Bee: Pferd, Mensch und Reiter.

Jeder kennt den Spruch: Ein Reiter ohne Pferd ist nur ein Reiter am Boden. Ein Pferd ohne Reiter ist ein Fohlen. 

Ja ok, ich hab ein klitzekleines bisschen die Tatsachen angepasst. Ein Reiter ohne Pferd ist nur ein Mensch, aber ein Pferd ohne Reiter ist immer noch ein Pferd. Natürlich.

Aber nur einfach ein Pferd. Kein Reitpferd. Ist schon etwas komplett Anderes. Darum geht es in diesem Blog, denn es macht schon irgendwie einen Unterschied!

Wir erinnern uns, die kleine Bee war den Sommer über auf der Koppel und zum Winter holte ich sie in den Reitstall.

Ich genoss es sehr, die Stute nun in meiner Nähe zu haben, jeden Tag war ich bei ihr und wir gewöhnten uns schnell wieder aneinander und die gemeinsamen Trainingseinheiten, Spaziergänge und Ausritte mit Bee als Handpferd.

Nachdem Zahnarzt und Sattler da waren, wurde das echte Einreiten in Angriff genommen. Mein Senior Jackomo, so ein guter Fahrlehrer. Bee bestens vorbereitet. Schritt, Trab, lenken, bremsen... es gelang alles so spielerisch.

 

Nur beim Galopp war ich schneller am Boden als ihr „Fohlen“ sagen könnt! Mannometer.

Dafür hab ich mir dann einen Profi geholt.

Der Zufall wollte es, in diesem Winter waren mehrere Pferde zum Einreiten in der kleinen Anlage. Und da kam ein geübter Rodeo-Fachmann, den ich kurzerhand auch auf Bee die Galoppgeschichte testen ließ.

Ich habs in Ruhe und im Entlastungssitz versucht. Mr Uhupopo hat einfach den Hintern fest im Sattel gelassen und die Beine zugedreht das Bee mehr nach vorne und weniger nach oben reagiert hat.

Nach 2x Vorreiten hab ich mich dann auch wieder an den Galopp gewagt und es klappte!

Ich neige ja eher zu „Action“ und hab nicht lang gefackelt. Sobald der Galopp installiert war, gab es quasi kein Halten mehr. Raus auf den Platz, raus ins Gelände und auch der erste Springversuch war schnell erledigt. Aber nicht nur Spaßprogramm, natürlich habe ich mir viel im Unterricht helfen lassen und bin auch bei einem Dressurlehrgang mitgeritten, um bei der Ausbildung nicht gleich den Kopf-Hoch-Hirsch zu installieren.

 Ach, ich hatte richtig Spaß! Ausbildung ist was Schönes! Ich bin in der Zeit auch nicht so oft runter gefallen. :-)

 

Aber kein Sorge, ein 4jähriges Pferd ist irgendwo zwischen Fohlen und Reitpferd. Also noch kein sportliches Programm und natürlich nicht jeden Tag mit Reiter.

So auch der erste öffentliche Auftritt! Freispringwettbewerb für Pferde-Teenager!

Bei der Gruppe der 4jährigen kam Bee relativ am Ende der Starter in die Halle. Nach den ganzen schicken Braunen und Schimmeln, deren Pedigree nur so von Springvererbern der Spitzenklasse wimmelte... alle natürlich schon groß gewachsen und geschoren und irgendwie total professionell... dann die Bee. Klein, fleckig, Fellüberschuss... Ich bin sicher, aus den Reihen ein Kichern gehört zu haben.

Nach dem kurzen Freilauf kam sie an den Stangen-Start und konnte sich gut präsentieren. Die Stangen wurden höher gelegt und dann gab es einen Abwurf. Dann die finale Runde: Bee nun besonders vorsichtig, hob ab und flog über die Hindernisse, dass ich die Luft anhalten musste! Ein Raunen ging durch die Halle, ein Pfiff, und dann kam das Mikrofon zum Einsatz: "Größe - was ist das? Farbe - was ist das? Wenn das Pferd gut ist, ist es gut! Das hat Was a Bee hervorragend gemeistert!" Was für ein Gänsehaut-Moment! Meine kleine Bee bekam die Traumnote 8,3 und wurde mit dem 3. Platz belohnt. Beinahe wäre ich vor Stolz geplatzt! Zum Glück hab ich aber nicht so eine Sauerei veranstaltet und stattdessen (ca. 10cm größer) Bee und ihre erste Schleife grinsend nach Hause gefahren.  

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Auf diesen Erfolg folgte noch eine weitere Platzierung im Freispringwettbewerb – und ich begann auch vereinzelt Bee auf Turnieren vor zu stellen. Aber mit mir war das direkt nicht mehr so achtkommadrei...

In der Reitpferde steppen die richtigen Pferde dann los, da komm ich mit dem Ponytrab kaum hinterher. Das verfolgt einen quer durch die ganze Aufgabe und ich hab das schnell sein lassen. Ja ehrlich, da sitzt jemand und liest die Aufgabe und ich bin mit 3 Großpferden im Viereck auf 60meter. Schon nach 20 Metern wird man konsequent überholt und nach weiteren 20 Metern ist der Abstand auf die selbige Größe angewachsen. Die Bahnfiguren hab ich direkt in der ersten Runde schon abgekürzt um wenigstens die Verfolgung nicht komplett aufgeben zu müssen. Aber wenn das vielleicht noch eine Abteilung erkennen lässt, dann ist die spätestens bei „Tritte verlängern“ völlig verloren. Die schieben da 6-Meter-Schritte auf die Diagonale, da ist mir ganz schwindelig geworden. An Abkürzen ist hier schon gar nicht mehr zu denken. Also hab ich direkt den einen oder anderen Zirkel ausgelassen. Dann ist das am Ende beim Aufmarschieren nicht ganz so aufgefallen, wie lang die Dressurteams auf uns warten mussten. Grüßen und schnell die Bahn verlassen. Die Prüfung ist an sich wirklich schön für Jungpferde, die Bewertung war auch nett, aber ganz klar: nix für uns. Wir waren wie das kleine weiße Pony aus der Ricola-Werbung, kennt ihr das noch? Zwischen den Jagdreitern? So kann man sich das vorstellen. Trippel-Trippel-Trab... Riiicollaaaaa ...

Da müssen Sprünge her. Also hab ich Eignungsprüfung genannt. 4 Hoppser – eigentlich kein Thema. Aber unter Turnieratmosphäre doch noch etwas schwer für uns, da gibt es einfach zu viel zu gucken und so ein Sprung kommt dann völlig überraschend. Also wurde das auch nicht weiter verfolgt.

 

Das eigentliche Ziel der Prüfungen war ja auch mehr das Drumherum. Hänger fahren, Lautsprecher kennen lernen, aus Eimern trinken und friedlich am Turnierplatz grasen gehen. Hier hat Bee direkt die goldene Schleife verdient. Ich habe mir stets viel Zeit gelassen und so konnte die Kleine völlig stressfrei alles kennen lernen.

Es war ein herrliches Jahr. Ich hätte nie geglaubt, wie schnell so ein Jungpferd lernt. Es war alles so unglaublich einfach. Wie einen Hund stubenrein bekommen, irgendwie wissen die Tiere, was wir von ihnen wollen, es ist wie Magie. Das ganze Jahr war wie Magie für mich. Ich war auch nicht so ungeduldig, die Fortschritte und der Spaß-Faktor waren so hoch, da wollte ich gar nicht „mehr“. Alles lief perfekt.

Bis zum Herbst. Da habe ich dann einen großen, großen Fehler gemacht.

Ein Reiter mit einem kranken Pferd ist nur eine Führanlage, aber ein Pferd mit Verletzung ist das Ende der Welt. Was genau passiert ist und wie es weiter ging, lest ihr in meinem nächsten Blog.

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Du willst die ganze Geschichte von Momo und Was A Bee erfahren?

Teil 1: Wie eine Biene in den Busch kommt

Teil 2: Das erste Jahr mit Bee

Teil 3: Das zweite Jahr mit Bee

Teil 4: Romantik mit Jungpferd

Teil 6: Galopprennen & Schrittspaziergang