Bee: Wie ein Alpaka im Streichelzoo

Zur Abwechslung berichte ich Euch mal etwas Aktuelleres. Turnierbericht aus Kaisersesch Juli 2018. Dressur- und Springturniere findet man im Umkreis von 100 km ja an jedem Wochenende, also zumindest hier im Rhein-Main-Gebiet. Vielseitigkeitsturniere gibt es natürlich nicht so oft. Also habe ich den Umkreis bei der Suche erhöht und bin auf Kaisersesch gestoßen.

Von dem Turnier hatte ich im Vorfeld schon Positives gehört. So 2-2,5 h Fahrt, eine VA** und eine Stil A* - Grund genug, direkt Box und Hotel zu buchen. Im Vorfeld war es dann besonders erfreulich, meine Freundin wollte mich begleiten. Mit TT macht sowas ja dann noch mehr Spaß! Das Hotel ließ sich leicht verdoppeln und aus dem Turnierwochenende wurde ein Mädelswochenende!

Los gings ganz angenehm Samstag um die Mittagszeit. Damit das aber nicht zu entspannt und einfach ist, hat mein Auto schnell noch sein Radlager geschrottet. Zum Glück hab ich nicht nur „irgendeinen TT“ sondern einen „TT Deluxe“ am Start – mit geeignetem Zugfahrzeug. Herrlich! Somit waren wir dann einwandfrei pünktlich on Tour. Das Navi meines Handys hatte auch keine Verwirrungen und die Autobahnen waren frei. Nur eine Sache war echt seltsam: Regen. Kennt man sich ja gar nicht mehr mit aus. Aber den Scheibenwischer haben wir zum Glück noch gefunden. (Für alle, die sich nicht mehr erinnern: dieses Ding, das -queek-queek- über das Sichtfenster schlingert und die Tropfen wegschubst)

Aber der Regen ist ja wichtig und tut ja gut und naja, der Boden würde es rein aus Reitersicht betrachtet schon verkraften. Tadaa! Nach staufreier Fahrt kamen wir am Turnierplatz an. Zumindest standen da Hänger und wir stellten uns da mal dazu. Der Turnierplatz war aber noch einen Fußmarsch entfernt. Aber wir sind ja sportlich (größte Reiterlüge der Welt)… hüstel… Ein beschaulicher Platz ohne große Hügel empfing uns. Ich sah eigentlich keine Menschenseele. Ist hier nicht Turnier? Reiten tat gerade niemand. Aber dann doch ein paar Menschen. Alle sind total entspannt. Ich lauf meine Strecke ab, die aus der Stil A. 1-2-3 fast geradeaus, rechts rum 4 oberhalb 5a-b dann… äh warte, zurück Richtung Sprung 1 und dann aber links in das Wasser und in den Wald zu 8, aus dem Wald raus, nicht die Gabelung verpassen… Billard… Kringel links… Kringel rechts… hierum darum Löffelstiel... Ziel. Läuft! Ich guck mir den Weg aus dem Wald und zum Billard nochmal an, studiere, wann genau 6 dran ist und welches von den Häuschen zuerst. Schaue mir noch ein paar Reiter an – easy. Ich hab‘s im Griff! Lirum, larum, Löffelstiel, wer das nicht kann, der kann nicht viel...

Beim Satteln dann erneute Irritation – es war überall nass. Das war echt komisch. Man konnte nicht einfach alles irgendwo abstellen und hinlegen. Total ungewohnt. Ich drehte mich wiederholt im Kreis mit irgendwas in der Hand, völlig hilflos, wo ich das jetzt hinlegen kann. Aber der Boden war meiner Meinung nach ok, ein bisschen vorsichtiges Reiten vorausgesetzt. Der Abreiteplatz diente hier als ideale Vorbereitung, der war nämlich so schief, da kann der Dressurreiter vor Schreck Windpocken bekommen!

Klingeling, los ging‘s, die Biene unterwegs. 1 kein Problem und 2 fest im Visier – Bee wollte da echt nicht hin (Erwin, du Doofkopp, interessierst Dich jetzt auch für Geländereiten????), aber ich hab die Schlangenlinie in den Griff bekommen und sie ist dann doch brav gesprungen. 3 kleines Zögern, etwas dicht, die Ideallinie auf 4 ist geglückt und jetzt war die Biene auf „on“, die Öhrchen gespitzt visierte sie alles an und suchte den nächsten Sprung. Der kam in Form der Kombi 5a-b und passt perfekt, zurück die 6 und Richtung Wasser… ANHALTEN! ANHALTEN! Ja meine Herrschaften, was war denn hier los? Hatte ich was verloren? War was passiert? Was war denn das für ein Aufruhr? Ich stoppte noch im Wasser und schau verdutzt in die Menge der Zuschauer. „Sie haben sich verritten!“ Ich denk noch: „Nee, hab ich nicht, du hast ja wohl Tomaten auf den Augen, ich bin voll toll unterwegs oder warte mal… doch? Wo denn?“

Gesagt habe ich aber nur sowas wie: „Öh...?“ Der Sprung 2 war der verkehrte. Ich drehte mich um und mir dämmerte es. Der Sprung 2, den ich genommen hab, hatte auch ne 2 drauf. Aber eine rote. Im Stil A zählen die orangefarbenen Nummern. Mist. Mein 2er wär ca. 5 m weiter links gewesen. Ja. Doof jetzt. Lirum, larum, leck, und du bist weg.

Oh, falsche Richtung

Gut, dass ich mir alles andere nochmal genau angeguckt habe, aber die vermeintlich einfache Linie 1-2-3 hatte ich vernachlässigt. So kanns gehen – mir geht’s öfter mal so. Ist fast schon typisch.

Aber so hatte Bee sich nicht überanstrengt und morgen war ja auch noch ein Tag. Schwamm drüber! Bee in die Box, wir Mädels noch Sushi Essen und dann ab in die Heia!

Abreiten für die Dressur war auf dem Abreiteplatz vom Vortag. Bee lief zwischen dem Stolpern ganz nett und ich ritt rechtzeig Richtung Viereck, um mich dort noch ein bisschen zu akklimatisieren. Erwin und so, ihr wisst schon!

Die Veranstalter hatten sich vermutlich erhofft, die leichte Schräge mit den kleineren Löchern käme den Pferden wie ein richtiger Dressurplatz vor, wenn sie vorher auf dem alpinen Abreiteplatz waren. Kleine Info am Rande: War nicht so. Ich hab ein paar Reiter beobachtet, denn ich war ein bisschen früh dran, spätestens im Galopp gingen die guten Vorsätze verloren...

Wie dem auch sei, irgendwann kam ich an die Reihe. Um das Viereck drum rum reckte Bee den Hals wie ein Alpaka im Streichelzoo. Im Viereck war es dann so lala ok. Zumindest war die Frisur besser als bei einem Alpaka.

Video wäre jetzt sogar in meinem Youtube Kanal zu finden, wenn jemand sich für so Nebensächlichkeiten wie Dressur näher interessieren sollte...


Es gab nach meiner olympischen Runde der Alpakadressur keine Durchsage und keine Note. Aber war ja auch wurscht, ändern konnte ich es eh nicht mehr. Also weiter zur nächsten Aufgabe. Die Biene dem TT-Deluxe in die Hand gedrückt und zum Springplatz marschiert. Auch etwas schief. Egal. Ich hab ziemlich selbstbewusst vom Rand in den Kurs geschaut – 2x verreiten an einem Wochenende schaff nicht mal ich, also konnte ich das jetzt mal riskieren. Dann direkt aufs umgesattelte Pferd gekrabbelt und nach 2-3x Sprüngen rein in den Parcours. Bee war richtig super. Die Sprünge haben ihrem Turnierleben wieder einen Sinn gegeben – und sie war natürlich echt kleinlich abgeritten! Also kam eine Nullrunde auf mein VS-Konto. Sehr erfreulich. Das wurde auch durchgesagt – hätte ich aber auch selber noch gewettet.

Viel wichtiger wäre ja jetzt das Dressurergebnis. Aber keine Infos zu finden. Nachdem wir Bee versorgt haben war dann mal hinsetzten und genießen geplant. Ein Frühstück und ein Kaffee, denn das Wetter war noch kühl genug für ein warmes Getränk. Eine Weile später haben wir dann auch Ergebnis bekommen. Eine 5,8 in der Dressur. Bisschen knauserig, wie ich finde. Für ein Alpaka waren wir echt voll durchlässig! Die Richter fanden Bee spannig. Pfffffft! Insgesamt lag ich nach Dressur und Springen auf Rang 14.

Nach einer angenehmen Pause, in welcher wir nochmal den Kurs abgelaufen sind (bei wirklich gutem Boden) ging es dann los ins Gelände für Bee. Jetzt war sie schon drei Mal auf dem „Vorbereitungsplatz“ und schaffte es nicht, da mal lang zu traben. Ich denke, so wie sie die Geländehindernisse betrachtet hat, wären alle Alpakas der gesamten Streichelzoo-Vereinigung neidisch geworden! Man glaubt es kaum, wie sie da langstakste und die Augen aufriss – und dann 5-4-3-2-1 GO! Wenn man mit Bee auf einen Sprung zu galoppiert, ist der nicht mehr gruselig. Diese Logik ist weit verbreitet. Ich werde es nie verstehen. 1 war wie am Vortag und 2 war – für mich – auch wie am Vortag, denn diesmal völlig korrekt. Zu 2 wollte sie wieder nicht ganz so gerne, aber danach schnurrte der kleine Scheckenmotor durch den Kurs. Vom Feeling her habe ich nicht auf die Zeit gedrückt und versucht jeden Sprung passend zu treffen. Es gelang mir auch, ohne neues Material für den #failfriday zu sammeln. Das Video könnt ihr auch auf Youtube sehen, ich habe versucht die Strecke so gut wie möglich zu zeigen.

Eine echte Herausforderung für mich war die Linie 9 auf 10. Man kommt einen normalen Weg entlang, rechts und links Bäume, dann taucht auf einmal dieser Steilsprung auf, den man wirklich schräg nehmen muss – um danach auf diese Hecke zu zielen, die auch nicht so einladend wirkt. Aber es klappte ganz wunderbar, keine Ahnung woher Bee gewusst hat, wo sie lang muss. Sie war auch kurz vor dem Ziel noch voll bei Kräften und es machte einfach nur richtig viel Spaß.

Zum Führen und Absatteln neben dem Abreiteplatz wurden die Menge der bis-über-beide-Ohren-grinsenden Menschen immer mehr. Die Reiter kamen einfach happy aus dem Gelände. Zu meinem persönlichen Erstaunen schienen weder 9-10, noch die Zeit ein Problem zu sein. Aber es gab keine Durchsage oder Ergebnisse, nur manche Reiter hatten eine Uhr dabei und wussten, es war in der Zeit (500 m pro Minute, insgesamt 2 km). Die durchweg zufriedene und entspannte Stimmung auf diesem Turnier zog sich also durch alle Prüfungen und – niemand regte sich sonderlich auf über die fehlenden Ergebnisse. Es spielte kaum eine Rolle, denn der Spaß an den Ritten stand im Vordergrund.

In aller Ruhe haben wir Bee abgespritzt, geklopft und geführt und sie dann nochmal auf ihren Hänger gestellt. Wir haben dann auch ein wenig gechillt. Mittagessen und ein kühles Getränk und dabei den anderen Reitern zusehen. Irgendwann kam mein TT Deluxe und wurde augenblicklich zum TT Deluxe mit guten Nachrichten befördert. Denn ich hatte es mit meinem Ritt noch geschafft, auf Rang 8 zu galoppieren. Das kam sehr überraschend und natürlich freuten wir uns total! Ein Alpaka ist VA-platziert, fantastisch! Bis zur Platzierung gab es noch eine kleine Wartezeit, weil die Platzierungen nach der letzten Prüfung stattfinden sollten.

Um Bee nicht so lang auf dem Hänger stehen zu lassen durfte sie nochmal grasen gehen. Nach 20 Minuten wurde ihr das aber langweilig und sie begann hin und her zu zerren und auf der Stelle zu hopsen. Ich freute mich, sie nach den drei Prüfungen noch so bewegungsfreudig zu sehen. Mein TT freute sich nicht so sehr – ich muss vermutlich an der Erziehung vom Alpaka arbeiten... aber das verschieb ich auf später. Ich zöpfte Bee vor der Heimfahrt noch auf – jetzt stimmte auch die Frisur ;)

LG, Momo



Super Frise, Bee!
 

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