wie soll man üben, dass Erwin, inkl. dem Reisebus mit der Verwandtschaft, gefälligst irrelevant sind? Ich hab die Lösung! Rittigkeit. Kann ja nicht so schwer sein. Also reibe ich mir die Hände und leg los. Ganze Bahn und Konzentration! Dazu noch ein bisschen Konsequenz, mehrere Tüten voller Geduld, Talent würde auch helfen, Wiederholung, Gewöhnung, Durchsetzungsvermögen, technische Tricks, ausgefuchste Zügelführung, professionell angewendete Beinhaltung, einen Frosch küssen, zum Mondschein tanzen, Programmierkenntnisse, Beten, gute Wünsche, Einhornstaub und Tataaaa – fertig ist das rittige Dressurpferd! Zugegeben – ganz so einfach wie das jetzt grad klingt ist es nicht. Es gab gute und schlechte Tage (ich vermute, Erwin war manchmal einkaufen oder auf einer Party und schlichtweg nicht anwesend).
Dennoch – nach und nach kam ich besser zurecht und die Probleme wurden weniger. Zum Jahresbeginn hab ich direkt und voller Tatendrang A Dressuren gemeldet – und dort direkt auch 4er Noten kassiert weil – das muss man sich mal vorstellen – Erwin, direkt bei den Richtern gesessen und besonders frech die Glocke bedient hat! ...nichtzufassen...

Da muss ich jetzt gerade eine kleine Anekdote erzählen, was mir in diesem Frühjahr passiert ist. Es war ein ganz fürchterlich matschiger Tag, nass von unten und von oben! Ich sattle meine Bee am schmuddeligsten Anhängerparkplatz des Jahres (knatschknatschschnorks) und werfe so ungeschickt meinen Sattel auf den Pferderücken, dass dieser auf der anderen Seite herunterpurzelt, sich einmal wie ein Igel durch den Schlamm kugelt und dann unschuldig liegen bleibt. Mir blieb nur Fassungslosigkeit. In meinem ganzen Leben ist mir so etwas noch nie passiert. Ausgerechnet am schmuddeligsten Anhängerparkplatz des Jahres? Knatschknatscharsch und so?! Aber was solls, shit happens, ich organisier mir ne Küchenrolle und wische grob ab, was sich nicht so tief in die Ritzen und Nähte gesetzt hat. Zum Glück hab ich die (cremeweiße) Schabracke nicht mit runter geworfen. Man muss ja positiv bleiben. Grob gereinigt hatte ich nicht mehr so viel Zeit zum abreiten und sozusagen eine Bio-Färbung meiner Reithose. Megacool, bei den Voraussetzungen, das muss einfach gut werden. Höchstmaß an Dumm-Gelaufen und Pech-Gehabt schon einkassiert, jetzt kann nur noch Glück und Erfolg übrig bleiben.

Aber nein, war halt trotzdem ne Vorstellung „mit erheblichen Spannungen“. Müsst ihr also nicht probieren: Schlamm bringt definitiv kein Glück. Das sind glaube ich Scherben, da habe ich aber noch keine Erfahrung. Ein paar Wochen später, als das Wetter besser und die Reithose wieder sauber war, hatten wir einen Durchbruch. In einer Dressurprüfung waren wir fast platziert, mit einer sechskommairgendwas! Ich hab meinem Reitlehrer vor Glück direkt Gummibärchen mitgebracht. Doch kein hoffnungsloser Fall. Erwin im Urlaub, oder jemand hat ihn ins All geschossen, egal! Vom vorletzten Platz den Sprung zur Reserve – Bee war total entspannt. Ich dann total aufgeregt. Ob das nun so weitergeht? Knoten geplatzt? Gespensterphobie überstanden?

Übung macht den Meister

Nee... War natürlich eine Ausnahme – aber dennoch, ich hatte danach nur noch ein oder zweimal eine 4er Note, sonst so 5,0-5,7 was mich absolut zufriedenstellte. Dressurziel erreicht. Die weiteren Teilprüfungen, Springen und Gelände, haben dann durchgängig gut funktioniert. Nicht nur fehlerfrei, auch in der Zeit. Ich habe in diesem Jahr auch 2 kleinere Stil-L im Gelände, sowie L-Springen geritten. L-Dressur halt noch nicht direkt, aus bekannten Gründen. Die größten Erfolge waren aber 2 Platzierungen in VA – trotz unterem Dressurergebnis konnten wir uns in Springen und Gelände nach vorne reiten, das ist einfach cool. Ich weiß natürlich, wie sehr ich das diesem kleinen Wunderpony zu verdanken habe. So eifrig und geschickt und schnell – der perfekte Partner im Gelände. Ich könnte einen ganzen Blog damit füllen von einem Geländeritt zu schwärmen! Aber is ja kein Rosa-Brille-Beautychannel hier!

2017 hat die Erwin-und-Verwandtschaft-Spinnen-Desensibilisierung also erste positive Ergebnisse erzielt. Wir sind noch nicht die besten Homies mit den Gespenstern vom Planeten Pferdeschreck, aber wie schon eingangs geschrieben, wir können alles schaffen. Die beste Biene genauso wie eure Lieblinge. Aufgeben ist nix für Reiter, miteinander Ziele erreichen und zusammen wachsen gehört doch auch zu unserem schönen Hobby. Muss ja nicht immer mit dem Turnier zu tun haben. Wir sind einfach nie „fertig“ weil wir uns auf immer und ewig noch weiter verbessern können. Alles was ich mit Bee, von Bee und für Bee lerne, lerne ich auch für mein nächstes Pferd, also macht das alles einfach Sinn.
In diesem Sinne: Rittigkeit und Einhornstaub für alle, Partyverbot für Erwin!

LG, Momo



Momo und Bee in ihrem Element
 

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